Australian Open

Australian Open: So kann Zverev gegen Djokovic im Halbfinale gewinnen

Noch zwei Siege bis zum ersten Grand-Slam-Titel: Alexander Zverev steht nach seinem Erfolg gegen Tommy Paul im Halbfinale der Australian Open – und trifft dort auf Superstar Novak Djokovic. Sports Illustrated erklärt, wie Zverev im Halbfinale gewinnen kann.

Alexander Zverev bejubelt seinen Halbfinal-Einzug bei den Australian Open
Credit: Imago

Mental so gut wie nie: Alexander Zverev steht nach einem hart erkämpften Viersatz-Sieg gegen den US-Amerikaner Tommy Paul im Halbfinale der Australian Open – und ist damit nur zwei Siege entfernt vom lang ersehnten ersten Grand-Slam-Titel. Dabei überzeugte Zverev mit unglaublicher Nervenstärke. War der Weltranglistenzweite in den Runden zuvor durchs Turnier spaziert, hatte er gegen Paul Schwierigkeiten, sein Spiel zu finden und musste in den ersten beiden Sätzen jeweils Satzbälle abwehren.  
 Diese psychische Challenge meisterte Zverev - und spielte die beiden folgenden Tie-Breaks wie ein echter Grand-Slam-Champion (7:0 und 7:1). Auch deshalb sagte Zverev nach dem Match bei Eurosport: „Es war nicht das beste Match, das ich gespielt habe, aber ich habe trotzdem meinen Weg gefunden“ – eine Qualität, die einen möglichen Grand-Slam-Titel so realistisch erscheinen lässt wie lange nicht.  

 
Die beiden Eurosport-Experten Patrick Kühnen und Barbara Rittner lobten Zverevs neue mentale Stärke. Rittner bezeichnete das Spiel gegen Paul als „Schlüsselmatch“ auf dem Weg zum Titel, da Zverev es geschafft habe, das Spiel zu gewinnen „obwohl man das Gefühl hatte, die ersten beiden Sätze der schlechtere Spieler gewesen zu sein“. Ex-Davies-Cup-Kapitän Kühnen sagte: „Es ist die große Kunst, die Matches zu gewinnen, auch wenn man nicht das beste Tennis spielt.“ Kühnen weiter: „Glaube ich, dass er das Turnier gewinnen kann? Klar kann er es gewinnen“.  

Tatsächlich scheint es, als sei der deutsche Tennis-Star nun auf mentaler Ebene dafür bereit, den ganz großen Wurf zu landen. Zwar muss er dafür im Halbfinale mit Superstar Novak Djokovic einen echten Brocken aus dem Weg räumen, doch diese Hürde erscheint für „Zverev 2.0“ in seiner aktuellen Form machbar. Vor allem, weil der 27-Jährige über einige Waffen verfügt, dem Serben wehzutun.  

Novak Djokovic schreit nach seinem Viertelfinal-Sieg bei den Australian Open
Da muss alles raus: Djokovic nach seinem Viertelfinal-Sieg gegen Carlos Alcaraz
Credit: Imago
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Den 37 Jahre alten Djokovic plagen bei diesem Turnier immer wieder körperliche Probleme, wenn das Spiel über eine längere Distanz geht. Zverev dagegen ist topfit – sowohl körperlich als auch mental. Auch über die harten und aggressiven Grundschläge, die es braucht, um Djokovic, gerade über dessen Vorhandseite in Bedrängnis zu bringen, verfügt Zverev. Zudem ist der Aufschlag des 1,98-Meter-großen Deutschen nur schwer zu lesen und beraubt Return-König Djokovic somit einer seiner größten Stärken.  

Im Head-to-Head-Vergleich der beiden Tennis-Stars liegt Zverev allerdings zurück. Von den 15 bisherigen Aufeinandertreffen konnte Zverev sechs für sich entscheiden. Auch das letzte Duell der beiden entschied der Serbe für sich. 2023 gewann er in Cincinatti mit 7:6 und 7:5. Allerdings dürfte das Duell auch schöne Erinnerungen beim Deutschen wecken: Sowohl bei seinem ersten Triumph bei den ATP-Finals 2018 als auch beim Olympischen Turnier 2021 bezwang er Djokovic im Finale. Außerdem scheint „Sascha“ sein Spiel erneut auf ein neues Level gehoben zu haben. Drei neue Qualitäten im Spiel des Hamburgers sind dabei besonders auffällig:  

Alexander Zverev: Seine mutige Spielweise

Es war über Jahre hinweg die Thematik, die Zverev immer wieder einholte: Seine passive Spielweise. Obwohl der Deutsche mit 1,98-Meter über eine Tennis-Paradegröße und harte Grundschläge verfügt, traute er sich zu selten, in den Spielen die Initiative zu übernehmen. Stattdessen wartete er oftmals hinter der Grundlinie auf Fehler des Gegners. Deshalb kritisierte ihn im vergangenen Jahr sogar Tennis-Legende Roger Federer. Laut dem Schweizer sei Zverevs Spiel „viel zu passiv und defensiv“.  

Doch von Passivität ist in Melbourne aktuell nichts zu sehen. Zverev spielt offensiv und aggressiv wie lange nicht. Der Deutsche überzeugt mit einer guten Quote beim ersten Aufschlag, wodurch er viele freie Punkte erzielt. Außerdem positioniert sich der 27-Jährige auffällig nah an der Grundlinie, nimmt die Bälle früh und bestimmt das Tempo der Ballwechsel. Auch wenn Zverev noch immer Schwächen beim Volley offenbart, sucht er vermehrt den Weg ans Netz. Es scheint, als hätte er sich die Kritik zu Herzen genommen – und das zahlt sich aus. 

Alexander Zverev: Seine Rückhand

 Auch seinen Paradeschlag integriert Zverev aktuell noch besser in sein Spiel. Bereits seit Jahren sind sich Experten einig, dass der Deutsche über eine der besten Rückhände auf der Tennis-Tour verfügt. Das Problem: Zverev setzte diese Waffe lange Zeit lang zu selten ein. Vor allem sein Angriffsspiel war schlicht zu Vorhand-lastig. Auch das hat der 27-Jährige umgestellt. 

Immer wieder nutzt Zverev in Melbourne die Rückhand, um Druck auf den Gegner zu erzeugen. Vor allem mit dem harten und glatten Rückhand-Longline-Schlag erzielt er viele Punkte. Diese Komponente seines Spiels macht Zverev für Gegner schwerer ausrechenbar und hilft ihm, die Ballwechsel zu diktieren. Zwar hat sich dadurch im Vergleich zum Vorjahr Zverevs Anzahl an unerzwungenen Fehlern leicht erhöht, allerdings schlägt er auch deutlich mehr Winner und dominiert dadurch seine Spiele – und Dominanz auf dem Platz führt bekanntlich häufiger zu Titeln. 

Alexander Zverev: Seine neue Gelassenheit

Wie eingangs beschrieben wirkt Zverev aktuell gelöst und entspannt wie lange nicht. Auch auf dem Platz zeigt sich diese Eigenschaft. Während den Matches wirkt Zverev total fokussiert und behält auch in wichtigen Momenten die Ruhe. Wird es einmal brenzlig, trifft der Hamburger häufig die richtige Entscheidung – sei es bei der Wahl seines Aufschlagtempos oder in den Ballwechseln selbst.  

Auch Zverevs berüchtigte Wutanfälle, die in den vergangenen Jahren häufiger zu sehen waren und ihm einige kaputte Schläger und Punkte kosteten, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Nur selten blickt der Hamburger aktuell verzweifelt in Richtung seines Anhangs oder schimpft mit seiner Box. Alles Anzeichen dafür, dass Alexander Zverev auch auf der mentalen Ebene einen Entwicklungsschritt genommen hat – der sich am Ende als zentrales Puzzleteil auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Titel erweisen könnte.  



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