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Save The Duck-Gründer Nicolas Bargi: "Es geht um soziale Verantwortung"

Mingma Tenzi Sherpa aus Nepal hat als erster Mensch alle 8000er der Welt in einer komplett tierfreien Ausrüstung von Save The Duck bestiegen. Im Interview spricht Gründer Nicolas Bargi über den Rekord und die Vision des Unternehmens.  

Save-The-Duck-Gründer Nicolas Bargi
Credit: Save The Duck
  • Save-The-Duck-Gründer Nicolas Bargi im Interview
  • Mingma Tenzi Sherpa aus Nepal hat als erster Mensch alle 8000er in einer komplett tierfreien Ausrüstung bestiegen
  • Save The Duck fokussiert sich auf nachhaltige und tierfreie Kleidung
 

Sports Illustrated: Seit 2018 arbeiten Sie mit den veganen Bergsteigern Kuntal Joisher und Mingma Tenzi Sherpa aus Nepal zusammen – nun hat letzterer als erster Mensch alle 14 8000er der Welt in einer komplett tierfreien Ausrüstung von Save The Duck bestiegen. Wie kam es dazu?

Nicolas Bargi: Joisher hat mich damals per E-Mail kontaktiert. Als Veganer hatte er immer ein schlechtes Gewissen, wenn er mit Daunenjacken auf Expedition ging. Er war schon länger auf der Suche nach einer Firma, die einen Anzug fertigt, der diesen extremen Bedingungen standhält. Aber eben ohne tierische Produkte, sondern aus synthetischem Material. Alle sagten ihm ab, ich sagte zu. Obwohl wir eigentlich keine Kleidung für Extrembergsteiger herstellen, sondern für den Alltag. Nach sechs Monaten Entwicklungszeit schickte ich ihm den ersten Anzug.

Sports Illustrated: Und, wie kam er an?

Bargi: Er wog drei Kilogramm mehr als sein ursprünglicher Anzug und war zu schwer, um mit ihm einen 8000er zu besteigen. Daunen sind schließlich viel leichter als synthetisches Material. Besonders die letzten 1000 Meter sind körperlich extrem herausfordernd, da kommt es auf jedes Gramm an. Also reduzierten wir das Gewicht, und nach einem ersten Test auf 6000 Metern bestieg er damit kurz darauf den Lhotse.

Sports Illustrated: Der über 8500 Berg neben dem Mount Everest.

Bargi: Wir wussten bereits, dass der Anzug warmhält und atmungsaktiv ist – aber nicht, ob das auch für die allerhöchsten Berge reicht. Zum Glück ging alles gut, und Kuntal Joisher schaffte es als erster Mensch überhaupt in einem synthetischen Anzug auf den Gipfel eines 8000ers. Seitdem hat sein ehemaliger Sherpa Mingma Tenzi sämtliche 8000er in einem Anzug von Save The Duck bestiegen, zuletzt den Cho Oyu Anfang Oktober – ein Rekord. 

Mingma Tenzi Sherpa aus Nepal hat als erster Mensch alle 8000er in einer komplett tierfreien Ausrüstung von Save The Duck bestiegen
Mingma Tenzi Sherpa aus Nepal hat als erster Mensch alle 8000er in einer komplett tierfreien Ausrüstung von Save The Duck bestiegen
Credit: Save The Duck
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Sports Illustrated: Warum greifen viele Hersteller bei Hochleistungsbekleidung für Expeditionen bis heute auf Materialien tierischen Ursprungs zurück?

Bargi: Wenn man etwas macht, das funktioniert – warum sollte man es ändern? Zumal die Kosten für die Erforschung solcher Technologien hoch sind und der Markt für Extrembergsteiger-Ausrüstung eher klein. Wie viele Menschen besteigen 8000 Meter hohe Berge? Deshalb zögert die Industrie, etwas zu verändern. Für mich war das eine Wette: Ich wollte zeigen, dass Synthetik genauso gut ist wie Daune. Die Welt wird sich nicht verändern und zu 100 Prozent auf synthetische Materialien zurückgreifen. Aber es sollte sich etwas verändern mit Blick auf die Zukunft.

Sports Illustrated: Gibt es den Anzug zu kaufen?

Bargi: Nein, Activewear haben wir bislang nicht im Programm. Unsere Everyday-Kollektion ist von dieser Technologie inspiriert. Wir haben sie auf die Arctic-Winterparkas übertragen. Wie viele wir davon verkaufen? Keine so großen Mengen. Aber es ist wie im Automobilbereich: Man braucht ein Hero-Teil in der Kollektion, das zeigt, was man kann.

Sports Illustrated: „Animal-free“ ist Ihr Markenkern. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre synthetischen Materialien auch nachhaltig und kreislauffähig sind?

Bargi: Wir nutzen Polyester und Nylon, das zu einem immer größeren Anteil aus recycelten Materialien besteht. Aktuell liegen wir hier bei 85 Prozent, und es wird jedes Jahr etwas mehr.

Sports Illustrated: Was bedeutet Ihnen dieser Rekord persönlich?

Bargi: Es geht um Respekt. Wir sind Save The Duck, wir respektieren Tiere. Doch es geht um mehr. Es geht um soziale Verantwortung, um die Umwelt. Wir sind nicht perfekt, aber wir werden immer besser. Dieser Rekord bedeutet für uns die Veränderung eines Systems. Wir zeigen den Menschen: Es geht auch anders. Und unser Respekt gebührt natürlich Mingma Tenzi Sherpa: Einem vegan lebenden Bergsteiger, der etwas Unglaubliches geleistet und die Regeln des Bergsteigens gebrochen und neu definiert hat. Es ist sein Rekord, nicht unserer.



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