Der Spätstarter: Skisprung-Star Pius Paschke im Portrait
- Skispringen: Pius Paschke im Portrait
- Paschke zählt bei Olympische Winterspiele zu den DSV-Hoffnungen
- DSV-Adler Paschke springt im Herbst seiner Karriere in neue Sphären
Anfang November saß Pius Paschke auf der Couch. Im Late-Night-Talk „Karlsplatz“, der Sendung von Kabarettistin Eva Karl Faltermeier im BR Fernsehen. Ein launiges Geplauder, nichts von großem Belang, Faltermeier kündigte ihn als „das Beste“ an, was „Bayern nach Markus Söders Weltraum-Programm in die Luft geschossen hat“. Lustiger wurde es dann nicht mehr.
Einmal ging es im Gespräch aber auch um Olympia. Und da sagte Pius Paschke, am liebsten wäre es ihm, würde Olympia schon Ende November stattfinden. Da sei seine Form nämlich immer am besten, früh in der Saison. Dabei startete er selbst doch erst sehr spät zu einer großen Karriere durch.
Paschke war nie der strahlende Sonnyboy, und denkt man an den Skisprung-Hype zu Beginn des Jahrtausends in der aufgeregten Live-Inszenierung von RTL zurück, dann ist Paschke in seinem Auftreten der personifizierte Gegenentwurf, der Anti-Schmitt, der Anti-Hannawald. Seinetwegen ist noch kein Teenager in Ohnmacht gefallen. Aber genau wegen dieser inneren Ruhe kam er in der sehr späten Phase seiner Karriere doch noch zu ersten großen Erfolgen.
Mit 14 startete Paschke erstmals bei einem FIS-Springen, doch bis er sich im Weltcup etablieren konnte, dauerte es lange. Eine Zeit, in der er sich durch Fis-Cup, Alpen-Cup, Continental Cup quälte, und als er schon 27 war und immer noch nichts weiterging, warf ihn der Deutsche Skiverband aus dem B-Kader. Paschke war ein Springer ohne Perspektive. Aber er kämpfte sich zurück, feilte an der Anfahrtshocke, am Absprung-Timing, an der idealen Flugkurve und der Landung. Als einen, der „nie seine Kämpferqualitäten verloren“ habe, bezeichnete ihn einmal der frühere Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster.

Sein Kämpferherz brachte ihm mit 33 den ersten Weltcup-Sieg, im Dezember 2023 in Engelberg – bevor er zu Beginn des vergangenen Winters zum Überflieger wurde, mit fünf Weltcup-Siegen innerhalb von drei Wochen. Als ältester Weltcup-Gesamtführender der Geschichte fuhr Paschke zur Vierschanzentournee, als Hoffnungsträger, als Favorit. Sechster wurde er schließlich im Endklassement, eine Enttäuschung für viele Fans, für ihn selbst hingegen ein sehr gutes Ergebnis, wie er später sagte. Schließlich war er zuvor nie über den 20. Gesamtplatz hinausgekommen.
Bei Olympia wird Paschke wieder einmal eher im Schatten stehen. Die Aufmerksamkeit wird sich eher auf Andreas Wellinger richten, der nach Team-Gold in Sotschi 2014 und dem Einzelsieg auf der Normalschanze 2018 in Pyeongchang nun seinen dritten Olympiasieg anpeilt. Vielleicht kommt es Paschke erneut zugute, nicht im Fokus zu sein. Und vielleicht sind auch die Schanzen von Vorteil, die Anlagen von Predazzo liegen ihm. Es gibt nur einen Nachteil: Olympia ist erst im Februar. Und nicht schon Ende November.
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