Tennis

Ella Seidel: Deutschlands neues Tennis-Talent auf dem Weg nach oben

Ella Seidel gehört zu den spannendsten Nachwuchsspielerinnen im deutschen Tennis und hat zuletzt sogar den Sprung in die Top 100 der WTA geschafft. Sports Illustrated stellt die Tennis-Hoffnung im exklusiven Portrait vor.
 

Ella Seidel erreicht in Seoul erstmals die Top 100 der WTA-Weltrangliste
Credit: Getty Image

Als Sports Illustrated mit EIIa Seidel spricht, ist sie gerade auf dem Weg zum Münchner Flughafen. Sie sitzt in der vollen S-Bahn, die von Dorf zu Dorf langsam Richtung Airport tuckert. Gar kein passendes Bild für die aktuelle Situation der 20-Jährigen: Denn sportlich gesehen befindet sie sich im Moment eher in einem Schnellzug. Die Tennisspielerin, gebürtig aus Hamburg, trainiert seit eineinhalb Jahren an der Tennis Base in Oberhaching bei Lars Uebel – und hat in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. 

Mit ihrem Viertelfinal-Einzug beim WTA-Turnier in Seoul kletterte Seidel zum ersten Mal in ihrer Karriere in die Top 100 der Weltrangliste. Wenige Wochen zuvor sorgte sie bereits beim Turnier in Cincinnati für Aufsehen, als sie das Achtelfinale erreichte.

Dabei war Tennis zunächst gar nicht als Leistungssport geplant. Als Kind spielte sie neben Tennis auch Hockey. „Das hat sich mit der Zeit entwickelt“, sagt Seidel, die im Hamburg Stadtteil Wellingsbüttel aufwuchs. Dort befindet sich die Anlage des Traditionsclubs Klipper THC – unweit ihres Elternhauses. „Dann gab es einen Schlüsselmoment, als ich in Hamburg in den Kader aufgenommen wurde. Da sagten alle: Okay, daraus könnte mehr werden.“ Fühlte sie sich früher vor allem auf Sandplätzen wohl, sieht sie ihre Stärken mittlerweile auf Hardcourt. „Ich spiele offensiv, mit harten Schlägen und kurzen Ballwechseln. Auf schnelleren Belägen passt mein Spiel besser.“

Nach Verletzung und Pause kommt Seidel stärker zurück

Ella Seidel  ist eines der größten deutschen Tennis-Talente
Ella Seidel ist eines der größten deutschen Tennis-Talente
Credit: Imago
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Doch ihr Weg ist nicht frei von Rückschlägen. Bei den French Open scheiterte sie hauchdünn in der Qualifikation, in Wimbledon verletzte sie sich ausgerechnet beim Debüt im Hauptfeld am rechten Sprunggelenk und musste mehrere Wochen pausieren. „Das war mental extrem hart, aber ich bin stärker zurückgekommen“, sagt Seidel.

Rituale und Routinen helfen ihr, auf dem Platz den Kopf freizubekommen. Vor Turnieren hört sie Musik – mal entspannende Klänge, mal energiegeladene Songs von Rihanna –, manchmal meditiert sie oder atmet bewusst, um den Druck zu kanalisieren.

Ihre sportliche Inspiration zieht sie aus Spielerinnen wie Aryna Sabalenka, deren kraftvolle und offensive Spielweise sie beeindruckt. Auch privat findet sie Unterstützung, ihre jüngere Schwester ist ihr größter Fan. Das nächste Ziel: eine kleine Wohnung in München, um neben der Tour ein richtiges Zuhause zu haben. Zurzeit lebt sie meist aus dem Koffer, wohnt auf der Tennisanlage in Oberhaching und ist nur selten im heimischen Hamburg. Die Ziele sind aber klar definiert: „Ich möchte bei den großen Turnieren in der zweiten Woche stehen – das ist mein Traum".

Dass sie dafür alles gibt, spürt man in jedem Moment. Perfektionismus und Ehrgeiz treiben sie an – zwei Eigenschaften, die sie zu einer der spannendsten Nachwuchsspielerinnen des deutschen Tennis machen.



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