Fußball

Kommentar zu Ronaldo und Trump: Ist das noch Fußball – oder schon Politik?

Der Besuch von Fußballstar Cristiano Ronaldo bei US-Präsident Donald Trump schlägt immer größere Wellen. Mittlerweile scheint deshalb für den Portugiesen sogar das Regelwerk der FIFA ausgetrickst zu werden. Ein Kommentar.

Cristiano Ronaldo und US-Präsident Donald Trump
Credit: Imago
 

Dass Cristiano Ronaldo mehr ist als ein ganz normaler Fußballer – geschenkt. Und doch wirft die neueste Episode um den portugiesischen Superstar, der mittlerweile für Al-Nassr in Saudi-Arabien kickt, ein merkwürdiges Licht auf den extravaganten Spieler, die FIFA und nicht zuletzt die Weltpolitik.

Was war passiert? Ronaldo war bei der 0:2-Niederlage gegen Irland in der WM-Qualifikation 2026 für die USA, Mexiko und Kanada vom Platz geflogen. Sein Ellenbogenschlag gegen einen irischen Verteidiger wurde vom VAR nachträglich mit Rot geahndet. Eigentlich eine ganz klare Sache – und eine, die keinen Verhandlungsspielraum zulässt. Außer im Falle von Cristiano Ronaldo, für den es übrigens der erste Platzverweis in seiner Länderspiel-Karriere war.

Denn die laut Regelwerk drei Spiele dauernde Sperre hätte bedeutet, dass Ronaldo den WM-Auftakt mit Portugal verpasst hätte. Nachdem er bereits ein Spiel zuschauen musste (beim sportlich zu vernachlässigenden 9:1 gegen Armenien), setzte die FIFA die restliche Strafe – also zwei Spiele Sperre – zur Bewährung aus. Begründung: keine. Rechtlich ist das einwandfrei, denn ein Passus, Sperren vollständig oder teilweise auszusetzen, existiert in den Regularien des Weltverbandes. Und doch fragt man sich: Wäre diese Regel auch angewendet worden, hätte es nicht Ronaldo getroffen? Eher nicht.

Und spätestens hier wird es politisch. Denn Ronaldo ist eben mehr als ein Fußballer. Er ist längst auch PR-Botschafter für Saudi-Arabien, das sich gerade um die Austragung der Fußball-WM 2034 bewirbt. Was wiederum zur Folge hatte, dass der 40-Jährige vergangene Woche zusammen mit dem nicht gerade menschenrechtsfreundlichen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump war.

Mit am Dinner-Tisch: Trump-Intimus und FIFA-Boss Gianni Infantino – also der oberste Regelhüter des Weltfußballs. Dass die Ronaldo-Begnadigung ausgerechnet jetzt erfolgt, ist wahrscheinlich Zufall. Allerdings ein Zufall mit System, an dessen Ende ein Ziel steht: Gewinnmaximierung. Eine WM mit Ronaldo lässt sich nun einmal besser verkaufen als eine ohne. Dass man dafür ein bisschen die Regeln biegt, ist im FIFA-Kosmos nicht mehr als ein Kollateralschaden.



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