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Lars Wichert: Transformation vom Ruder-Weltmeister zum Triathleten

Lars Wichert aus Hamburg war früher Ruder-Weltmeister. 2019 entschied er sich, diesen Sport zu beenden. Sports Illustrated spricht mit ihm über seinen Wechsel zum Triathlon, sein Training und die Qualen in beiden Sportarten.

Triathlet Lars Wichert war früher Ruderer
Credit: Imago
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Sports Illustrated: Vom Ruderer zum Triathleten: Wie kam es zum Wechsel?

Lars Wichert: Ich habe 2019 aufgehört mit Rudern. Zu diesem Zeitpunkt stand die Geburt meines zweiten Sohnes an. Ich war zwar zwei Mal bei Olympia, aber ich wollte nicht mehr alles auf eine Karte setzen. Danach habe ich das Coastal Rowing in Deutschland populär gemacht und bin Radrennen gefahren. Das hat mir Spaß gemacht. Da habe ich mir gedacht, warum nicht einmal einen Triathlon probieren – und bin später beim Ironman Hamburg gestartet.

Sports Illustrated: Wie verlief die Transformation vom Ruderer zum Triathleten?

Wichert: Laufen kann eigentlich jeder. Technisch gesehen ist Laufen leichter als Schwimmen. Aber da muss man erstmal reinkommen, was die Belastung betrifft. Ich würde sagen, dass ich immer noch kein guter Schwimmer bin. Daran muss ich arbeiten. Auf dem Rad gehöre ich zu den besseren Fahrern – auch weil ich während der Covid19-Pandemie einige Zwift-Rennen absolviert habe. 

Sports Illustrated: Welche Rolle spielt der Kopf beim Triathlon?

Wichert: Mentale Stärke ist ein wichtiger Punkt, der mir aus dem Leistungssport sehr zugutekommt. Hinzu kommt ein gewisser Ehrgeiz, der bei mir auf jeden Fall vorhanden ist – sowie Talent.  

Sports Illustrated: Sind Sie ein Typ, der sich gerne quält?

Wichert: Das würde ich schon sagen. Früher sogar noch mehr als jetzt. Wenn es heute beim Training richtig hart wird, schenke ich auch schon mal ein, zwei Intervalle ab. Was die Quälerei bei den Rennen betrifft, weiß ich, bis an welche Grenzen ich gehen kann. Ich kenne den Schmerz und kann mich darauf einrichten.

Sports Illustrated: Wie kann man den Schmerz bekämpfen?

Wichert: Das hängt immer davon ab, welchen Sport man macht. Bei meinem Ironman-Start auf Hawaii hatte ich keine Energie mehr und habe das Rennrad an der Leitplanke abgestellt. Nach einer längeren Pause habe ich mich wieder aufs Rad gesetzt, weil es mir etwas besser ging, und habe mich ins Ziel gekämpft. Wichtig ist, dass man positiv denkt, sowie an andere Sachen. Wenn es jetzt fünf Kilometer bis zu einer Verpflegungsstation sind, versuche ich bis dahin zu kommen. Was bei mir auch immer hilft, ist viel Eis über meinen Körper zu schütten.

Lars Wichert beim Rudern
Lars Wichert beim Rudern
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Sports Illustrated: Was tut mehr weh – Rudern oder Triathlon?

Wichert: Beim Rudern ist es wie bei einem 400-m-Lauf. Man weiß, dass man eine überschaubare Zeit unterwegs ist und dass es irgendwann weh tut. Da steht einem das Laktat bis knapp unter die Stirn. Auf den Langdistanzen beim Triathlon muss man aufpassen, dass man nicht in den "roten Bereich" hineinkommt. Dafür benötigt man die richtige Balance, um bis ins Ziel zu kommen. Hier lautet die Devise, möglichst wenig Laktat aufbauen. Da ist das Gefühl des Schmerzes und der Quälerei anders. 

Sports Illustrated: Wie sieht Ihr Trainingsprogramm im Winter aus?

Wichert: Ich gehe ein, zwei Mal zum Schwimmen. Montags nehme ich mir frei – und wenn ich trainiere, dann meistens am Abend wegen der Kinder. Ich habe einen Vollzeit-Job und muss schauen, dass ich mir einen geeigneten Trainingsplan zurechtlege. Mittlerweile stehe ich nicht mehr ganz so früh auf, um am Morgen zu laufen. Wenn es draußen kalt wird, trainiere ich gerne mit dem Rad auf der Rolle oder dem Laufband. Auf dem Kickr Run von Wahoo kann ich perfekt trainieren. Im Moment steht so ein Laufband bei uns im Büro, aber irgendwann möchte ich so eins auch zu Hause haben.

Sports Illustrated: Wie lange laufen Sie auf dem Band?

Wichert: Ganz lange Einheiten mache ich nicht. Ich laufe meistens 45, 60 oder 120 Minuten auf dem Band. Meistens absolviere ich Einheiten im 60- bis 75-prozentigen Anstrengungsbereich. Ich laufe aber auch 15 x 200 Meter oder 5 x 1000 Meter mal richtig schnell. Damit kann ich meine Kondition gut trainieren.

Sports Illustrated: Haben Sie einen Trainer?

Wichert: Anfang des Jahres habe ich mich alleine trainiert. Seit April arbeite ich gemeinsam mit Mario Schmidt-Wendling. Ich habe zwar Sportwissenschaft studiert und bringe auch viel Erfahrung aus dem Rudern mit, aber mit Mario habe ich einen Top-Trainer an meiner Seite, der für mich eine Art Supervisor ist und mich richtig in der Bahn hält, das hilft sehr.

Sports Illustrated: Wie sehen Ihre Ziele für 2026 aus?

Wichert: Mein Highlight im kommenden Jahr wird Hawaii werden. Als amtierender Altersklassenweltmeister bin ich bereits für den Ironman Hawaii qualifiziert. Da habe ich keinen Druck, mich qualifizieren zu müssen. Ansonsten wünsche ich mir, gesund zu bleiben und meine sportlichen Ziele erreichen. Wenn ich auf dem Podium lande, wäre würde ich mich sehr freuen.



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