Fußball

Das unrühmliche Ende von Solskjaer bei Manchester United

Ole Gunnar Solskjaer wird bei Manchester United immer eine Vereinsikone bleiben. Seine Amtszeit als Trainer der "Red Devils" beginnt mit einem Höhenflug - endet aber in Tristesse. Daran trägt nicht er selbst die Hauptschuld, sondern ein Vorstand, der erneut sein fehlendes fußballerisches Know-how unter Beweis stellt.  

Solskjaer nach der Watford-Pleite
Am Ende überwog das Gefühl der Resignation. Manche Amtszeiten enden mit Verbitterung, andere mit Wut und Schuldzuweisungen. Die von Ole Gunnar Solskjaer bei Manchester United endet in Traurigkeit. Nach der 1:4-Niederlage von Manchester United in Watford gab Solskjaer zu, dass seine Mannschaft “unterlegen war”, dass sie mental nicht auf das Spiel vorbereitet war, dass “es uns peinlich ist, so zu verlieren”, aber er blieb relativ trotzig, bis zur letzten Frage. Als ein Reporter fragte: “Wie schlecht fühlen Sie sich gerade?” stieß er einen großen Seufzer aus, und in diesem Moment sah er aus wie ein gebrochener Mann. “Sehr,” antwortete er schließlich.

Er war gerade von einem Teil der eigenen Anhänger ausgebuht worden, die ihn bis dahin unterstützt hatten. Sein Tor in der Nachspielzeit im Champions-League-Finale 1999 wird viele Demütigungen entschuldigen, aber nicht diese. Von einer Mannschaft geschlagen zu werden, die auf dem viertletzten Platz der Tabelle steht und sich scheinbar steil im Sinkflug befand, war eine Schande zu viel.

Manchester United: Solskjaers Ende zeichnete sich ab

United hat aus den letzten sieben Ligaspielen vier Punkte geholt. In Leicester und Watford kassierten die "Red Devils" vier Tore. Zuhause gegen Liverpool unterlag man mit 0:5 und gegen Manchester City setzte es eine der demütigendsten und einseitigsten 0:2-Niederlagen, die man sich vorstellen kann. Den Spielern unterlaufen immer wieder haarsträubende individuelle Fehler. Gegen Watford war es Harry Maguire, der nach einem technischen Fehler den Ball herschenkte, dann ungestüm in den Zweikampf stürzte und eine Gelb-Rote Karte kassierte, die ein mögliches Comeback verhinderte. Dies ist eine Mannschaft ohne Selbstvertrauen und Glauben, und das liegt letztlich an der fehlenden Struktur.

Solskjaer war der perfekte Interimstrainer, als José Mourinho vor drei Jahren ging. Mourinho hinterließ ein vergiftetes Erbe, und Solskjaer, eine Vereinslegende und ein empathischer Mensch, war der perfekte Mann, um damit aufzuräumen. Er war dabei bemerkenswert erfolgreich, was den Vorstand von United dazu verleitete, ihm den Job als Cheftrainer zu geben. Die Vereinsführung stellte damit ihren  bekannten Mangel an fußballerischem Urteilsvermögen unter Beweis. Es gab durchaus Lichtblicke in Oles Amtszeit. Er schaffte den Einzug ins Finale der Europa League. Es gab eine etwas verwirrende Serie von Siegen gegen ManCity.

Ole startete bei United vielversprechend

Es gab eine Serie von 29 ungeschlagenen Auswärtsspielen in der Liga, die erst im Oktober gegen Leicester endete. Aber bis zum Beginn dieser Saison gab es ein immer wiederkehrendes Problem: United war nicht in der Lage, Mannschaften, die tief standen, zu knacken. Manchmal gelang es, Tore zu schießen, aber zu oft zerschellte Manchester an Mannschaften wie West Brom und Sheffield United und, vielleicht am aufschlussreichsten, an Villarreal im Finale der Europa League.

Diese Fähigkeit, einen kohärenten Angriff aufzubauen, anstatt sich einfach auf großartige Spieler zu verlassen, die improvisieren können, ist es, was im modernen Fußball die besten Trainer wie Pep Guardiola, Thomas Tuchel und Jürgen Klopp vom Rest unterscheidet. Das war der Hauptgrund, warum viele das Gefühl hatten, dass Solskjaer nicht für den Job bei United geeignet war.

Das alles wurde in dieser Saison durch die Ankunft von Cristiano Ronaldo erschwert. Ein verzweifelter und fehlgeleiteter Schritt eines Vorstands, der der Nostalgie verfallen ist. Und der Vorstellung, dass United in erster Linie ein Marketingprodukt, statt ein Fußballverein sei. Ehemalige Spieler und sogar Sir Alex Ferguson bestanden darauf, dass es undenkbar sei, dass Ronaldo zu ManCity gehen könnte.

Cristiano Ronaldo ist Teil des Problems in Manchester

United hat einen Spieler, der eimerweise späte Tore schießt - was nicht zuletzt die Champions-League-Saison gerettet hat - aber dessen mangelndes Pressing die gesamte Mannschaft aus dem Gleichgewicht bringt und enormen Druck auf das defensive Mittelfeld ausübt, den Bereich, in dem United am schwächsten ist. Ronaldo hat immer noch seine Fans, aber er macht Mannschaften unberechenbar: in den letzten dreieinhalb Jahren hat er Zinedine Zidane, Massimiliano Allegri, Maurizio Sarri, Andrea Pirlo und Solskjaer verschlissen.

In einer Mannschaft, der es ohnehin an einer offensiven Identität mangelt, die defensive Struktur zu gefährden, hatte vorhersehbare Konsequenzen. Die Leistungen von United waren in dieser Saison so schlecht wie seit dem Abstieg in der Saison 1973-74 nicht mehr. Der letzte Manager vor Solskjaer, der so lange blieb und nichts gewann, war Dave Sexton, der 1981 entlassen wurde.

ManUnited: Der Vorstand verpasste Tuchel und Co.

Und das ist eine Armutszeugnis für einen Vorstand, der zunehmend von Trägheit geprägt ist. Durch seine Untätigkeit hat er die Chance auf Mauricio Pochettino, Tuchel und Antonio Conte verpasst. Hätte man vor drei Wochen gehandelt, könnte Letzterer jetzt im Old Trafford statt bei Tottenham sein. Vereinzelte Berichte über Uniteds Interesse an Zidane, Pochettino, Brenden Rodgers und Erik ten Hag machen deutlich, was sich schon seit Wochen abzeichnete, als Solskjaer wankte und von Spiel zu Spiel beurteilt wurde, wobei jedes Match wie ein Schicksalsspiel wirkte: Es gibt - und gab - keinen langfristigen Plan. Uniteds bedauerndes Statement zu Solskjaers Entlassung las sich wie das eines Klubs, der ihn unbedingt als Lösung sehen wollte und nun wieder auf der Suche nach einer anderen ist.

United, das Michael Carrick als Interimstrainer eingesetzt hat, während es nach einem weiteren Interimstrainer für die Saison und einer langfristigen Lösung sucht, steht nun vor einer schwierigen Aufgabe. Es ist ein wohlhabender Verein mit einer großen Fangemeinde und hohen Erwartungen. Aber es war schon immer schwierig, den Verein zu führen - nur drei Trainer haben dort jemals die Liga gewonnen. Und dieser Kader, der trotz der Investitionen, unausgeglichen und schwerfällig ist, in Kombination mit einem Vorstand, der von einer selbst verursachten Krise in die nächste stolpert, diktiert, dass ein massiver Neuaufbau nötig ist.