Basketball

Nach verkorkstem Wizards-Comeback flippt Michael Jordan im Flugzeug aus

Michael Jordans NBA-Comeback 2001 bei den Washington Wizards stellte sich später als absolute Fehlentscheidung heraus. Obwohl Jordan längst nicht mehr der beste Basketballer der Welt war, machte er den jungen Spielern aber klar, um was es in seinem Sport geht.

Michael Jordan
Credit: Getty Images

Zwei Monate nach Beginn der Saison 2001 spielte Michael Jordan alles andere als überragend. Das soll nicht heißen, dass er in den ersten Spielen mit den Wizards schlecht ausgesehen hätte. Darüber kann man streiten. Einige Statistiken waren in Ordnung (23 Punkte, sechs Rebounds und fünf Assists pro Spiel), andere Zahlen eher weniger (eine Wurfquote, die knapp über 40 lag). 

Die Wizards, die sich die Qualifikation für die Playoffs als vernünftigen Maßstab für einen Erfolg in Jordans Comeback-Saison zum Ziel gesetzt hatten, lagen bei einem wackeligen 14:13. Aber in der Nacht des 27. Dezember 2001 folgte ein absoluter Tiefpunkt. Bei der Niederlage gegen die Indiana Pacers war der 38-jährige Jordan schweißgebadet und langsam, geplagt von den Schmerzen der letzten Operationen, bei denen Flüssigkeit aus seinem Knie abgeleitet wurde. Im dritten Viertel ließ Trainer Doug Collins dem besten Basketballspieler aller Zeiten die Kühlakkus auflegen. Jordan beendete das Spiel mit sechs Punkten, den wenigsten seiner Karriere.

Zwei Nächte nach dem Pacers-Debakel spielte Washington zu Hause gegen die Hornets. Nach weniger als einer Minute warf Jordan einen Korb mit einem Fadeaway-Jump aus dem rechten Ellbogen. Dreißig Sekunden später einen weiteren. Er täuschte den nächsten Fade an, drehte sich und duckte sich unter der Achselhöhle des Verteidigers hindurch, um einen Wurf von der Glasscheibe ins Netz zu versenken.

Michael Jordan: "Bin mir sicher, dass ich dieses Spiel immer noch spielen kann"

Als er den Fehlwurf eines Mitspielers bemerkte, rutschte Jordan in die Gasse, um den Ball über den vorderen Rand zurückzuschlagen. Er fand nicht ganz zu seinen früheren Bewegungsabläufen zurück - die Air Jordan XVII lösten sich nicht so locker vom Boden wie die XIV - aber er hatte wieder das Gespür für die Schwung- und Ruhephasen, die große Werfer auszeichnen. Wenn sein Gegner ihm einen Zentimeter zu viel Platz ließ, setzte Jordan den Jumper hinweg. Wenn jemand herausstürmte, ließ er die Schulter fallen und zog vorbei. Er erzielte die ersten 13 Punkte von Washington und 34 seiner insgesamt 56 Punkte in der ersten Halbzeit. Die Wizards gewannen am Ende deutlich.

Jordan sagte hinterher: "Nach dem heutigen Abend bin ich mir ziemlich sicher, dass die Leute sagen werden, dass ich dieses Spiel immer noch spielen kann."

An diesem Samstagabend präsentierte sich Jordan wieder in Topform. Während er seine Fähigkeiten auf dem Spielfeld langsam wiedererlangte, nutzte er das Talent, sein eigenes Basketball-Märchen weiterzuerzählen. Jordan war schon immer einer der großen Mythen des Sports. Eine Art Gottheit, die mit den Chicago Bulls (6 NBA-Titel) alles erreicht hatte. Bei den Wizards warf er sich erneut in Schale. Diesmal als der weise, alte Mann, der es immer noch allein schaffen konnte. "Ich werde vielleicht im nächsten Spiel keine 50 Punkte haben", erklärte Jordan, der zu diesem Zeitpunkt bereits erkannte, dass er diese Mammutaufgabe nicht allein stemmen kann. "Es muss jemand kommen und etwas von meiner Last übernehmen."

Zwanzig Jahre später ist Jordans Wizards-Kapitel im Rückblick mit vielen Makeln behaftet. In zwei Saisons mit Niederlagen zeigte er viele bemerkenswerte Leistungen, aber ebenso viele miserable. Er setzte sich Ziele, scheiterte an ihnen und revidierte sie. Er war ein Genie, ein Versager, ein Griesgram, ein Lehrer und ein Botschafter. Für seine Fans sind die Wizards ein Kapitel, das man am besten wieder vergisst.

Jordans Ankündigung Ende September 2001, dass er aufs NBA-Parkett zurückkehrt, kam nicht überraschend. Ihm juckte es nach dreijähriger Abstinenz in den Fingern. Er wollte wieder Basketball spielen. "Nothin’ comparates to bein’ it", hatte Jordan gegenüber Washington-Post-Reporter Michael Leahy gesagt, dem Autor von "When Nothing Else Matters", einer Übersicht über seine letzten Spieljahre bei den Bulls.

Nach seinem Abschied in Chicago war Jordan kein Spieler mehr, sondern nur noch Teilhaber und Manager der Wizards. Eine Position, die weit weg vom Basketball war. Er hatte sich vom Klub ferngehalten, war nur selten auf Reisen gegangen und hatte sich viele Tage mit Golf und viele Nächte mit Glücksspiel gegönnt. Als ihn Reporter Leahy daran erinnerte, dass die Wizards an einem Abend ein Spiel hatten, schnauzte er: "Aber ich nicht."

Aber Jordan kehrte 2001 auf den Court zurück. Er hatte seinen persönlichen Trainer, Tim Grover, wieder eingestellt, der ein Programm zur Stärkung der Muskeln um sein Knie herum aufstellte. Jordan konnte nicht mehr so durch die Luft gleiten wie früher. Aber er fand heraus, dass er die Verteidiger immer noch mit seinen Tricks taumeln ließ, was ihm Raum für einen Jumper oder einen Drive verschaffte. Seinen "Trash Talk" perfektionierte er im Alter. "Er fing an zu quatschen. Es war unglaublich", erklärt Brian Scalabrine, ein Draftkandidat von der USC, der in den Jahren der Pause in Jordans Sommercamps war und danach an den hitzigen Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit teilnahm. "Er wurde zu einem anderen Menschen. Aber man konnte sehen, dass er jeden Tag nach einer Strategie suchte. Nach dem, was an diesem Tag funktionieren würde."

Basketball-Star Jordan flippt im Flieger aus und beschimpft Mitspieler

Für diejenigen, die von Jordans Rückkehr profitieren würden, war die Rechnung einfacher. In der Saison 2000/01 hatten die jungen Wizards mit 19:63 Punkten die drittschlechteste Bilanz in der NBA und die zwölftwenigsten Fans in der Liga. Jordan stellte einen neuen Trainer ein, Leonard Hamilton. Aber das klappte überhaupt nicht. Es war seine erste aufsehenerregende Fehlentscheidung bei einer Führungskraft.
 
Die TV-Einschaltquoten hatten gelitten, seit Jordan 1998 bei den Bulls in den Ruhestand gegangen war. Ein Arbeitskonflikt verkürzte die Saison 1999 und die NBA-Verantwortlichen sorgten sich um die Marktfähigkeit einer neuen Generation von Spielern. Die Anschläge vom 11. September 2001 hatten einen Schatten auf die Sportwelt geworfen und normale Veranstaltungen in Hochsicherheitsspiele verwandelt. "Das Maß aller Dinge war wirklich Jordan. In Bezug auf das, was ein Spieler sein sollte, wie er sich verhalten sollte, seine Wettbewerbsfähigkeit", erinnert sich Stu Jackson, damals leitender Angestellter im NBA-Ligabüro. "Ich meine, er war der alles überragende Spieler."

Jordan sollte ein Art Heilmittel, wenn nicht gar der Retter werden. Die Wizards hatten alle ihre Dauerkarten allein aufgrund von Gerüchten verkauft. Die NBA hatte ihren TV-Plan über den Haufen geworfen und Washington in die Hauptsendezeiten gedrückt. Abe Pollin, der Haupteigentümer der Wizards, sonnte sich im Glanz von Jordan, der sein Spielergehalt an Wohltätigkeitsorganisationen für den 11. September spendete. "Den größten Basketballspieler, der je gespielt hat, in meinem Team zu haben, ist fantastisch", sagte Pollin. "Bei all den Tragödien, die unser Land in den letzten Wochen heimgesucht haben, und bei der derzeitigen Stimmung ist eine kleine gute Nachricht wie diese wirklich eine gute Sache."

Jordan seinerseits bezeichnete sein Comeback als ein Projekt der Ermutigung. Was konnte er anbieten, was kein anderer Manager in der Liga hatte? Einfache Antwort: seine Aura und seine pure Anwesenheit. "Es gibt keinen besseren Weg, jungen Spielern etwas beizubringen, als mit ihnen als Mitspieler auf dem Platz zu stehen. Nicht nur beim Training, sondern auch bei NBA-Spielen", meinte Jordan. Doug Collins - Jordans zweite Trainerverpflichtung - schürte zusätzliche Hoffnungen: "Michael Jordan wird einer der zehn besten Spieler in der Liga sein."

Aber an einem Abend Ende November 2001 bestieg Jordan voller Wut das Flugzeug der Wizards im hinteren Teil des Flugzeugs, wo die Reporter des Teams saßen. Die Wizards hatten gerade gegen die Cavaliers deutlich mit 19 Punkten verloren. Jordan hatte Washington mit 18 Punkten bei neun von 24 Würfen angeführt. Er schaute den Gang hinunter, wo sich seine Teamkollegen auf ihren Plätzen niederließen und schimpfte laut. "F... - diese mother-...! Ich werde hier hinten bei den Erwachsenen sitzen", erinnert sich einer der Journalisten.

Im ersten Monat der Saison 2001/02 verloren die Wizards zehn von 13 Spielen. Ein Kader, der größtenteils aus jugendlichen Versprechen und Mittläufern in der Mitte ihrer Karriere bestand, war anfällig für Konzentrationsschwächen. Nach der Niederlage bei den Cavs hatte sich Collins über einige Spieler beschwert, dass sie nicht rechtzeitig beim Aufwärmen waren - und dass einigen Spielern das Talent fehlt.

Richard Hamilton, der damalige Shooting Guard, sah aus wie ein fertiger Jordan-Jünger, mit einem starken Wurf aus der Mitteldistanz und einer unerschöpflichen Ausdauer, sich ohne Ball zu bewegen. Aber er ärgerte sich über die Vorstellung, dass er unter die Fittiche von irgendjemandem genommen werden muss. Als Jordan aussetzte, um sein Knie zu schonen, konnte Hamilton seine Freude kaum verbergen. "Die Jungs sind stolz und wollen zeigen, dass wir auch ohne Michael spielen können", sagte er. "Hoffentlich kann er zusehen und vielleicht ein Verständnis für unser Spiel bekommen."

Jordans dickes Knie "war das Schlimmste, was ich je gesehen habe"

Das andere Herzstück des Teams, der junge Kwame Brown, war eine komplette Enttäuschung. In seiner letzten großen Amtshandlung im Juni 2001 hatte Jordan Brown als erste Wahl aus der High School geholt, weil er in ihm ein riesiges Potenzial sah. Er hatte für seine Größe (2,11 Meter) eine unfassbare Schnelligkeit und einen starken Körperbau. Doch Brown kam untrainiert in die Liga. Er verpatzte Pässe, verschenkte Rebounds und vermasselte Spielzüge. Eine Eigenschaft ärgerte Jordan noch mehr. Sein Mangel an Fleiß. 

Als es offensichtlich wurde, dass die Ziele des Teams unerreichbar wurden, änderte sich Jordans öffentliche Haltung. Er sprach zunehmend defensiv, um seinen Ruf zu wahren. Er hielt sich im hinteren Teil der Mannschaftsräume auf, rauchte Zigarren und wagte sich nur nach vorne, um bei den Kartenspielen mit seinen Mannschaftskameraden den Einsatz zu erhöhen.

Er stritt sich mit Pollin und bezahlte einmal die Rechnung, damit das Team unterwegs in der Innenstadt übernachtete, anstatt in einem Hotel, das näher am Flughafen lag und dem Bruder des Besitzers Harold gehörte. Nachdem er seine gesamte Karriere das Siegen gewohnt war, musste sich Jordan mit kleineren Dingen begnügen. Als ein Reporter eine Glückssträhne mit der Bemerkung kommentierte, dass Jordan in den letzten vier Spielen durchschnittlich 35 Punkte erzielte, schoss er beleidigt zurück: "Überrascht Sie das?"

Michael Jordan
Michael Jordan
Credit: Sports Illustrated
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Aber Phasen wie diese waren eher die Ausnahme. In manchen Nächten verpatzte Jordan einen Dunk-Versuch oder sein Sprungwurf wurde von Voshon Lenard geblockt, einem Dreipunktespezialisten, den aber niemand für einen Stopper hielt. "Das war ein anderer MJ", erklärte einer der Journalisten. 

Sein Knie setzte Jordan für den Großteil des letzten Drittels der Saison 2001/02 außer Gefecht. "Es war ehrlich das Schlimmste, was ich je gesehen habe", erinnert sich Etan Thomas, damals ein junger Spieler bei den Wizards. "Sein Knie war geschwollen wie bei einem Elefantenmenschen. Der Arzt nahm eine lange Nadel heraus und zog dieses schwarze Zeug aus MJ’s Knie heraus. Er krümmte sich vor Schmerzen."

Danach fragte Thomas Jordan, warum er sich die Mühe macht. "Er schaute und starrte mich nur an, aber er hatte keine Antwort."

Die hochfliegenden Pläne der Wizards zerschlugen sich. Die Bilanz von 37:45 in Jordans erstem Jahr war ernüchternd. Der neue, alte Star verpasste 22 Spiele. Zwischen den Spielzeiten entließ das Team Hamilton und holte Jerry Stackhouse, mit wenig Erfolg. Dennoch blieben die Wizards ein Kassenschlager. Die Halle in Washington war jeden Abend ausverkauft - auswärts waren die Hallen auch voll. Jordan war weiterhin eine Attraktion.  

Für die Fans hatte Jordans Rückkehr eine nostalgische Anziehungskraft. Für die Spieler der Liga war sein Comeback aus anderen Gründen faszinierend. Jordan war geschwächt, sie konnten ihm beim Niedergang zuschauen. Es war wahr, dass dieser am Boden liegende und von schwächer werdende Jordan hochmütig, frustriert und abweisend gegenüber seinen Mannschaftskameraden war. Er schwankte in einer Weise, die früher undenkbar war.

Michael Jordan lebt nur noch von seiner Erfahrung

Aber er blieb kämpferisch und nachdenklich über seinen Sport wie immer, selbst als klar war, dass diese Eigenschaften ihn nicht annähernd dorthin bringen würden, wo er einst gewesen war. Ein paar Tage vor Weihnachten 2001, drei Sekunden vor Schluss in einem engen Spiel im Madison Square Garden, drückte Jordan Latrell Sprewell den rechten Ellbogen in den Körper, lehnte sich zurück und warf einen spielentscheidenden Wurf.

Zwei Nächte nachdem er 51 Punkte gegen die Hornets erzielt hatte, schaffte Jordan 45 Punkte gegen die New Jersey Nets. In einem Spiel gegen die Bulls im Januar, seinem ersten gegen sein ehemaliges Team, erzielte Jordan 29 hart erkämpfte Punkte. Aber 23 Sekunden vor Schluss wurde Jordan von Ron Artest geblockt. 

"Es gab eine Reife in seinem Spiel, eine Perspektive", sagte Bryce Drew, der in der Nähe von Chicago in Valparaiso aufgewachsen ist, und Jordan während seines 51-Punkte-Spiels gegen die Hornets bewachte. "Die Reflexe waren etwas schwächer", erinnert sich Drew, "und die Sprungkraft war nicht mehr so stark. Aber auf dem Court war er ein Komponist, der mit einer Variation die nächste einleitete."

Insgesamt erzielte Jordan in seinen letzten beiden Saisons 21,2 Punkte pro Spiel bei einer Trefferquote von 43 Prozent, sechs Rebounds, viereinhalb Assists und eineinhalb Steals. Fans und Fachleute betrachteten die Zahlen mit einer gewissen Traurigkeit, denn der perfekte Abschluss wurde durch einen lausigen Schlusspunkt getrübt. Jordans Konkurrenten und Spieler sahen das anders.

"Der Mann im Wizards-Trikot hat meiner Meinung nach untermauert, warum er der größte Basketballspieler aller Zeiten ist", sagte der ehemalige Mavericks-, Heat- und Hornets-Spieler Jamal Mashburn. Jordan nutzte alles, was ihm zur Verfügung stand, "früher ein bösartiger erster Schritt und ein kraftvoller Sprung; heute die Einschüchterung durch seinen Status und die Cleverness seiner Beinarbeit. Allein durch seine Erfahrung erzielte er im Durchschnitt 20 Punkte pro Spiel.”

Mashburn erinnert sich an seinen einzigen Auftritt in einem All-Star Game, 2003. Es war Jordans letzte Fete, ein Wochenende, das von Nostalgie geprägt war. Das Spiel begann damit, dass Vince Carter seinen Platz in der Startaufstellung für Jordan aufgab. Zur Halbzeit wandte sich Jordan unter Tränen an die Menge und sagte: "Jetzt kann ich nach Hause gehen und mit dem Basketballspiel Frieden schließen."

Für Mashburn kam der vielsagendste Moment während einer Pause beim Aufwärmen vor dem Spiel. "Ich stellte einige Fragen über den Fadeaway, und er teilte nicht nur einige Dinge mit, sondern hatte einen aktiven Scouting-Bericht über mein Spiel im Kopf", erklärt Masburn. "Er sagte mir, ich solle den Ball bei der Drehung näher an meinem Körper halten, damit er mir nicht weggenommen wird. Er meinte: 'Jamal, du drehst dich 90 Prozent der Zeit über deine rechte Schulter. Du brauchst einen Konter, zeige ihn nur einmal pro Spiel, dann klappt das schon'." Mashburn lacht. "Gleich danach habe ich gegen die Memphis Grizzlies gespielt. Da habe ich 50 Punkte erzielt."

Michael Jordan: "Ich glaube, mein Rücken ist OK"

Alle anderen, die sich an die Zeit von Jordan bei den Wizards erinnern, wollen dieses Kapitel so schnell wie möglich vergessen. Jordan im blau-weißen Trikot gehört zu einer versteckten Akte im kollektiven Sportgedächtnis Amerikas, neben Muhammad Ali, der an den Seilen lehnt und von Trevor Berbick verprügelt wird.

Johnny Smith, Professor für Sportgeschichte an der Georgia Tech, der ein Buch über Jordans Anziehungskraft geschrieben hat, wuchs in Chicago auf und erinnert sich, dass er die Spiele der Wizards mied, als sie übertragen wurden. "Als Historiker, der ihn besser versteht, macht es absolut Sinn. Er musste sein Ego füttern, und er dachte, das Beste, was er tun könnte, um die Wizards wieder aufleben zu lassen, wäre, wieder seine Nikes zu schnüren", so Smith. "Aber zu dieser Zeit war es einfach nur ernüchternd und traurig."

Die Reinheit von Jordans vorherigem Abgang bei den Chicago Bulls wurde durch seine Zeit bei den Wizards beschmutzt. "Es gibt eine kollektive Angst, dass Helden ihren Status einbüßen, weil sie dem Ideal, das sie einmal geschaffen haben, nicht mehr gerecht werden", stellt Smith klar.

In Jordans letztem Spiel, im April 2003, erzielte er 15 Zähler bei einer 20-Punkte-Niederlage. Allen Iverson warf 35. Seine Beziehung zu Pollin hatte sich verschlechtert, der Vorfall im Hotel war nur ein Teil des andauernden Tauziehens um den Einfluss der Franchise, und seine Rückkehr ins Management der Wizards - lange Zeit eine ausgemachte Sache - kam nicht zustande. Bei der Ankündigung seines Comebacks hatte Jordan erklärt, dass "wir das Fundament haben, auf dem wir ein Team aufbauen können, das um die Playoffs mitspielt." Was er stattdessen getan hatte, war, ein schlechtes Team in ein etwas besseres und bekannteres zu verwandeln.

In der Mitte von Jordans letzter Saison standen die Wizards bei 25:28, und die im Osten führenden Nets kamen in die Stadt. Jordan war vier Tage zuvor 40 Jahre alt geworden. Die Nets hatten ein Trio von 20-Jährigen - Jason Kidd, Richard Jefferson und Kenyon Martin - die das Jahr in den NBA-Finals beendeten. Dabei ging es nicht um die Platzierung in den Playoffs oder um psychologische Vorteile im Meisterschaftsrennen. Es ging vielmehr um den Kampf eines verbitterten Vaters gegen seine aufstrebenden Söhne.

Vor dem Spiel hatte sich herumgesprochen, dass Jordan einen schmerzenden Rücken hatte. Rod Thorn, damals leitender Angestellter bei den Nets, erinnert sich an eine Anekdote. "Vor dem Spiel hat Kenyon ihn ein wenig geärgert und gefragt, wie es seinem Rücken geht", sagt Thorn. 

Mit 30 Sekunden Restspielzeit im vierten Viertel und einem Rückstand von einem Punkt für die Wizards machte Jordan einen schnellen Schritt, hüpfte in die Gasse und rollte einen linkshändigen Fingerwurf über Martins ausgestreckte Hand. Es war Jordans 42. und 43. Punkt des Abends - das letzte Mal in seinem Leben, dass er die 40-Zähler-Marke in einem NBA-Spiel überschritten hat. Der Korb brachte die Wizards in Führung, und als die Nets danach auf dem Parkett herumliefen, um einer verblassenden Ikone ihren Respekt zu erweisen, den ein Meisterschaftsanwärter ihr schuldet, suchte Jordan Martin auf und sagte: "Ich glaube, mein Rücken ist OK."

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