Wimbledon: Ist der weiße Dresscode beim Tennis-Klassiker noch zeitgemäß?
- Wimbledon vom 30. Juni bis 13. Juli 2025 in London
- Streitfrage: Ist der weiße Dresscode in Wimbledon noch zeitgemäß?
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Pro: Fabian Herling (Volontär)
Es gibt Dinge, die für mich einfach unantastbar sind: Nutella ohne Butter, schlafen mit offenem Fenster – und das weiße Tennis-Outfit in Wimbledon. In London regiert das makellose Weiß. Und das ist auch gut so. Klar, die farblosen Outfits sind nicht gerade „instagrammable“ – es sei denn, man steht auf Tennis-Nostalgie und Retro-Looks. Aber dieser Dresscode ist kein altbackenes Relikt, sondern ein Statement: Wimbledon ist nicht nur ein Sportevent, es ist eine Tradition.
Seit den 1870er-Jahren heißt es: Wimbledon ist weiß. Begründet wurde das damals mit Hygiene – man wollte Schweißflecken kaschieren. Heute wirkt das Weiß auf dem Grün des Centre Courts wie eine Hommage an die große Tennis-Geschichte, während der Rest der Tour wie ein Sportartikelkatalog auf LSD aussieht. Auch in Wimbledon gab es modisches Aufbegehren: 2013 wagte Roger Federer Schuhe mit orangefarbener Sohle – das wurde prompt verboten. Und Serena Williams? Hat den Code mit ihrem weißen Langarmkleid ausgereizt, aber nie gebrochen.
Gerade das macht das Turnier so reizvoll: zu sehen, wie viel Individualität sich im weißen Kostüm ausdrücken lässt. Die weiße Kleidung trägt zur besonderen Atmosphäre bei, die Wimbledon vom Rest der Tour unterscheidet. Während in Paris der rote Sand auf die grellen Shirts abfärbt, ist Wimbledon bis heute stilvoll und schlicht. Und sind wir ehrlich: Wenn Stil ein Grand Slam wäre, hätte Wimbledon längst den Career Slam gewonnen. Ganz in Weiß, versteht sich.

Contra: Johannes Thalmayr (Autor)
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe diese Wimbledon-Ästhetik: das dunkle Grün der Banden, das im Logo des Turniers von einem Lila eingerahmt wird, das in mir „Anemoia“ auslöst. So heißt die sehnsüchtig-nostalgische Phantomschmerz-Vermissung einer Zeit, die man noch nicht erlebt hat. In meinem Fall in etwa die 1980er- und frühen 1990er-Jahre. In England hieß das: Culture Club auf MTV, London Calling, Paul Gascoigne, Lady Di – Rock ’n’ Roll!
Das war auch Andre Agassi im Jeans-Tennisoutfit und mit langer Mähne. Und deshalb – zumindest zwischen 1988 und 1990 – nicht im Wimbledon-Turnierbaum vertreten. Er wollte sich damals nicht vorschreiben lassen, was er anzuziehen hatte. Diese „Nur Weiß ist erlaubt“-Tradition löst in mir nämlich keine Vermissung aus – sondern steht für etwas, das in den „Country Club Sports“, wo man golft oder Tennis spielt, bei aller Verbesserung doch noch immer ein Problem ist: die Exklusivität.
Es ist fast ein gewisser Snobismus, der das Tennis womöglich schon so manches Talent gekostet haben mag. Was interessiert es bitte schön, was ich trage, wenn meine Rückhand der Hammer ist? Wobei wir bei einer Tennis-Tradition wären, die ich viel lieber erhalten sähe als das Weiß in Wimbledon: die beinahe ausgestorbene einhändige Rückhand nämlich. McEnroe, Edberg, Steffi Graf und Boris Becker: Das war noch Rock ’n’ Roll.
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