Tischtennis-Star Patrick Franziska: "Ich möchte noch zweimal zu Olympia"
- Tischtennis-Star Patrick Franziska im Interview
- Patrick Franziska: "Ich möchte noch zweimal zu Olympia"
- Franziska über den Sport nach Timo Boll, seine Zukunft und Mega-Talent Annett Kaufmann
Sports Illustrated: Wo steht das deutsche Tischtennis aktuell? Nach dem Karriereende von Timo Boll hat die Sportart ihre Gallionsfigur verloren.
Patrick Franziska: Es ist ohne Zweifel eine große Herausforderung – für uns Spieler und das gesamte deutsche Tischtennis. Mit Timo hatten wir einen Ausnahmeathleten, der den Sport nicht nur spielerisch geprägt hat, sondern auch menschlich. Er war bodenständig, sympathisch, ein perfektes Vorbild. Natürlich ist es schwer, diese Lücke zu füllen. Aber ich finde, dass wir aktuell gut aufgestellt sind. Wir haben drei Spieler unter den Top 20, gleichzeitig haben andere Nationen aber aufgeholt.
Sports Illustrated: Inwiefern?
Franziska: Deutschland ist in Europa nicht mehr zwingend das Nonplusultra, diese Zeiten sind vorbei. Frankreich und Schweden sind mit vielen Talenten sehr stark geworden, die Masse an europäischen Topspielern größer. Unsere Aufgabe ist es, Tischtennis in Deutschland weiter voranzutreiben – nicht in Nostalgie zu verfallen, sondern nach Timos Beispiel weiterzumachen. Ich denke, das gelingt uns derzeit gut.
Sports Illustrated: Wie zufrieden sind Sie aktuell mit Ihrer eigenen Form?
Franziska: Im Moment bin ich sehr zufrieden. Interessanterweise war ich Anfang des Jahres noch die Nummer acht der Welt, inzwischen stehe ich auf Platz 18. Das liegt auch daran, dass ich im Sommer zweieinhalb Monate weniger Turniere gespielt habe, um mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen – wir haben ein zweites Kind bekommen. Spielerisch fühle ich mich aber stärker als damals, als ich die Nummer acht war.
Sports Illustrated: Was sind Ihre nächsten Ziele?
Franziska: Mein großes Ziel ist Olympia 2028 in Los Angeles. Dafür lege ich jetzt die Grundlagen. Natürlich will ich auch wieder in die Top Ten der Welt, vielleicht auch in die Top Fünf. Aber wichtiger ist mir, dass sich meine Form stetig verbessert – und das Gefühl habe ich.
Sports Illustrated: Sie haben bei der diesjährigen WM das Achtelfinale erreicht. Zufrieden?
Franziska: Es war ein gutes Turnier. Vom Ergebnis her wäre eine Medaille mein Ziel gewesen, das war realistisch, aber schwer zu erreichen. Spielerisch war ich zufrieden, aber ich hätte gerne ein, zwei Runden mehr gewonnen.
Sports Illustrated: Die großen Turniere im Tischtennis sind WM, Olympia und die WTT Turnier-Serie. Welche Bedeutung hat Olympia im Vergleich zu den anderen Wettbewerben?
Franziska: Olympia ist das größte Ziel für jeden Tischtennisspieler. Zwar dürfen nur zwei Athleten pro Land starten, was vor allem China schwächt, weil sie so viele Topspieler haben. Aber genau deshalb ist es dort „einfacher“, eine Medaille zu holen als bei einer WM, wo sechs Chinesen antreten können. Die neue World Table Tennis-Serie mit den Grand Smashes ist noch jung, da braucht es Zeit, bis sie das Standing der Grand Slams im Tennis erreicht. Für uns Spieler bleibt Olympia aber das Nonplusultra – sportlich wie in der öffentlichen Wahrnehmung.
Sports Illustrated: Welche Bedeutung hat die Bundesliga für Sie?
Franziska: Die Bundesliga ist mir sehr wichtig. Durch die vielen internationalen Turniere ist es zwar anstrengend, jedes Wochenende zu spielen, aber gerade für die Fans und für die Nachwuchsspieler ist es wichtig, uns regelmäßig in Deutschland zu sehen. Dazu ist die Bundesliga nach wie vor unsere wichtigste Einnahmequelle, da die internationalen Preisgelder nicht ausreichen.
Sports Illustrated: Timo Boll war vor allem in Asien ein Superstar. Glauben Sie, dass Tischtennis in Deutschland populärer werden kann?
Franziska: Es wäre wünschenswert. Fußball ist in Deutschland übermächtig. Wichtig ist: Erfolg schafft Aufmerksamkeit. Wenn wir große Siege feiern, kann das den Sport nach vorne bringen. Dazu braucht es Spieler mit Persönlichkeit. Trotzdem sollten wir nicht zu kritisch sein. Uns geht es im Vergleich zu vielen anderen Sportarten gut. Wir können alle vom Tischtennis leben, die Bundesliga ist stark und populär. Natürlich wünschen wir uns noch mehr Reichweite, aber wir stehen solide da.

Sports Illustrated: Sie haben zuletzt im Mixed mit Annett Kaufmann gespielt, die nach Olympia 2024 für viel Aufsehen gesorgt hat. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?
Franziska: Sie ist ein enormes Talent, unglaublich lernfähig, gleichzeitig selbstbewusst und zielstrebig. Natürlich ist der Weg lang, gerade im internationalen Vergleich. Aber sie hat das Potenzial, eine große Rolle zu spielen. Unser gemeinsames Ziel im Mixed ist Olympia 2028. Ich glaube, unser alt-jung-Mix kann Erfolg bringen.
Sports Illustrated: Übernehmen Sie dabei eine Art Mentorenrolle?
Franziska: Ein Stück weit. Ich helfe gerne jüngeren Spielern, gebe Tipps und teile meine Erfahrungen. Mit Annett funktioniert das sehr gut: Sie hört zu, stellt Fragen, bringt aber auch ihre eigene Meinung ein. Diese Mischung macht uns stark. Im Mixed ist Harmonie entscheidend – und bei uns passt es hervorragend.
Sports Illustrated: Wie wichtig ist der Faktor Erfahrung im Tischtennis?
Franziska: Sehr wichtig. Zwar wird man mit den Jahren körperlich etwas langsamer, doch mit Spielintelligenz und Cleverness kann man das ausgleichen. Das Spiel ist heute schneller und athletischer, das wird von den Plastikbällen, mit denen wir seit 2014 spielen, begünstigt. Aber gerade, weil die Ballwechsel im Tischtennis kurz sind, kann man mit Erfahrung und Auge viel kompensieren.
Sports Illustrated: Sie sind 33 Jahre alt. Haben Sie einen Zeitpunkt im Kopf, wie lange Sie noch spielen möchten?
Franziska: Mein Ziel ist, noch zweimal bei Olympia dabei zu sein – 2028 in Los Angeles und 2032. Dann wäre ich 40 Jahre alt. Natürlich hängt viel vom Körper, aber auch vom Kopf und der Familie ab. Sollte ich irgendwann das Gefühl haben, nicht mehr mithalten zu können, muss ich überlegen, ob ich nur noch Bundesliga spiele oder ganz aufhöre. Momentan habe ich aber das Gefühl, dass ich es schaffen kann. Dieses Ziel treibt mich an.
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