Zwischen Weißbier und Kamillentee: So ernährt sich Thomas Müller
- Thomas Müller: So ernährt sich der ehemalige FC-Bayern-Star
- Bayern-Legende Müller setzt auf Balance zwischen Genuss und Gesundheit
- Thomas Müller verrät sein Lieblingsrezept
Auf einmal hat er den Nachtisch als Vorspeise gegessen. Ich kann mich noch erinnern, als ich in der Mannschaft zum ersten Mal die Ernährung von Robert Lewandowski wahrgenommen habe. Schon vor knapp zehn Jahren schaufelte sich Lewy, mit dem ich seit 2014 beim FC Bayern zusammenspielte, Superfoods wie Buchweizen auf den Teller – heute im Trend, damals völlig fremd.
Da habe ich gemerkt: Er macht sich Gedanken über das Thema. Ich hatte das bis zu diesem Punkt eher weniger getan. Da ich ein guter Stoffwechsler bin, war lange meine Devise: Wenn’s schmeckt, dann isst man so viel, wie man eben mag. Ich kannte das nicht anders und war mit der klassischen bayerischen Küche, die sehr fleisch- und fettlastig ist, aufgewachsen.
Thomas Müller: Robert Lewandowski als Vorbild für Ernährung
Nach der Episode mit Robert begann ich, mich aktiver mit Ernährung auseinanderzusetzen, und fragte mich: Was braucht mein Körper eigentlich? Was macht die Nahrung mit mir, was gibt sie meinem Körper? Ich stellte fest, dass dieses Bewusstsein in unserer Gesellschaft damals noch nicht wirklich verbreitet war.
Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, haben wir über Generationen hinweg erlernt – und tun sie oft, ohne dass wir uns wirklich Gedanken darüber machen. Vor allem bei der Ernährung. Zum Beispiel das Feierabendbier. Ich bin mir sicher: Hätten unsere Vorfahren am Abend alle Kamillentee getrunken, würden wir heute nach der Arbeit auch mit Teetassen in der Hand dasitzen.

Umso schwieriger ist es auch, die Menschen von etwas Neuem zu überzeugen – wenn zum Beispiel etwas exotischere Gewürze oder Nahrungsmittel ins Spiel kommen, die anders als das bekannte Schnitzel schmecken. Oder auch pflanzliche Produkte. Ich selbst arbeite mit dem Food-Start-up Greenforce zusammen und kann sagen: Vegane Alternativen sind geschmacklich längst auf Augenhöhe.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich will keine Gerichte und Ernährungsstile verteufeln oder den einen Königsweg anpreisen. Denn man lebt nicht automatisch länger, nur weil man mal einen gemischten Salat gegessen hat. Und der Burger ist vielleicht nicht optimal für mein Herz-Kreislauf-System, dafür gibt er mir in dem Moment aber ein angenehmes Gefühl, weil er wunderbar schmeckt.
Ex-Bayern-Star Müller: "Ich will keine Gerichte verteufeln"
Ernährung ist sowieso ein sensibles Thema: Der eine nimmt es als Kritik an seinem Lebensmodell wahr, wenn er davon hört, während der andere vielleicht zu schnell mit seinen Ratgebern ist und dann dafür eine auf den Deckel bekommt. Ich bin grundsätzlich kein Freund von Extremen. Denn: Was ist letztlich gesund? Was für Person A das Superfood schlechthin ist, verträgt Person B gar nicht. Was der eine mag, schmeckt dem anderen nicht.
Deswegen würde es mich freuen, wenn sich jeder eine Informationsgrundlage schafft – und dann für sich entscheidet: Was brauchen ich und mein Körper? Was mag ich, was nicht? Wie möchte ich mich ernähren? Und: Was erwarte ich von meinem Körper?
Beim Thema Leistung ist Ernährung für mich als Sportler zunächst ein Werkzeug. Ein klassischer Champions-League-Spieltag ging für mich am Morgen mit einer Eierspeise als Proteinquelle und einem Müsli aus Saaten, Nüssen und einem Schuss Leinöl los. Schmeckt zwar auch, ist aber kein Gaumenschmaus wie ein Croissant mit Marmelade. Aber an einem Spieltag habe ich eine bestimmte Erwartung an meinen Körper – und ernähre mich dementsprechend.
Müller isst 500 Gramm Gemüse am Tag
Mittags gibt es bei den meisten Vereinen ein großes Buffet. Ich versuche dabei, alle wichtigen Nährstoffe unterzubringen: Als Kohlenhydrate setze ich auf Kartoffeln oder Reis, als Proteinquelle am liebsten auf Fisch oder eine pflanzliche Alternative. Ganz wichtig: große Gemüseportionen. Das Ziel sind knapp 500 Gramm Gemüse am Tag. Zwei bis drei Stunden vor dem Spiel gibt’s das Pre-Match-Meal, bei dem Kohlenhydrate getankt werden. Mein Klassiker: Reis mit Tomatensoße, Brokkoli, einer Proteinquelle, Pinienkernen und Walnüssen. Ganz wichtig, egal in welchem Gericht: ein Schluck Olivenöl als Energiequelle.
Nach dem Spiel wird’s lockerer, da sind Dinge wie Pizza und Burger erlaubt – oder gerne mal ein Döner. Als Profifußballer sind wir natürlich privilegiert. Wer hat schon das Glück, zweimal pro Tag auf ein riesiges Buffet zurückzugreifen und sich nicht darum kümmern zu müssen? Für viele kann eine passende Ernährung schnell zur Herausforderung werden. Vor allem dann, wenn man nicht alle Nährstoffe in den Gerichten unterbekommt.

Ich setze deswegen zusätzlich auf Supplemente wie Vitamin C und D und Omega-3-Fettsäuren. Außerdem ein Tipp: Ich schnappe mir oft ein Glas lauwarmes Wasser, presse eine Zitrone rein, dazu je einen Löffel Flohsamenschalen und Leinsamen und etwas Leinöl. Schmeckt nicht jedem, klingt aber schlimmer, als es ist – und mit zwei Schlucken hat man seinem Körper ganz einfach viele Ballaststoffe zugeführt.
Thomas Müller nutzt Essen als Werkzeug
So sieht für mich die klassische Ernährung im Sinne des Sportlerdaseins aus: Essen als Werkzeug. Darüber hinaus ist es für mich aber viel mehr: Genuss, Kultur und Kommunikation. Natürlich habe ich Tage, an denen ich mich bewusst dafür entscheide, zu genießen und nicht darauf zu achten, wie viel Rotwein und Zucker in der Soße sind. Weißwürste, Senf, Breze und Weißbier: Jeder weiß, dass da nicht viel Brauchbares für den Körper drin ist – und trotzdem ist die Kombination pures Gold. Das ist Heimat, ein Lebensgefühl. Und das ist genauso wichtig wie Vitamine.
Manchmal gönne ich mir auch ein Bier. Nicht nur wegen des Geschmacks. Vielmehr steht ein Bier in unserer Gesellschaft für Loslassen, für Gaudi, für den Feierabend, für ein Gefühl von: „Das ist mir jetzt wurscht.“ Ich will nicht Alkohol glorifizieren, sondern ermutigen: Die perfekte Ernährung gibt es nicht.
Nicht jeder muss sich den Geburtstagskuchen als Vorspeise reinhauen, sein Bier gegen Kamillentee austauschen oder sich drei Säcke Chiasamen zum Frühstück reinschaufeln. Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder etwas mehr Bescheid wüsste. Dann kann man selbstbestimmter entscheiden und eine Balance finden – zwischen dem, was der Körper braucht, und dem, was die Seele will. Denn genau darum geht’s.

Thomas Müller: Lieblingsgericht – Pasta mit Schinkensahne-Soße
Für 2 Portionen
Dauer: ca. 20 Min.
Pro Portion: ca. 600 kcal
Zutaten
- 200 g Nudeln (z. B. Fusilli)
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- 2 EL Margarine
- 1 Packung „Greenforce Pflanzliche Kochschinken Art“
- 2 EL Mehl
- 250 ml Gemüsebrühe
- 150 ml vegane Sahne
- Salz, Pfeffer & Muskat zum Würzen
- Etwas frische gehackte Petersilie
- Ein paar gehackte Pistazien zum Toppen
Zubereitung
Nudeln nach Packungsangabe kochen. Währenddessen Zwiebel und Knoblauch fein hacken. Margarine in einer Pfanne erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin anbraten. Kochschinken in kleine Quadrate schneiden, zur Pfanne geben und kurz mitbraten. Mehl hinzufügen und leicht bräunen lassen. Mit Gemüsebrühe und Sahne ablöschen, etwas köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Gehackte Petersilie untermischen. Nudeln zur Soße geben, gut vermengen. In Schalen servieren und mit gehackten Pistazien toppen.
Guten Appetit!
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