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Katar: Fehlende Souveränität der Bayern-Bosse wird zum Brandbeschleuniger

Die Vereinsführung des FC Bayern lässt auf der Jahreshauptversammlung die eigene Souveränität vermissen. Nun steht der Spitze ein eisiger Streit bevor, denn Vereinsmitglied Michael Ott will seinen Kampf fortsetzen.

FCB-Bosse
FCB-Bosse
Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München kam es zu tumultartigen Szenen. Die Vereinsführung des Rekordmeisters wurde gleich mehrmals scharf von den eigenen Fans attackiert. Zudem wurden zahlreiche Aussagen der FCB-Bosse mit Pfiffen und Buhrufen quittiert. Das Streithema Katar offenbarte die Risse zwischen Fans und Chefetage.
 
"Wir sind Bayern! Ihr seid es nicht!", skandierten die wütenden Fans gegen Vereinspräsident Herbert Hainer, Geschäftsführer Oliver Kahn und weitere Präsidiumsmitglieder. Die Gemüter erhitzten sich, nachdem Vereinsmitglied Michael Ott erfolglos versucht hatte, einen Antrag auf Abstimmung über die umstrittenen Sponsorenverträge des FC Bayern mit Katar durchzusetzen.
 
Ott und viele andere Bayern-Fans sind der Meinung, dass die bis 2023 laufende Partnerschaft mit Qatar Airways dem Ruf des Vereins schadet. Ihrer Auffassung nach könne der FC Bayern die Menschenrechtsverletzungen des Landes nicht weiter ignorieren. 

Bereits vor der Versammlung hatte Ott einen ersten Versuch beim Amtsgericht München gestartet. Dort wurde sein Antrag jedoch aufgrund der Vereinssatzung abgewiesen. Ott hatte dennoch gehofft, ihn mit der Unterstützung von mehr als 75 Prozent der Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung vorbringen zu dürfen.

"Ihr dürft gerne buhen"

Bayern-Vizepräsident Dieter Meyer war damit allerdings nicht einverstanden. "Ihr dürft gerne buhen. Ich werde aber nicht zulassen, dass wir hier über rechtswidrige Anträge abstimmen", sagte er.

"Selbst wenn man meinen Antrag nicht zur Abstimmung zulässt, was ich auch schon fragwürdig gefunden habe, dann hätte man doch mindestens einen souveräneren Umgang damit finden können", erklärte Ott. Und schob hinterher: "Man hätte mich meinen Antrag einfach so vorstellen und ein Stimmungsbild machen oder mir am Ende wenigstens meinen Wortbeitrag von drei Minuten lassen können."

Ott könne gerne wieder vor Gericht gehen, um seinen Fall erneut aufzurollen, erklärte Meyer stattdessen. Seine trotzige Aussage führte zu lauten Buhrufen und Pfiffen.

Vereinsmitglied Ott beklagt: FC Bayern will keinen öffentlichen Druck auf Katar

Gegenüber "AP" erzählte Ott: "Ich hatte eine 15- bis 20-minütige Rede vorbereitet. Ich wollte allen die Probleme darlegen, die es in Katar gibt, und warum es an sich falsch ist, einen Sponsorvertrag mit Katar abzuschließen. Es lenkt nur von den Problemen in Katar ab und trägt überhaupt nicht dazu bei, Veränderungen in Katar herbeizuführen. Alle Experten sagen, wenn man dort etwas ändern will, dann geht das nur mit öffentlichem Druck. Und das will der FC Bayern auf keinen Fall tun."

Im August erhob Amnesty International bereits schwere Vorwürfe gegen die katarischen Behörden. Demnach würden sie die Missstände, die zum Tod tausender junger Wanderarbeiter in Katar geführt haben, nicht ausreichend untersuchen.

"Wir müssen unsere Statuten ändern, um sicherzustellen, dass wir über heiße Themen abstimmen können", sagte Ott, der seit 2007 Mitglied des Clubs ist. Die Resonanz der Bayern-Fans auf sein unbeirrtes Vorgehen sei überwiegend positiv gewesen, erzählt er. "Ein Pfarrer hat mir heute geschrieben, ein Bürgermeister hat mir geschrieben, und viele Leute ermutigen mich, den Kampf fortzusetzen."

Der ehemalige Vereinspräsident Uli Hoeneß, der in der ersten Reihe gesessen hatte, sprach vom "schlimmsten Ereignis, das ich je beim FC Bayern erlebt habe."

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