Bald größer als Tennis? Das steckt hinter dem Padel-Boom in Deutschland
- Padel wächst in Deutschland – Bedarf an mehr Plätzen und Infrastruktur steigt
- Nagelsmann- und Kroos-Agentur Sports360 pusht Padel mit „Padel360“ nach vorn
- Neue Talente wie Milla Blaschke und Jonas Trümpler sollen Deutschland zur Padel-Nation machen
Das Vorhaben, Padel in Deutschland so richtig groß zu machen, begann mit einem Match unter Freunden. Fußballtrainer-Legende Friedhelm Funkel schleppte seinen Kumpel Volker Struth, Geschäftsführer der Agentur Sports360, mit der er gemeinsam mit Sascha Breese Weltstars wie Julian Nagelsmann und Toni Kroos berät, auf den Padel-Court-und der war sofort fasziniert. Danach wurde es abseits des Courts ernst: Gemeinsam mit Funkel-Freund Frank de Vries – Ex-Bundestrainer und heutiger Nationalmannschafts-Teamchef – beschloss man, den Padel-Zug in Deutschland so richtig ins Rollen zu bringen.
Denn: Padel ist als Freizeitsport hierzulande zwar angekommen, aber der Weg an die Spitze ist noch weit. „Hier rollt der Zug noch in Schrittgeschwindigkeit aus dem Bahnhof. Wir werden die Geschwindigkeit erhöhen“, sagt de Vries.
Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash, wächst weltweit rasant. In Spanien gibt es inzwischen mehr Padel- als Tennisplätze, in Argentinien ist es Nationalsport. Auch in Deutschland entstehen mehr und mehr Courts. Was früher oft eine mehrstündige Anfahrt bedeutete, liegt heute in Reichweite. „Man kann sagen, dass der Knoten geplatzt ist“, sagt de Vries. Und dennoch: „Es braucht mehr Plätze, wenn wir im Spitzensport angreifen wollen. Mehr Infrastruktur bedeutet mehr Spieler, bedeutet mehr Talente“, sagt er. „Ich glaube, dass wir in den nächsten drei Jahren mehr als 10.000 Courts haben werden – und in zehn Jahren mehr Padel-Plätze als Tennis-Plätze. „Zum Vergleich: Heute gibt es davon deutschlandweit rund 45.000.

Mit der von Struths Agentur gegründeten „Padel360“ ist nun ein Player eingestiegen, der den Sport systematisch pushen will – finanziell, organisatorisch, medial. „Es braucht mehr Kohle – und zwar auf allen Ebenen“, sagt de Vries. „Der Verband hatte bisher nicht die Ressourcen, das enorme Wachstum zu begleiten. Das ändern wir, indem wir als offizielle Partner des DPV die Rechte vermarkten, Sponsoren an Bord holen und die Strukturen schaffen, die es braucht.“ So soll mit „One Padel“ aus der 360-Feder die erste zentrale Onlineplattform für alle relevanten Padel-Infos entstehen.
Dass dem Sport hierzulande außerdem Gesichter fehlen, ist dem deutschen Teamchef bewusst. Er fordert deshalb: „Wir brauchen Idole! Das Niveau in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren verbessert, dennoch sind wir von der Weltspitze noch ein gutes Stück weit entfernt." Aktuell befindet sich kein Deutscher unter den Top 100 der Weltrangliste, bei den Frauen liegt Victoria Kurz als Bestplatzierte auf Rang 92.
Doch die nächste Generation steht in den Startlöchern. Milla Blaschke, 18, gilt als Ausnahmetalent. Bereits mit 14 Jahren stand sie im Blickfeld der Nationalmannschaft, ein Jahr später fuhr sie zu ihrer ersten WM. Oder Agustin Reca, 21, Sohn einer argentinischen Padel-Legende, der in Madrid lebt und trainiert. Er erzählt: „Ich weiß, dass ich mein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft habe. Mein Ziel ist es, unter die Top 100 zu kommen – als erster deutscher Mann überhaupt.“

Und dann ist da noch Jonas Trümpler,16 Jahre alt, größte Nachwuchshoffnung des Landes. „Ich möchte die Nummer 1 in Deutschland werden“, sagt er selbstbewusst. Vor drei Jahren noch Balljunge beim Premier-Padel-Turnier, wo er die Stars des Sports bewunderte, spielt er heute selbst mit den Profis. Für seinen Traum trainiert er sechsmal die Woche – und zieht bald nach Mallorca, um an der „Asnimo Academy“ zu trainieren. „Ich möchte noch besser werden, und das geht in Spanien am besten“, sagt er.
Damit sich das ändert und Deutschland seine Stars selbst ausbilden kann, darf es nicht bei besserer Infrastruktur allein bleiben: „Wir müssen eine sinnvolle Jugendförderung aufbauen, die steckt aktuell noch in den Kinderschuhen. Dazu brauchen wir gute Trainer. Am besten wäre es, wenn Padel Schulsport würde“, fordert de Vries. Nur so könne man Talente von klein auf entwickeln – ohne den Umweg über Tennis. „Es darf nicht mehr sein, dass jemand beim Wort ,Padel' an Wassersport denkt.“ 2032 soll der Sport erstmals ins olympische Programm aufgenommen werden.

Auch die deutschen Ziele sind groß: „Erst die Europameisterschaft 2027 nach Deutschland holen, dann eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen, die 2032 bei Olympia um Medaillen spielt“, sagt de Vries. Verrückt? Vielleicht. Ambitioniert? Ganz sicher. Und dennoch: Nach Gesprächen der neuen Padel-Macher mit dem Weltverband FIP gilt die deutsche EM-Bewerbung als aussichtsreich.
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