Sports-Illustrated-Interview

Rudi Völler im Interview: Darum ist Hansi Flick ein guter Bundestrainer

Rudi Völler war Geschäftsführer und Sportdirektor bei Bayer Leverkusen. Im Sports-Illustrated-Interview spricht er über die aktuelle Krise, Trainer Xabi Alonso sowie Bayern-Coach Julian Nagelsmann. Außerdem blickt Völler auf die WM in Katar und das DFB-Team.

Rudi Völler im Sports-Illustrated-Interview
Credit: Getty Images

Sports Illustrated: Herr Völler, Sie waren Spieler, Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer. Welcher Abschnitt in Ihrer Karriere war am schönsten?

Rudi Völler: Die schönste Zeit in meiner Karriere war die Zeit als aktiver Spieler. Ich war 18 Jahre Fußballprofi. Wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann, dann ist das einfach wunderbar. Ich habe so lange gespielt wie möglich und erst im Alter von 36 Jahren aufgehört, als es nicht mehr ging. Als Fußballer aufzuhören, ist mir damals wirklich schwergefallen. Zu meinen Spielern habe ich später immer gesagt, hört ja nicht zu früh mit eurer Karriere auf. Kostet diese Zeit bis zum Schluss aus, denn Fußballprofi zu sein, ist ein absoluter Traumjob.

Sports Illustrated: War der WM-Sieg 1990 der beeindruckendste Moment und die Spuckattacke von Frank Rijkaard der schlimmste?

Völler: Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft war für mich das Maß aller Dinge, und im Klub-Fußball konnte ich dann ja auch noch mit Olympique Marseille die Champions League gewinnen – also die beiden wichtigsten Titel in unserem Sport. Solche Erfolge hängen natürlich immer davon ab, in welcher Mannschaft man spielt. Ich hatte das Glück, in der Nationalmannschaft Teil eines Topteams zu sein.Das war schon eine tolle Zeit. Die Aktion von Frank Rijkaard war nicht schön. Aber viel schlimmer war für mich die Rote Karte danach. Das hat mich noch viel mehr getroffen. Es wird für immer ein Geheimnis des Schiedsrichters bleiben, warum er mich damals vom Platz gestellt hat, er hat es mit ins Grab genommen. Wenn es damals schon den Videobeweis gegeben hätte, wäre ich nicht vom Platz geflogen. Das war bitter damals.

Sports Illustrated: Sie waren sowohl bei der Nationalmannschaft als auch in der Bundesliga absoluter Fanliebling. Wie sind Sie das geworden?

Völler: Die Basis ist immer der Vorname (lacht…). Das ist wie bei „Uns Uwe“ Seeler, der in diesem Sommer leider verstorben ist. Wenn man einen Namen wie Uwe oder Rudi im Stadion gut singen kann, dann ist die Voraussetzung schon mal geschaffen. Wenn man natürlich einen zu langen Vornamen hat, wird’s schon schwerer. Aber Spaß beiseite. Ich bin wie ich bin und verstelle mich nicht. Ich sage immer meine Meinung, auch wenn es die Menschen vielleicht nicht erwarten. Manchmal war das ein bisschen überzogen, das gebe ich zu. Aber bei vielen Sachen treffe ich auch den Kern – behaupte ich jetzt mal.

Sports Illustrated: Sind die Spieler heutzutage zu "rundgelutscht"?

Völler: Die heutigen Spieler sind eine komplett andere Generation in einer völlig veränderten Medienlandschaft. In der heutigen Zeit werden Dinge nicht mehr so direkt und offen angesprochen, wie das bei uns war. Die Spieler werden heute ganz anders ausgebildet. Wir haben damals gesagt, was uns gerade durch den Kopf gegangen ist.

Sports Illustrated: 2022 haben Sie das Zepter als Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen abgeben. Fühlen Sie sich als "Fußball-Rentner" wohl? Welche Dinge machen Sie jetzt?

Völler: Ich fühle mich sehr wohl damit. Ich hatte meinen Ausstieg mehr als ein Jahr lang geplant. Mein Vertrag lief aus und ich habe dem Verein rechtzeitig mitgeteilt, dass ich bei Bayer Leverkusen nicht mehr verlängern werde. Nach meiner Profi-Karriere habe ich 1996 als Sportdirektor angefangen und durfte Reiner Calmund in Leverkusen über die Schulter schauen. Danach war ich von 2000 bis 2004 Bundestrainer und bin später wieder zu Bayer 04 zurückgegangen. Ich habe das Geschäft wirklich sehr, sehr lange gemacht. Vor zwei, drei Jahren hatte ich einfach das Gefühl, dass es reicht, immer an vorderster Front zu stehen. Natürlich liebe ich den Fußball weiterhin und schaue mir zusammen mit meinen Söhnen die Spiele an. Aber ich wollte einfach aus diesem Rhythmus raus.

Sports Illustrated: Wie zufrieden sind Sie mit Xabi Alonso als neuer Trainer bei Bayer Leverkusen?

Völler: Wir alle hier sind froh, dass die neue Geschäftsführung eine Persönlichkeit wie Xabi Alonso für Bayer 04 gewinnen konnte. Xabi ist mit dem 4:0 gegen Schalke gut gestartet, aber dann verliert die Mannschaft wirklich unglücklich gegen Porto. Was natürlich enttäuschend ist, war die Niederlage gegen Frankfurt. Aber Xabi Alonso besitzt die nötige Qualität als Trainer. Er hat die Power und die Freude, diese schwere Aufgabe zu meistern. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm besser werden. Xabi hat sofort zugesagt, als er unsere Anfrage erhielt. Das freut mich, denn es zeigt, dass Bayer Leverkusen ein international anerkannter Klub ist. Zuvor hatte er bei anderen richtig guten Vereinen abgesagt, er hatte einige Angebote.

Xabi Alonso wird Trainer bei Bayer Leverkusen
Xabi Alonso wird Trainer bei Bayer Leverkusen
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Sports Illustrated: Statt wie gewohnt oben steht Bayer Leverkusen unten in der Tabelle. Wie schmerzt Sie das?

Völler: Man ärgert sich natürlich. Mitte Mai haben wir uns alle noch in den Armen gelegen. Wir haben alle Spieler im Sommer halten können und hatten eine gute Vorbereitung. Jetzt im Oktober gestaltet sich die Situation anders. Aber manchmal ist der Fußball brutal oder auch ungerecht – und keiner kann es verstehen. Wenn man zurückblickt, war das Pokalaus in Runde eins gegen Elversberg der erste Warnschuss. Dann steckt die Mannschaft in der Tabelle unten drin, die Köpfe fangen an zu arbeiten und selbst die gestandenen Spieler werden unsicher. Aber die Qualität des Teams und des Trainers ist vorhanden, wir werden uns wieder nach oben arbeiten. Bis zum Winter werden wir nicht mehr unter die ersten sechs, sieben Mannschaften kommen. Aber wir wollen schon ein paar Plätze gutmachen, damit wir in der Rückrunde noch einmal angreifen können.

Sports Illustrated: Wie beurteilen Sie die Leistung von Union Berlin? Können die "Eisernen" dem FC Bayern im Kampf um den Titel gefährlich werden?

Völler: Ich ziehe meinen Hut vor Union Berlin. Die Mannschaft hat ihre eigene Art, die Spiele zu gewinnen. Union haut seine Gegner nicht 5:0 weg wie Bayern. Aber das Team ist unheimlich diszipliniert und effektiv, was jeden Gegner schmerzt. Hinten lässt Union wenig zu. Für alle Mannschaften ist es schwer, sich Torchancen gegen sie zu erarbeiten. Darum stehen sie aktuell zurecht an der Tabellenspitze. Das tut der Bundesliga gut. Natürlich ist Bayern immer Titelfavorit. Man darf Union Berlin mit der Art und Weise, Fußball zu spielen, aber nicht unterschätzen.

 

Sports Illustrated: Ist Julian Nagelsmann nur ein "Trainer-Talent" oder mehr?

Völler: Den Begriff "Talent" kann man natürlich interpretieren, wie man es möchte. Das wurde zuletzt auch hinreichend getan. Aber eins ist klar: Wer mit Ende 20 Trainer in der Bundesliga wird, der muss man ein guter Coach sein. Julian Nagelsmann ist von Hoffenheim nach Leipzig gegangen und bekommt dann eine Anfrage vom FC Bayern. Allein das unterstreicht, dass er ein Toptrainer ist. Dann haben die Münchner auch noch 25 Millionen Euro Ablöse für ihn bezahlt. Wenn man das als Trainer geschafft hat, egal ob man jung oder alt ist, kann man nicht ganz so schlecht sein.

Sports Illustrated: Sie waren früher Torjäger bei Werder Bremen. Welche Chancen rechnen Sie dem Verein nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga zu?

Völler: Werder Bremen hat einen klasse Saisonstart hingelegt. Die Mannschaft besitzt extrem viel Selbstvertrauen und hat mit Ole Werner einen guten Trainer. Darum steht Werder ziemlich weit oben in der Tabelle. Wo sie am Ende der Saison landen, kann man noch nicht sagen. Aber die Bremer machen das gut.

Sports Illustrated: Besteht die Gefahr, dass Werder Bremen zur Fahrstuhlmannschaft wird?

Völler: Es wird immer Mannschaften geben, die sich auf Dauer schwertun. Das hängt auch von den wirtschaftlichen Voraussetzungen ab. Aber diese Saison traue ich Werder Bremen auf jeden Fall eine gute Tabellenplatzierung zu. Das Team wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

Dieses Jahr findet die WM 2022 in Katar statt. Verstehen Sie die Kritik, dass die WM in dieses Land gegeben wurde?

Völler: Als die WM nach Katar vergeben wurde, habe ich das wie viele andere auch sehr kritisch gesehen. Normalerweise findet eine Fußball-WM im Sommer statt. Aber wie sollen Spieler bei 50 Grad auf dem Rasen stehen? Wie will man bei so einer Hitze spielen? Im Anschluss ist die WM in den Winter verschoben worden und hat den ganzen Fußballkalender durcheinandergebracht. Hinzu kommen die ganzen Diskussionen über die Menschenrechtsverletzungen, über Diskriminierung und viele andere negative Themen im Zusammenhang mit Katar. Aber die WM jetzt zu boykottieren, macht für mich aus Sicht eines ehemaligen Sportlers keinen Sinn. Ich fände das falsch, genauso wie damals den Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Es gibt andere Wege, seine Kritik und seinen Protest zu äußern, indem man die Probleme immer wieder anspricht.

Sports Illustrated: Hat Deutschland eine realistische Chance auf den WM-Titel?

Völler: Auf jeden Fall. Deutschland gehört bei einer Fußball-WM immer zum Kreis der Titelkandidaten. Ich habe vier Weltmeisterschaften mitgemacht – drei als Spieler und eine als Trainer. Da kommt es natürlich auch auf das Quäntchen Glück und die Tagesform an. Die wichtigen Spieler dürfen sich nicht verletzen. Aber wir haben die Qualität, mindestens bis ins Halbfinale zu kommen. Dann ist alles möglich. Neben uns sind Frankreich, Brasilien, Argentinien, Belgien und die Niederlande die wohl stärksten Mannschaften.

Bundestrainer Hansi Flick (Deutschland)
Bundestrainer Hansi Flick (Deutschland)
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Sports Illustrated: Warum ist Hansi Flick der richtige Bundestrainer?

Völler: Hansi Flick hat in der Vergangenheit bewiesen, was für ein guter Trainer er ist. Er war Co-Trainer bei Joachim Löw. Er kennt die ganzen Mechanismen in der Nationalmannschaft. Bei den Bayern war er äußerst erfolgreich und kennt die meisten Spieler noch aus seiner Zeit in München. Hansi hat eine gute Ansprache. Er kann die Spieler gut mitnehmen. Man darf sich jetzt nicht davon beeinflussen lassen, dass die letzten Spiele der deutschen Mannschaft vielleicht nicht so stark waren. Diese Nations-League-Spiele zählen nicht. Das sind nur bessere Freundschaftsspiele gewesen.

Sports Illustrated: Welche deutschen Spieler werden bei der WM die wichtigste Rolle spielen?

Völler: Die gesamte Mannschaft muss funktionieren. Wir haben keinen Lionel Messi wie Argentinien oder einen Neymar wie Brasilien. Bei unserem Team ist die Verantwortung auf viele Schultern verteilt.

Sports Illustrated: Nach Miroslav Klose hat Deutschland keinen echten Stürmer mehr. Hat das DFB-Team ein Stürmerproblem?

Völler: Diese Diskussion gibt es seit längerer Zeit. Wenn die Mannschaft vorne keine Tore macht, bricht die Diskussion um einen Mittelstürmer wieder auf. Wenn die Tore fallen, redet keiner mehr drüber. Man muss sich mit der aktuellen Situation abfinden. Wir haben keinen klassischen Mittelstürmer mehr, der wird auch weltweit immer weniger. Die meisten Trainer setzen mehr auf diese schnellen, wendigen Spieler in der Offensive. Mit Kai Havertz haben wir einen tollen Angreifer, der bei uns in Leverkusen groß geworden ist. Er kann die Rolle des Mittelstürmers übernehmen, obwohl ich ihn eher auf einer etwas anderen Position sehe. 

Sports Illustrated: Seit diesem Jahr sind Sie Markenbotschafter für Milka. Wie sehr mögen Sie Schokolade?

Völler: Wie viele andere Menschen liebe auch ich Schokolade. Als Kind und später als aktiver Spieler habe ich sogar ziemlich viel Schokolade gegessen. Damals war es natürlich noch einfacher, meine Figur zu halten, weil ich einiges an Energie verbrannt habe (lacht…). Aber auch heute esse ich immer noch Süßigkeiten, natürlich alles in Maßen. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, hole ich mir beim Tanken gerne ein bisschen Milka-Schokolade für die Fahrt. Meiner Mutter, die leider vor ein paar Wochen verstorben ist, habe ich immer die Milka Pralinen mitgebracht. Die haben wir dann zusammen verspeist. Ich trinke auch leidenschaftlich gerne Kaffee. Manchmal gibt es auch ein Stück Schokolade dazu.

Sports Illustrated: Welche emotionalen Fußball-Momente können Sie zusammen mit Milka schaffen?

Völler: Bei der aktuellen Milka Kampagne können Fußball-Fans einen Tag mit mir oder Lukas Podolski gewinnen. Natürlich in der richtigen Stadt. Mit mir wird das in Rom sein, wo ich von 1987 bis 1992 gespielt habe und 1990 Fußball-Weltmeister geworden bin. Macht alle mit, wenn Ihr mich persönlich treffen wollt. Dann können wir bei meinem Lieblings-Italiener Spaghetti alle vongole essen oder ein bisschen Schokolade naschen.  Aber auch im kommenden Jahr kann man mit Milka und mir einzigartige Fußball-Momente gewinnen.  

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