Fußball

Franz Beckenbauer: Warum ihn am Ende seines Lebens das Glück verließ

Franz Beckenbauer ist tot. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs stirbt am 7. Januar 2024 im Alter von 78 Jahren. In seinem Leben geht es fast immer bergauf. Aber neun Jahre vor seinem Tod verlässt ihn das Glück. Der "Kaiser" stirbt einsam und krank.

Franz Beckenbauer starb am 7. Januar 2024
Credit: Imago

Franz Beckenbauer war der größte Fußballer aller Zeiten in Deutschland. Sein Weg an die Spitze verlief immer steil nach oben. Bis zum Sommermärchen 2006 war er der "Kaiser" - die Lichtgestalt schlechthin im eigenen Land. Auf der ganzen Welt kannte man seinen Namen.

Wo Beckenbauer hinkam, öffneten sich die Türen von Palästen und Politkern. Sein Wort hatte Gewicht. Seine Erfolge und seine Fußball-Expertise waren legendär. Kaum ein anderer arbeitete als Spieler und später als Trainer akribischer und machte sich und sein Team immer besser. 

Man kann fast sagen, dass Beckenbauer die ganze Welt zu Füßen lag. Aber die "Sommermärchen-Affäre" war der Beginn eines traurigen Weges. Aus dem Licht in den Schatten. Seitdem Beckenbauer illegale Zahlungen bei der WM-Vergabe 2006 vorgeworfen wurden, war nichts mehr wie früher. 

"Es war nicht fair, wie man mit ihm umgegangen sind"

Beckenbauer wurde zu einem anderen Menschen. Der emphatische und stets freundliche "Kaiser" wurde ernster, nachdenklicher und ruhiger. Die Vorwürfe gegen ihn konnten nie bewiesen werden und sind bereits verjährt. Dennoch war die damalige Zeit der Anfang vom Ende. 

Der ehemalige Bayern-Star war nicht mehr unumstritten. Nicht mehr die Lichtgestalt, die er über viele Jahrzehnte in Deutschland war. Der "Kaiser" war angreifbar geworden und konnte sich nicht dagegen wehren. Die Vorwürfe trafen ihn heftig - meistens mitten ins Herz. 

Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer
Credit: ARD-Doku
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Viele ehemalige Wegbegleiter wandten sich von ihm ab und machten Beckenbauer zum Buhmann. "Es war nicht fair, wie man mit ihm umgegangen sind", erklärt Ex-Bundesinnenminister Otto Schilly in der ARD-Dokumentation "Beckenbauer". "Das war für ihn sehr bitter und schmerzlich."

Beckenbauer hat nie gelernt mit Rückschlägen umzugehen

In dieser schweren Zeit hatte Beckenbauer "keinen Panzer. Es ist sehr nahe an ihn herangegangen", so Schilly. Später wurde Beckenbauer in der Öffentlichkeit teilweise heruntergeschrieben. Der Makel der WM-Vergabe haftete an ihm - und wird auch nach seinem Tod nicht verschwinden.

Später zog sich Beckenbauer immer mehr in sein Privatleben zurück, gab seinen Job als Sky-Experte auf und wurde in der Öffentlichkeit nur noch selten gesehen. "Ich bin einer, der das mehr in sich hineinfrisst, und das ist anscheinend das Verkehrte", sagte Beckenbauer einmal in "Bunte".

WM-Titel 1974: Franz Beckenbauer
WM-Titel 1974: Franz Beckenbauer
Credit: Imago
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Als Spieler hatte Beckenbauer nie gelernt mit Rückschlägen umzugehen. Der Weltmeister von 1974 gewann mit dem FC Bayern alle Titel und Pokal. Als Trainer gelang ihm neben Mario Zagalo und Didier Deschamps als Einziger das Kunststück, als Aktiver und als Teamchef (1990) Weltmeister zu werden.

Franz Beckenbauer: Schicksalsschläge ohne Ende

Anfang 2016 musste sich Beckenbauer einer Herzoperation unterziehen. Dabei wurden ihm mehrere Bypässe gelegt. Es folgte eine anstrengende Reha. 2017 folgte der nächste Eingriff am Herzen. 2018 erhielt Beckenbauer eine neue Hüfte und 2019 erlitt er einen Augeninfarkt. 

Auf dem rechten Auge sah Beckenbauer "wenig bis nichts", wie er einmal sagte. Am Ende sollte sein rechtes Auge komplett blind werden. Letztendlich waren seine letzten Jahre eine Tragödie. Man könnte fast denken, dass Beckenbauer für all das Gute in seinem Leben zuvor bezahlen musste.

Franz Beckenbauer im Alter von 78 Jahren gestorben
Franz Beckenbauer im Alter von 78 Jahren gestorben
Credit: Imago
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Die Schicksalsschläge nahmen kein Ende. Seinen schlimmsten Moment erlebte Beckenbauer beim Verlust seines geliebten Sohns Stephan im Jahr 2015, der lange gegen den Krebs kämpfte und den Kampf gegen den Hirntumor nach zwei Jahren zwischen Hoffen und Bangen verlor. 

Bruder Walter Beckenbauer kommen die Tränen

Von diesem Rückschlag sollte sich Beckenbauer nie wieder erholen. Vielleicht war der Tod seines Sohnes auch der Anfang vom Ende des "Kaisers", der danach nie wieder richtig gesund wurde. Aus dem Fußball-Helden wurde ein zurückgezogener, alter und kranker Mann. Vom Glamour blieb nichts übrig. 

"Es geht ihm nicht gut", erklärt Walter Beckenbauer in der ARD-Doku, die Monate vor dem Tod seines Bruders gedreht wurde. "Es ist ein ständiges Auf und Ab. Es ist jammerschade." Als er diese Worte sagt, kommen Bruder Walter die Tränen, denn dieses tragische Ende hat Beckenbauer nicht verdient.

Walter Beckenbauer
Walter Beckenbauer
Credit: ARD-Doku
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