Eishockey

EHC-Kapitän Patrick Hager: "Solange das Fitness-Level passt, geht’s weiter"

Eishockeyspieler Patrick Hager hat sein 1000. DEL-Spiel absolviert. Im Interview mit Sports Illustrated spricht der 37-Jährige über den EHC Red Bull München, die momentane Situation in der DEL und seine Zukunftspläne.

Patrick Hager (EHC Red Bull München)
Credit: Imago
 

Sports Illustrated: Nach einem schwierigen Saisonstart – wie beurteilen Sie aktuell die Formkurve von Red Bull München?

Patrick Hager: Ich glaube, dass die Kurve in den letzten Wochen deutlich nach oben gezeigt hat. In Wolfsburg haben wir aus meiner Sicht unnötig Punkte hergeschenkt. Jetzt stehen Spiele gegen Platz eins und drei an – echte Herausforderungen. Aber wir haben in den letzten Wochen Selbstvertrauen getankt, um mit breiter Brust in diese Spiele zu gehen.

Sports Illustrated: Sie sind Kapitän und haben Ihr 1000. DEL-Spiel gemacht. Wie würden Sie Ihre persönliche Rolle im Team beschreiben?

Hager: Mit meiner Erfahrung bin ich als Kapitän ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Meine Rolle hat sich in den letzten Jahren etwas verändert – ich spiele defensiver, bin stark im Unterzahlspiel gefordert und bekomme dort viel Eiszeit. Im Sommer kamen neue Spieler, die mehr offensive Verantwortung übernehmen. Ich denke, dass wir alle unsere Rollen annehmen und uns darin wohlfühlen. Besonders in den Special Teams war der Start schwierig, aber zuletzt haben wir dort sehr gut gearbeitet. 

Sports Illustrated: Die DEL wird immer ausgeglichener – was unterscheidet aus Ihrer Sicht die Topteams von den Verfolgern?

Hager: Mannheim ist ein gutes Beispiel – sie haben teils deutlich gewonnen. Sie machen wenige Fehler, besonders defensiv. Ich glaube, sie haben die beste Abwehr der Liga. Das ist entscheidend, wenn du mit zwei oder drei Toren schon gewinnen kannst. Bei uns war es oft umgekehrt: Wir haben vier oder fünf Tore geschossen und trotzdem verloren. 

1000. DEL-Spiel für Patrick Hager
1000. DEL-Spiel für Patrick Hager
Credit: Imago
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Sports Illustrated: Wie hat sich das Spiel in der DEL über die letzten Jahre verändert – physisch, taktisch oder mental?

Hager: Der Sport insgesamt ist athletischer und technischer geworden. Durch neue Trainingsmethoden und Technologien hat sich das Tempo in allen Sportarten erhöht. Auch in der DEL sind die Teams tiefer und besser besetzt als vor zehn Jahren. Deshalb ist die Liga derzeit so ausgeglichen. 

Sports Illustrated: Sie sind mittlerweile 37 Jahre alt. Wie lange werden Sie noch auf Topniveau spielen können?

Hager: Ich schaue von Jahr zu Jahr – das ist mein Ansatz. Wichtig ist, verletzungsfrei zu bleiben. Solange ich mein Training voll absolvieren und meine Fitnesswerte halten oder sogar verbessern kann, sehe ich kein Problem. Natürlich muss man mit der Erfahrung etwas cleverer agieren, weil jüngere Spieler eine enorme Dynamik haben. Aber solange das Fitness-Level passt, geht’s weiter. 

Sports Illustrated: Gibt es schon Ideen für die Karriere danach?

Hager: Ich möchte auf jeden Fall im Sport bleiben. München ist für mich mit der neuen Arena und dem ganzen Umfeld eine spannende Umgebung. Nach neun Jahren bei Red Bull ist das mein Zuhause geworden. Wenn sich im Verein eine Möglichkeit ergibt, wäre das sicher interessant. Ob Trainer oder Management – das wird man sehen. Ich kann mir beides vorstellen. Ich lasse das auf mich zukommen.

Sports Illustrated: Der Deutschland Cup steht bevor – welche Bedeutung hat das Turnier?

Hager: Es ist das einzige Turnier im eigenen Land, abgesehen von einer möglichen WM. Für die Jungs ist das immer etwas Besonderes. In einem Olympia-Jahr ist es eine Chance, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Auch wenn es vielleicht nicht für Olympia reicht, kann man sich für spätere Weltmeisterschaften oder kommende Turniere präsentieren.

Sports Illustrated: Sehen Sie Deutschland auf einem guten Weg, sich dauerhaft unter den Topnationen im internationalen Eishockey zu etablieren?

Hager: Ja, das sieht man seit Jahren. Wir haben den Anschluss geschafft, jetzt kommt der schwierige nächste Schritt. Bei Olympia wird man sehen, wie weit wir wirklich sind – wenn alle Spieler aus Nordamerika dabei sind und auch die anderen Nationen in Bestbesetzung antreten. Dann bekommen wir ein realistisches Bild.

Sports Illustrated: Was müsste passieren, damit Deutschland bei den nächsten Olympischen Spielen wieder um eine Medaille mitspielen kann?

Hager: Wir müssen uns nicht verstecken – wir haben Topspieler in der NHL. Einen Stützle, einen Draisaitl, einen Peterka, einen Seider – das sind Namen, die im Powerplay den Unterschied machen können. Wenn wir defensiv stabil stehen und das nötige Glück haben, ist alles möglich. Die Qualität vorne ist unbestritten, entscheidend ist die Reife als Mannschaft und die Fehlerquote.

Patrick Hager (EHC Red Bull München)
Patrick Hager (EHC Red Bull München)
Credit: Imago
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Sports Illustrated: Das Olympia-Silber 2018 bleibt ein Gänsehautmoment – wie oft denken Sie noch an dieses Turnier zurück?

Hager: Immer, wenn ich daran erinnert werde – zum Beispiel im Fitnessraum, wo mein Trikot und meine Medaille hängen. Es ist eine schöne, bleibende Erinnerung.

Sports Illustrated: Tudor ist Partner des EHC Red Bull München – was verbinden Sie mit der Marke und wie passt sie zu Ihnen als Sportler?

Hager: Seit diesem Jahr ist Tudor unser Partner. Zu meinem 1000. Spiel habe ich von der Mannschaft und der Organisation eine sehr schöne Uhr von Tudor bekommen – das wird für mich immer mit diesem Meilenstein verbunden bleiben. Das Modell ist wunderschön.

Sports Illustrated: Tudor steht für den Slogan "Born to Dare". Wo in Ihrer Karriere mussten Sie am meisten Mut beweisen?

Hager: Im Sport gibt es ständig Momente, in denen man Mut zeigen muss – als junger Spieler beim Schritt von zu Hause weg, beim Wechsel zu einem neuen Klub, beim Kampf um Spielzeit. Spitzensportler müssen immer wieder Mut beweisen – sonst bleiben sie keine Spitzensportler. Eishockey erfordert ohnehin viel Mut. Es ist ein harter, physischer Sport – man blockt Schüsse, geht in Zweikämpfe. Der Slogan passt perfekt zu unserem Sport.



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