Leichtathletik

Sabrina Mockenhaupt: Läufer gegen Influencer – ein ungleiches Rennen

Ex-Langstreckenstar Sabrina Mockenhaupt wirft im Kommentar für Sports Illustrated einen kritischen Blick auf Social Media im Laufsport. Warum ist Reichweite heute oft wichtiger als sportliche Leistung – und was bedeutet das für Profi-Athleten?

Sabrina Mockenhaupt
Credit: PR

Sabrina Mockenhaupt, heute 44 Jahre alt, gehört zu den erfolgreichsten deutschen Langstreckenläuferinnen aller Zeiten. Mit 45 nationalen Meistertiteln und Teilnahmen an drei Olympischen Spielen prägte sie den Laufsport über Jahre hinweg.

Mittlerweile ist sie auch als TV-Expertin für RTL im Einsatz – unter anderem beim Berlin-Marathon am 21. September. In ihrem exklusiven Kommentar für Sports Illustrated schildert sie, wie Social Media die Spielregeln im Laufsport verändert hat und warum Lauf-Influencer immer stärker mit Profis um Sponsorengelder konkurrieren.

Sabrina Mockenhaupt: "In den entscheidenden Phasen konnte ich mich voll aufs Training fokussieren"

Den ganz großen Aufstieg von Social Media habe ich als aktive Sportlerin nicht mehr miterlebt – zum Glück. Natürlich war auch ich während meiner aktiven Karriere auf Einnahmen aus Sponsorengeldern angewiesen, und natürlich war die Öffentlichkeitsarbeit Teil meines Lebens: Ich ging auf Termine, gab Interviews, hatte meine eigene Homepage. Trotzdem konnte ich mich in den entscheidenden Phasen voll aufs Training fokussieren.

Heute ist das für viele professionelle Läufer nicht mehr so einfach – und das liegt nicht zuletzt an dem Phänomen der Lauf-Influencer. Mit ihnen konkurrieren die Profis um Budgets – und den Vertrag bekommen nicht zwingend die Athleten mit den besten Leistungen und den meisten Medaillen, sondern oft diejenigen mit der größten Reichweite auf Social Media.

Sabrina Mockenhaupt: "Mit Lauf-Influencern  fällt die Identifikation viel leichter als mit Profis"

Ein Phänomen, das ich seit einigen Jahren beobachte und das immer stärker an Bedeutung gewinnt. Professionelle Lauf-Influencer unterhalten Hunderttausende Follower, veröffentlichen jeden Tag erstklassigen Social-Media- Content auf Instagram oder TikTok.

Dass sie sich sportlich meist auf Amateurlevel bewegen, spielt dabei keine große Rolle, ist möglicherweise sogar ein Vorteil aus Vermarktungssicht: Denn mit solchen Sportlern fällt die Identifikation viel leichter als mit Profis, die Zeiten laufen, von denen Hobbysportler nur träumen können.

Eine Ausnahme von diesem Phänomen würde ich für die absolute Elite machen – wer in der internationalen Spitzenklasse mitläuft, für den ist eine ständige Präsenz auf Social Media nicht ganz so entscheidend, diese Athleten kommen auch so an gut dotierte Verträge. Doch das gilt eben nur für einige sehr wenige.

Sabrina Mockenhaupt: Profi-Athleten müssen mehrere Stunden am Tag Content produzieren

Wie viel Aufwand Social Media ist, weiß ich selbst nur zu gut: Auch ich beziehe daraus einen Teil meines Einkommens, habe auf Instagram an die 200.000 Follower. Mir ist bewusst, was an Arbeit dahintersteckt – und wie hoch der zeitliche Invest ist, den man als Profi neben Training, Regeneration, ausreichend Schlaf und so weiter erst einmal leisten können muss. Da kommen am Tag leicht ein paar Stunden zusammen, denn nur ein Bild hochzuladen und zwei Zeilen dazu zu schreiben, das reicht einfach nicht.

Manche Influencer haben fürs Filmen ganze Teams und lassen das Material dann professionell schneiden – zusätzlich ein großer finanzieller Aufwand. Außerdem muss man als Athlet willens sein, ein Stück weit sein Leben zu öffnen, eine persönliche Story zu erzählen, Videos zu posten, die Leute mitzunehmen und die Follower teilhaben zu lassen an seinem Alltag auch abseits des Trainings.

Sabrina Mockenhaupt: "Nicht jeder Athlet ist für Social Media geboren"

Das mag nicht jeder, und nicht jeder Athlet ist für Social Media geboren. Manch einer – wie ich – tut sich vor der Kamera leicht. Andere dagegen verzichten lieber darauf, geben nur wenig preis und gehen stattdessen neben der Profikarriere – wie der Marathon- Europameister von 2022, Richard Ringer – eben arbeiten, werden durch die Bundeswehr gefördert oder kommen so über die Runden.

Dass der Laufsport in der Breite so boomt, freut mich natürlich sehr. Als Laufprofi von seinem Sport zu leben, das dürfte aber in Zukunft nicht einfacher werden.



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