MAX VERSTAPPEN: In der Rolle des Jägers dreht der Weltmeister zu Höchstform auf. Der Red-Bull-Star beeindruckte mit herausragendem Reifenmanagement und holte vor allem im zweiten Stint auf Softreifen das Maximum heraus. Wohl nur das späte virtuelle Safety Car verhinderte die Fahrt auf Rang zwei. Verstappen strotzt vor Selbstvertrauen, der Glaube an das erfolgreiche Wunder-Comeback im WM-Kampf lebt - auch im Team. Verstappen genießt die volle Rückendeckung, alles wird seinem Erfolg untergeordnet, sogar die Entscheidung über die künftigen Fahrerpaarungen bei Red Bull sowie den Racing Bulls wird vertagt. Zwar büßte der Niederländer Punkte auf Norris ein, die WM-Führung ist trotzdem näher. Verstappen, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko, sei "wie ein Jagdhund". Seine Beute hat er längst gewittert.
OSCAR PIASTRI: Es läuft nicht mehr beim Australier, und so recht weiß Piastri auch nicht wieso. Er habe seinen Fahrstil in den vergangenen Wochen anpassen müssen, verriet der McLaren-Star etwas kryptisch, nachdem er erstmals seit April die WM-Führung abgegeben hatte. Schadensbegrenzung, das war nach Startplatz sieben die Aufgabe für Mexiko. Er erfüllte sie nur mäßig. Piastri wirkt verunsichert, er fremdelt mit seinem Auto, die monatelange Coolness - verflogen. Noch ist Piastri voll im WM-Kampf, schon im nächsten Rennen in Brasilien kann ihm ein Befreiungsschlag gelingen. Der Druck wird jedoch nicht geringer.
LEWIS HAMILTON: Der Rekordweltmeister wird den Ferrari-Fluch einfach nicht los. Weil der Brite nach einem Verbremser bei der Rückkehr auf die Strecke nicht den vorgesehenen Notausgang nutzte, setzte es von der Jury eine Zehn-Sekunden-Strafe - Rang drei und sein mögliches erstes Podium für die Scuderia waren futsch. Eine "sehr harte" und "sehr eigenartige" Strafe sei das gewesen, sagte Teamchef Fred Vasseur, schließlich sei auch Verstappen vergleichbares passiert und von Sanktionen verschont geblieben: "Aber ich will kein Fußballtrainer sein, die sich über alles beschweren." 20 Rennen wartet Hamilton nun auf das erste Grand-Prix-Podest für Ferrari. Vier Rennen bleiben ihm noch, um in seiner 19. Saison nicht erstmals ohne Top-3-Platzierung zu dazustehen. Was bleibt, ist das Prinzip Hoffnung - und der Trend. Die Formkurve bei Ferrari zeigt nach oben. Das bestätigte der zweite Platz von Charles Leclerc.
OLIVER BEARMAN: Wenn alles vorbei ist, schuldet Verstappen dem jungen Briten womöglich eine Flasche Schampus - oder was auch immer nach Bearmans Geschmack ist. Völlig unerwartet fuhr der 20-Jährige im Haas auf Rang vier und zu seiner bisher besten Grand-Prix-Platzierung in der Formel 1. Der Leidtragende? Piastri. Runde um Runde hielt Bearman dem Druck des Titelkandidaten stand, auch wenn ihm am Schluss das virtuelle Safety Car zur Hilfe kam. "Das war ein wahnsinniges Rennen, wir hatten sogar zwischenzeitlich das Podium in Sicht", sagte Bearman: "Ich bin sehr, sehr glücklich." Zwei Punkte verwehrte er durch seine Leistung Piastri. Im engen Titelkampf können sie entscheidend werden.