Darts-WM

Darts-Profi Max Hopp feiert Comeback: "Du kannst es ja doch noch"

Max Hopp spricht im Sports-Illustrated-Interview über sein Comeback auf der PDC-Tour, die Darts-WM 2025 in London sowie die Dinge, die ihn wieder zu dem Topspieler gemacht haben, der er vor einigen Jahren bereits einmal war. 

Darts-Profi Max Hopp
Credit: Getty Images
 

Sports Illustrated: Sie waren bei den Players-Championship-Finals in Minehead dabei. Mit welchen Ambitionen waren Sie am Start?

Max Hopp: Ich habe dieses Turnier als Generalprobe betrachtet. Mir war bewusst, dass ich mit Gerwyn Price direkt gegen die Nummer 1 der Setzliste spiele. Ich wollte einfach wissen, wo ich stehe. Eine Überraschung wäre schön gewesen, aber ich weiß, dass ich bis zur WM noch einiges zu tun habe, um mein A-Game auszupacken.

Sports Illustrated: Nach einer etwas längeren Durststrecke sind Sie zurück auf internationalem Topniveau. Wie haben Sie das geschafft?

Hopp: Ich habe sehr viel in mein Training investiert. Viel bringt viel. Wenn man wieder richtig anfängt mit Sport und gut in Rhythmus kommt, geht alles leichter von der Hand und bringt etwas. Ich habe den Spaß wiederentdeckt und Dinge beseitigt, die mich im Kopf gehindert haben. Dabei setze ich viel auf neuroathletisches Training, was auch Serge Gnabry und andere Sportler machen. Das hilft mir. Ich muss auf kognitiver Ebene funktionieren, mich konzentrieren und mein visuelles Sichtfeld trainieren. Den großen Bizeps brauche ich nicht.

Sports Illustrated: Was waren die Gründe, dass es in den Jahren zuvor nicht mehr gut lief?

Hopp: Ich möchte nicht über alles sprechen, aber es waren leider auch ein paar Schicksalsschläge dabei. Als junger Spieler bin ich stark gestartet, später gab es eine Phase der Stagnation und Probleme. Dann war irgendwann das Feuer nicht mehr da. Jetzt bin ich in guter Verfassung und habe die Probleme alle hinter mir gelassen. Ich bin gereift – und mittlerweile ein Mann mit Pflichtbewusstsein und Klarheit. Es war ein harter Weg, aber ich bin froh, wieder da zu sein und Darts zu spielen.

Sports Illustrated: Welche Rolle spielt der Kopf beim Darts, um Erfolg zu haben?

Hopp: Der Kopf ist sehr wichtig. Über 50 Prozent spielen sich im Kopf ab. Jeder Mensch kann drei Pfeile werfen – die Frage ist nur, wie präzise man es macht. Wenn man vor vielen Zuschauern auf der Bühne steht, funktioniert das bei manchen Leuten nicht so wie zuhause. Gerade bei den besten Spielern merkt man, dass die letzten Prozente im Kopf entschieden werden. Einen Luke Littler, der gut spielt und im Kopf megastark ist, kann man nur knacken, wenn man ebenfalls top spielt und sich mental zutraut, auch so einen Spieler zu besiegen.

Sports Illustrated: Fühlen Sie sich heute in stärkerer Form als zu Ihren Glanzzeiten? 

Hopp: Vom Feeling her fühle ich mich ganz anders: klarer, fokussierter, energetischer. Ich glaube, dass ich in meiner Prime der bessere Spieler war. Aktuell braucht man aber einen anderen Standard als früher – der Sport wächst, die Leistungsdichte ist extremer. Mit dem Niveau von damals wäre man heute vielleicht ein Top-50-Spieler, nicht mehr Top-25 wie ich es damals war. Man sieht, wo Luke Littler und Luke Humphries die Messlatte setzen.

Max Hopp
Max Hopp
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Sports Illustrated: Wie wichtig ist es, wieder regelmäßig ein paar 100+-Averages zu spielen?

Hopp: Das ist ein schönes Gefühl. Man kommt vom Board und denkt: "Du kannst es ja doch noch." Die Peak-Momente sind zurück. Ich spiele zwar nicht konstant 100, aber ich habe wieder Peaks. Das motiviert mich für die nächsten Turniere.

Sports Illustrated: 2015 waren Sie Junioren-Weltmeister. Wie hat sich der Darts-Sport seit dieser Zeit in Deutschland entwickelt? 

Hopp: Massiv. In Deutschland ist der Darts-Sport in der Breite größer geworden. Es ist ein attraktives, interaktives Spiel für Jung und Alt, ohne große Voraussetzungen. Padel und Darts erleben gerade einen riesigen Aufschwung – und seit Luke Littler hat das Ganze nochmal angezogen.

Sports Illustrated: Ihre letzte Teilnahme an der Darts-WM im Ally Pally war 2021. Wie groß ist die Freude auf den Saisonhöhepunkt und Ihre Rückkehr im Dezember?

Hopp: Mega groß. Ich war zwischendurch Sport1-Experte und bin es in gewisser Form immer noch. Jetzt ist es meine neunte WM – und ich könnte nicht stolzer sein. Eine Rückkehr als Spieler ist etwas ganz Besonderes. Zwischen den Fans im Ally Pally einlaufen, deutsche Flaggen sehen – das ist Gänsehaut pur. Die Energie dort ist unbezahlbar.

Sports Illustrated: Bei der Darts-WM 2026 sind erstmals 128 Teilnehmer am Start. Wie sehen Ihre Ziele für das legendäre Turnier im Ally Pally aus?

Hopp: Ich werde versuchen, von Spiel zu Spiel zu schauen. Die Leistungsdichte bei der Darts-WM ist enorm, alles kann passieren. Ich wäre sogar fein damit, Luke Littler in Runde 1 zu bekommen. Mein Ziel ist es, mich auf mein erstes Spiel zu fokussieren. Ich will mein Potenzial entfalten und es auf die große Bühne transportieren.

Sports Illustrated: Wer ist der große Favorit bei der Darts-WM im Ally Pally – und warum? 

Hopp: Ganz klar Luke Littler. Er ist gerade die Nummer 1 der Welt geworden und hat den Grand Slam gewonnen – gegen Luke Humphries, den zweitbesten Spieler. Aber man muss auch Nathan Aspinall auf dem Zettel haben – der hat zuletzt vier Neun-Darter geworfen. Und Gary Anderson – die erfahrene Garde, die weiß, dass sie nicht mehr zehn Chancen bekommt. Bei einer Million Pfund Preisgeld wirft jeder nochmal alles rein.
 



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