Radsport

Vom Boxen zum Radsport: Sophie Alisch unterschreibt Vertrag bei Canyon SRAM

Vom Boxen zum Radsport: Sophie Alisch wechselte dieses Jahr die Sportart – und unterzeichnet jetzt einen Vertrag beim Canyon//SRAM zondacrypto Generation-Team. Sports Illustrated hat mit ihr über die neue Herausforderung gesprochen. 

Sophie Alisch
Credit: Thomas Maheux
 

Sports Illustrated: Im Sommer sind Sie vom Profi-Boxen zum Radsport gewechselt – und haben jetzt einen Vertrag bei der Profi-Mannschaft Canyon Sram zondacrypto Generation unterschrieben – dem Entwicklungsteam von Canyon Sram zondacrypto, das mit Kasia Niewiadoma 2024 die Tour de France Femmes gewinnen konnte. Wie kam’s dazu?

Sophie Alisch: Canyon Sram zondacrypto war von Anfang an das Team, für das ich fahren wollte. Auch, weil der Radhersteller Canyon einer der ersten war, der von Anfang an mich geglaubt und mich supportet hat. Ich fahre vorerst für das Generation-Team, das eine Stufe unter dem World-Tour-Team angesiedelt ist. Ich kann hier auf die komplette Struktur des WorldTour-Teams zurückgreifen, was für meine Entwicklung unheimlich wichtig ist.

Sports Illustrated: Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Alisch: In den kommenden Monaten werde ich das ganze Team kennenlernen, bevor Anfang 2026 die Trainingscamps stattfinden – und dann geht es bald los mit den ersten Rennen. 

Sports Illustrated: Noch haben Sie keine Rennerfahrung im Profiradsport. Gehen Sie davon aus, dass Sie zu Saisonbeginn gleich mit dabei sind?

Alisch: Das haben wir im Detail noch nicht besprochen – aber ja, ich gehe davon aus, dass ich mit Saisonbeginn an der Startlinie stehe. Ich habe bislang keine Rennerfahrung, deshalb ist es umso wichtiger, dass ich hier so schnell wie möglich Erfahrung sammle. Größere Gruppenrides habe ich schon mitgemacht, aber ein Rennen ist natürlich nochmal etwas ganz anderes. 

Sports Illustrated: Sie leben auf der Radsportinsel Mallorca und trainieren mit einem Coach unter Profibedingungen. Wie weit sind Sie?

Alisch: Ja, das mache ich seit April. Natürlich hat sich das Trainingsvolumen seitdem immens gesteigert. Ich fahre unterhalb der Woche so 17 bis 18 Stunden Rad, das wird in den nächsten Wochen nochmal mehr. Mein Gefühl für das Bike hat sich deutlich verbessert, auch die Kontrolle des Rads. Und konditionell hat sich natürlich auch sehr viel getan, mental ebenfalls. Vier, fünf Stunden am Stück auf dem Bike zu sitzen, das ist kein Problem mehr. 

Sophie Alisch
Sophie Alisch
Credit: Thomas Maheux
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Sports Illustrated: Im Radsport ist das Verhältnis von getretenen Watt pro Kilogramm Körpergewicht ein wichtiger Indikator. Wo stehen Sie hier? Sind Sie schon auf Profi-Niveau?

Alisch: Es ist schon sehr gut, aber natürlich ist hier noch Luft nach oben. Bis aufs Toplevel zu kommen, an dem sich die besten Frauen befinden, ist es noch ein Stück weit, das war aber so zu erwarten. Ich trainiere erst seit einigen Monaten auf diesem Niveau, andere Fahrerinnen schon seit Jahren. 

Sports Illustrated: Bergfahren, Sprint, Zeitfahren: Wo sehen Sie Ihre Stärke?

Alisch: Diese Diskussion hatte ich schon mit meinem Trainer. Im Moment ist das schwierig einzuschätzen. Rein vom Gefühl her habe ich mich mit dem Klettern noch nicht angefreundet. Im Sprint bin ich dagegen sehr gut, das ist eine große Stärke, weil ich aus einem Kraft-explosiven Sport komme. 

Sports Illustrated: Sie waren im Boxen sehr erfolgreich, haben alle ihre zehn Profikämpfe gewonnen und Medaillen bei internationalen Wettkämpfen geholt. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass das auch auf dem Rad funktioniert? 

Alisch: Ich gehe mit demselben Mindset an die Sache. Ich habe mich im Boxsport viele Jahre auf Weltklasse-Niveau bewegt – erst im olympischen Amateurboxsport, dann bei den Profis. Das Mindset ist hier entscheidend, das macht mich aus. Von daher ändert sich für mich nichts an meinen Zielen und Ambitionen. 

Sophie Alisch
Sophie Alisch
Credit: Thomas Maheux
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Sports Illustrated: Wie sehen diese Ziele aus?

Alisch: Langfristig habe ich mir die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 vorgenommen, nächstes Jahr möchte ich meine ersten UCI-Rennen fahren. Von Rennerfahrung bis Taktik: Das möchte ich alles so schnell wie möglich lernen. Natürlich will ich auch Rennen gewinnen – und vielleicht die Chance bekommen, bei den großen Rennen wie der Tour de France dem Giro mitzufahren. Klar, das muss ich alles auf mich zukommen lassen. Aber ich werde alles dafür tun, dass diese Träume Wirklichkeit werden.

Sports Illustrated: Ist eine Rückkehr zum Boxen auch eine Option?

Alisch: Nein, ich habe mich komplett dem Radsport verschrieben, eine Rückkehr zum Boxen kommt nicht in Frage. Ich liebe den Sport noch immer und mache ihn meiner Freizeit. Aber ich gehe auf dem Rad "all-in".



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