Tennis

Sabine Lisicki exklusiv: "Viele sagten mir, dass ich es nie nach oben schaffen würde"

Mit ihrem Finaleinzug 2013 in Wimbledon sorgte Sabine Lisicki für einen Paukenschlag. Aktuell arbeitet sie nach ihrer Schwangerschaft am Comeback. Im Interview spricht Lisicki über neue Prioritäten, Mütter auf der Tennis-Tour – und einen Gastauftritt als Schauspielerin.

Tennis-Star Sabine Lisicki
Credit: Imago
 

Sports Illustrated: Sie sind Tennisprofi, inzwischen auch Schauspielerin – und Mama. Wie sieht aktuell ein typischer Tag in Ihrem Leben aus? 

Sabine Lisicki: Kunterbunt und durch die kleine Maus sehr unberechenbar. Ich glaube, jeder, der Kinder hat, kennt das: Wenn man denkt, man hat einen guten Rhythmus gefunden und die Nächte werden besser, kommt plötzlich eine Nacht, in der man gar nicht schläft. Man muss sich ständig anpassen. Das macht diesen Lebensabschnitt anders als die Zeit, in der man nur Profisportlerin ist. 

Sports Illustrated: Wie integrieren Sie Tennis in Ihren Alltag? Wie viel trainieren Sie und was hat sich im Vergleich zu früher verändert? 

Lisicki: Früher drehte sich alles nur um Tennis: Genügend Schlaf, die richtige Ernährung, Regeneration. Der Schlaf ist jetzt die größte Hürde, dementsprechend muss man das Training anpassen. Ich kann keinen fixen Trainingsplan mehr einhalten, muss flexibel sein. So kommen wir Schritt für Schritt wieder häufiger auf den Platz und spielen. 

Sports Illustrated: Gab es einen konkreten Moment, in dem Sie gemerkt haben: „Das war’s noch nicht mit dem Tennis“? 

Lisicki: Als ich schwanger wurde, war das direkt meine Reaktion. Ich hatte kurz davor ein Turnier gewonnen, spielte gerade richtig gut und dachte: „Das kann es doch nicht gewesen sein.“  

Sports Illustrated: Haben Sie schon Comeback-Ambitionen oder einen konkreten Plan? 

Lisicki: Ja und nein. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, viel früher zurück zu sein – das hat nicht geklappt, weil mein Körper nach den Strapazen der Geburt sehr viel Zeit gebraucht hat, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich habe mir immer wieder Ziele gesetzt, so wie ich es früher getan habe. Das hat mich ausgezeichnet: Ziel setzen, erreichen, neues Ziel. Jetzt ist vieles anders – man muss sich noch mehr an die Situation anpassen und bestmöglich damit umgehen. Ich ziehe den Hut vor jeder Mama. Viele Dinge wusste ich einfach nicht. 

Sports Illustrated: Zum Beispiel? 

Lisicki: Dass das Stillen so viel Energie kostet. Ich habe über ein Jahr gestillt, das nimmt so viel Kraft und Zeit, laugt dich manchmal richtig aus. Jeder Tag ist anders, man weiß nie so richtig, wie der Körper heute reagiert. Deshalb ist es auch nicht möglich, irgendwelche Ziele zu kommunizieren. 

Sports Illustrated: Wie offen ist die Tennistour heute für Mütter? 

Lisicki: Sehr offen, das hat sich enorm verändert. Als ich auf die Tour kam, hieß es: Mit Anfang 20 musst du deinen Karrierehöhepunkt erreicht haben, sonst schaffst du es nicht. Das hat enormen Druck erzeugt. Viele Spielerinnen haben mit Mitte 20 aufgehört, weil sie Familie gründen wollten. Dann kam Serena Williams als Vorbild, spielte bis weit über 30 und kam als Mutter zurück. Das war wichtig für den Sport und für junge Mädchen. Inzwischen gibt es viele tolle Beispiele, die gezeigt haben, was möglich ist. 

2013 sorgte Sabine Lisicki mit ihrem Finaleinzug in Wimbledon für einen Paukenschlag
2013 sorgte Sabine Lisicki mit ihrem Finaleinzug in Wimbledon für einen Paukenschlag
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Sports Illustrated: Was fühlen Sie, wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere blicken? 

Lisicki: Stolz. Ich wurde oft abgeschrieben, viele sagten mir, dass ich es nie nach oben schaffen würde. Vor meiner Verletzung 2010 stand ich auf Platz 23 der Weltrangliste, bin dadurch auf Rang 250 abgestürzt. Ich habe oft gehört: „Das war’s für sie.“ Ein Jahr später habe ich 2011 das Wimbledon-Halbfinale erreicht, 2013 das Finale. Deshalb bin ich vor allem stolz auf dieses Steh-auf-Männchen-Sein. Ich weiß: Auch wenn es mal nicht läuft, kann ich es trotzdem schaffen. 

Sports Illustrated: Wollen Sie es deshalb nach der Schwangerschaft nochmal allen beweisen? 

Lisicki: So denke ich heute nicht mehr. Das hat schon vor der Schwangerschaft aufgehört, als ich 2023 in Calgary den Titel gewonnen habe. Nach meiner Knieverletzung hieß es, ich würde wahrscheinlich nie wieder Tennis spielen – die Chance lag unter fünf Prozent. Ich wusste aber sofort, dass es möglich sein muss, zurückzukommen. Ich habe in dieser Zeit oft den Satz gehört: „Du musst niemandem mehr etwas beweisen.“ Das stimmt auch – aber ich wollte es mir beweisen und ein Vorbild für junge Menschen sein, die sich am Anfang ihrer Karriere schwer verletzen. 

Sports Illustrated: Wie intensiv verfolgen Sie die Tour derzeit, wie sehen Sie das Niveau? 

Lisicki: Ich würde gern mehr schauen, aber wir möchten unserer Tochter möglichst nicht ans Fernsehen gewöhnen. Wenn, dann läuft aber Tennis, das darf sie ab und zu sehen. Man sieht, wie sehr sich das Spiel physisch weiterentwickelt hat, wie fit die Spielerinnen sind. Das Spiel ist körperlicher und ausgeblichener geworden, das Momentum spielt eine große Rolle. Dennoch gilt nach wie vor: Ein guter Aufschlag hilft immer – das macht mir Hoffnung (lacht.)  

Sports Illustrated: Seit kurzem dürfen Sie sich auch Schauspielerin nennen: Sie werden Mitte Dezember in drei Folgen der RTL-Soap „Alles was zählt“ zu sehen sein, spielen dort sich selbst. Wie war diese Erfahrung für Sie? 

Lisicki: Ich hätte nie gedacht, dass in meinem Werdegang mal „Schauspielerin“ stehen würde. Als die Anfrage kam, war das eine große Überraschung – und gleichzeitig mega cool. Ich habe schon Werbespots gedreht, wusste wie es ist, vor der Kamera zu stehen. Neu war aber das Interagieren vor der Kamera mit anderen Menschen und einem Text, den man vorher lernt. Davor war ich echt nervös, dass ich es verbocke und wir Szenen wegen mir neu drehen müssen. Es lief aber wirklich gut, hat sehr viel Spaß gemacht. Der Dreh und das gesamte Team waren echt toll, ich freue mich sehr auf die Ausstrahlung. 



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