Denver Broncos

Viel Gehalt, wenig Leistung: Russell Wilson steckt bei Denver Broncos in der Krise

Die Denver Broncos haben sich verrannt. Quarterback Russell Wilson wurde vor der Saison als Königstransfer gefeiert. Jetzt liefert er nicht. Seinen Job dürfte ihn das nicht kosten. Dafür könnte Chefcoach Nathaniel Hackett nach nur einer Saison dran glauben müssen.

Russel Wilson von den Denver Broncos
Credit: Imago

Wenn ich versuche, meine Mitarbeiter in die richtige Richtung zu bewegen, suche ich mir oft – und vor den Augen des gesamten Unternehmens – den höchstbezahlten Mitarbeiter, den ich finden kann, und schreie ihn an. Wenn es um die Steigerung der Arbeitsmoral geht, ist dies das Geheimrezept.

Mit dieser Methode zumindest, versuchte Mike Purcell, Defensive Lineman der Broncos, im Spiel gegen die Panthers, das auf peinliche Weise verloren ging, seinem Team wieder Leben einzuhauchen. Als Purcell das Spielfeld verließ, brüllte er Wilson etwas durchs Helmgestänge. Und zwar in einer Attitüde, als hätte dieser ihm den letzten Parkplatz im Einkaufszentrum vor der Nase weggeschnappt. Wilson nickte ab.

Fragt sich: Warum ist Purcell derjenige, der versucht, seinem Team einen Funken zu geben? Warum ist dies der Weg, den er gewählt hat? Warum brüllt und schreit Wilson nicht? Warum tut der Kerl, der bis mindestens 2026 definitiv unkündbar ist, nichts anderes, als zu versuchen, den Eindruck zu erwecken, er sei nicht das Problem?

Das sind die größten Fragen, die sich die Broncos für die Zukunft stellen müssen. Während wir uns alle eine Meinung über das derzeitige Führungspersonal gebildet haben und bereit sind, das Ganze als Misserfolg abzustempeln und zuzusehen, wie der Trainer nach einer Saison entlassen wird, haben wir uns noch nicht gefragt, wer diesen Schlamassel übernehmen könnte.

Um eines klarzustellen: Wir plädieren nicht für die Entlassung von irgendjemandem. Nathaniel Hackett hat einen Großteil der Kritik für diese Saison auf sich genommen und in den Augen der meisten Leute, die dafür bezahlt werden, eine Meinung über die NFL zu haben, wird er derjenige sein, der den Preis für die ganze Sache zahlt. Wenn Sie "Nathaniel Hackett feuern" googeln, erhalten Sie gefühlt ähnlich viel Lesestoff wie bei der Suche nach "Weltmeisterschaft". Diese Idee, Hackett aus seinem Amt zu entbinden, ist nicht neu, sie ist wahrscheinlich nicht weit hergeholt, aber sie könnte die Misere in Denver letztlich noch verlängern.

Wenn ich in einer Machtposition bei den Broncos wäre, würde ich mich fragen, was Wilson getan hat, um den Verlauf dieser Saison zum Besseren zu ändern, und was er bei früheren Stationen getan hat, als er mit dem Rücken zur Wand stand. Was können wir weiterhin von einer Investition erwarten, würde ich mich dann Fragen, die buchstäblich zehnmal so hoch ist wie die, die wir in Hackett getätigt haben?

Wenn man einen angehenden Cheftrainer fragt, ob er einen Job in der NFL annehmen würde, wird er wahrscheinlich mit einem Satz antworten: Jede Rose hat ihre Dornen. Es gibt nur 32 dieser Jobs. Jedes Team hat entweder einen frustrierenden, aufdringlichen Besitzer, eine nicht vorhandene Fangemeinde, ein dezimiertes Receiver-Korps oder eine schwache Verteidigung.

Sondersituation bei den Broncos: Quarterback Russell Wilson ist mächtiger als Headcoach Hackett

Die Broncos sind jedoch etwas Besonderes. Wie bei den Browns, den Cardinals und den Packers macht die Höhe des Quarterback-Vertrags im Vergleich zum relativ unerprobten Trainer diese Quarterbacks fast so mächtig wie die Besitzer, da sie durch ihre eigene Leistung leicht die Neueinstellung und Entlassung eines anderen diktieren können. Das ist in vielerlei Hinsicht beängstigender und schlüpfriger als die Vorstellung, einen Davis Mills oder einen Daniel Jones zu beerben. Es ist keine Trial-and-Error-Phase vorgesehen. Es gibt einen vermeintlichen Standard.

Außerdem sind Trainer im Wartestand große Beobachter von Menschen. Ich habe schon früher darüber geschrieben, aber wenn der Quarterback den Raum verlässt, was machen dann die anderen Spieler? Was sagen sie? Bedeutet der Ausbruch Purcells gegenüber Wilson nichts – oder sagt er alles?

Bei diesem Gehalt sollte eigentlich Russell Wilson derjenige sein, der seine Teamkollegen antreibt

Anfang dieser Woche konnten wir beobachten, wie Zach Wilson von den Jets in einem langen Prozess aus seiner Rolle als Starting Quarterback herausgedrängt wurde, weil er nicht in der Lage war, die Schuld für eine unzureichende Offensivleistung auf sich zu nehmen. Letztlich ist die Vorstellung, dass Quarterbacks nach Niederlagen lächerlich zerknirscht sein sollten, albern. Wir als US-Amerikaner verstehen es, diese Art der Selbstgeißelung hochzuspielen und sie von allen anderen zu erwarten, nur nicht von uns selbst, wenn es uns schlecht geht.

Und Russell Wilson hat bei mehreren Gelegenheiten das gesagt, was sich die Jets von Zach Wilson erhofft hatten, wie etwa nach der Niederlage gegen die Colts vor zwei Monaten. Aber für den Preis – Wilson Gehalt – sollten die Broncos etwas mehr als nur das Nötigste erwarten dürfen - und auch erhalten. Sie sollten jemanden erwarten dürfen, der seine Mannschaftskameraden so in die Pflicht nimmt, dass sie nicht das Gefühl haben, die Dinge selbst in die Hand nehmen zu müssen. So wie Purcell.


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