Boxen

Box-Kommentator Uli Hebel erklärt Faszination von Fury gegen Ngannou

Tyson Fury kämpft in Saudi-Arabien gegen Francis Ngannou. Während der Brite Schwergewichts-Weltmeister im Boxen ist, kommt Ngannou aus der UFC. DAZN-Kommentator Uli Hebel erklärt die Faszination dieses besonderen Kampfes. 

Tyson Fury kämpft gegen Francis Ngannou
Credit: Getty Images

Was macht den Kampfsport gerade bei solchen Crossover-Events so spannend?

Uli Hebel: Die Namen, die derzeit gegeneinander im Ring stehen und der Zeitpunkt ihrer Karrieren, zu dem sie das tun. Die erfolgreichen Zeiten des deutschen Boxens liegen lange zurück und naturgemäß ist es schwieriger, Massen zum Aufstehen zu den US-Zeiten zu bewegen - ganz gleich, wie gut die Paarung ist.  Der Boxsport hat lange nicht mehr solche Fights zustande gebracht, wie in den letzten zwei, drei Jahren.

Wie helfen solche Events mit dem Kampf zwischen Tyson Fury und Francis Ngannou dem klassischen Boxsport? 

Hebel: Sie fügen eine neue Dimension hinzu und ziehen Zusehende, die sonst womöglich nie zum Boxen kämen. Die bisherigen Beispiele lassen aber nicht unbedingt den Schluss zu, dass sie auch für weitere, herkömmliche Kämpfe einschalten. 

Warum ist diese Art von Events in Deutschland noch nicht so angekommen wie in England oder den USA? 

Hebel: Weil die Stars in den englischsprachen Ländern naturgemäß ein höheres Einzugsgebiet haben. Und, weil wir in Deutschland nicht gut genug verstehen, Stars zu erschaffen. Eine ähnliche Diagnose wie im gesamten Showbusiness. 

Was sind die Unterschiede zwischen "normalen Boxkämpfen" und diesem Format? 

Hebel: Dass im normalen Boxen zwei Kontrahenten kommen, die sich in ihrer spezifischen Disziplin duellieren; während in der Cross-Disziplin immer einer von außen kommt und bestenfalls oberflächliche Fähigkeiten im Boxen mitbringt. Damit die Ansetzung aber zieht, ist der Boxer einer aus dem Weltklassesegment und kämpft oftmals gegen einen Berufsneuling. 

Tyson Fury gegen Francis Ngannou
Tyson Fury gegen Francis Ngannou
Credit: Getty Images
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Inwieweit spielt es eine Rolle, dass es sich vermehrt um Events mit Influencer-Beteiligung handelt? 

Hebel: Ich denke, eine sehr große. Das pure Boxpublikum ist meiner Erfahrung nach weniger interessiert an derartigen Auswüchsen. 

Welche Rolle spielt Social Media bei solchen Crossover-Events? 

Hebel: Eine riesengroße! Die Narrative, der Hype, die Diskussionen und Spekulationen würden sich niemals so verbreiten lassen, ohne die Schnelligkeit und Reichweiten bei Social Media. Dazu kommt die Echtzeit, in der man teilweise die Streitigkeiten der Protagonisten verfolgen kann. Und ja selbst Teil werden kann. Außerdem wären viele der Neo-Boxer in einer Welt ohne Social Media niemals Prominente geworden. 

Was spricht dafür, dass es sich bei den Crossover-Events nicht um ein kurzes Medienphänomen handelt? 

Hebel: Die bisherigen Abrufzahlen, soweit sie mir bekannt sind. Die Paul-Brüder haben unglaubliche Gefolgschaften, die mit ihnen wächst und sicherlich teils nacheifert. Das Influencerboxen in der aktuellen Größenordnung wird eines der kommenden und stabilen Abendprogramme. 

Was macht diese Art von Kampfsport so interessant für ehemalige Profis? 

Hebel: Die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, sich nach der Karriere relevant zu halten. Außerdem bieten Events mit den aktuellen Produktionsstandards die Möglichkeit, der maximalen Inszenierung, die wiederum verteilt wird in sozialen Netzwerken. 

MMA-Kämpfer Francis Ngannou
MMA-Kämpfer Francis Ngannou
Credit: Getty Images
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Bei Fury gegen Ngannou treffen der Schwergewichtschampion im Boxen und der UFC aufeinander. Wie legitim ist so ein Exibition-Kampf, wenn ein Athlet aus seiner ursprünglichen Sportart (in diesem Fall MMA) herausgeht und einen Meister seines Fachs herausfordert? 

Hebel: So legitim, wie das Publikum den Kampf machen wird. Wenn es eine Kulisse gibt, hat die Ansetzung jedes Recht der Welt. Rein sportlich puristisch betrachtet, kämpft der beste Schwergewichtsboxer unserer Generation gegen einen Profi-Debütanten; ganz gleich wie talentiert er sein mag und wie legendär in einer verwandten Sportart. 

Was macht den Kampf zwischen Fury und Ngannou so interessant für die Zuschauer? 

Hebel: Es gab selten ein Aufeinandertreffen zweier Athleten in Ihrer Blüte - plus oder minus. Und die Vorstellungskraft, dass es irgendwann passieren muss, dass der Favorit stürzt. Ngannou wirkt imposant, so bleibt die Imagination, dass der eine Schlag es anrichten könnte.


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