2. Bundesliga

Felix Kroos vor Zweitliga-Rückrunde: "FC Schalke 04 steigt nicht auf"

Ex-Fußballprofi und RTL-Experte Felix Kroos spricht im Sports-Illustrated-Interview über den Rückrundenauftakt in der 2. Bundesliga. "Schalke hat etwas überperformt. Ich bin sehr skeptisch und sage, sie steigen nicht auf", so Kroos.

Felix Kroos: "Schalke steigt nicht auf"
Credit: Imago / RTL
 

Sports Illustrated: Die 2. Bundesliga startet mit dem Kracher Hertha BSC gegen Schalke in die Rückrunde. Können die Berliner dem Tabellenführer gefährlich werden?

Felix Kroos: Definitiv. Ich glaube, dass Hertha in der Hinrunde eine gute Entwicklung genommen hat. Sie haben eine gewisse Konstanz reinbekommen, auch wenn es zwischendurch Rückschläge gab. Aber sie haben gezeigt, dass sie die Qualität haben, solche Spiele für sich zu entscheiden. Ich glaube, dass sie dieses Spiel auch als große Chance begreifen – um oben dabei zu sein und sich Selbstvertrauen für die Rückrunde zu holen. Hertha hat klar das Ziel, aufzusteigen, und will das auch erfüllen. In so einem Spiel kann man unglaublich viel mitnehmen – nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Gefühl, wenn man den Tabellenführer schlägt. Deswegen haben sie alle Chancen.

Sports Illustrated: Schalke scheint auf dem besten Weg zurück in die Bundesliga zu sein. Was macht Schalke anders als in den vergangenen Jahren? Warum läuft es in dieser Saison?

Kroos: Es spielen viele Faktoren eine Rolle. Aber der auffälligste ist mit Miron Muslić natürlich der Trainer. Er hat eine klare Struktur und eine Mentalität reingebracht, die einfach zu Schalke passt – und die sie lange verloren hatten. Diese Grundtugenden sind wieder da. Diese Tugenden passen nicht nur zu Schalke, sondern auch zur 2. Liga. Die brauchst du, um hier zu bestehen und erfolgreich zu sein. Dazu kommt ein Quäntchen Glück: Spiele werden spät gewonnen oder es gibt einen Punkt in letzter Minute. Das stärkt den Glauben.

Sports Illustrated: Steigt der FC Schalke 04 diese Saison auf?

Kroos: Schalke hat ein Umfeld, das eigentlich Bundesliga ist – das hat eine enorme Power. Und diese Power haben sie wieder zum Leben erweckt. Das Zusammenspiel aus Mannschaft, Trainer und Fans funktioniert. Trotzdem sage ich: Auch wenn ich Schalke gern wieder in der Bundesliga sehen möchte, haben sie punktetechnisch etwas überperformt. Ich bin sehr skeptisch und sage, sie steigen nicht auf. 

FC Schalke 04
FC Schalke 04
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Sports Illustrated: Hertha BSC wurde vor der Saison ebenfalls als Aufstiegskandidat gehandelt. Wie wichtig ist für die Berliner die Rückkehr in die Bundesliga – vor allem aus finanzieller Sicht?

Kroos: Das ist ein riesiges Thema. Ich finde, dass Hertha in die Bundesliga gehört. Wenn man sieht, wer alles in der 2. Liga spielt, gehört Hertha definitiv dazu. Die Stadt Berlin gehört in die Bundesliga. Ich lebe hier – und aus persönlichen Gründen sage ich: Die Stadt kann auch ein Derby vertragen. Hertha hat diesen Anspruch vor der Saison klar formuliert, und das finde ich gut. Natürlich setzt man sich damit unter Druck. Aber ich glaube, sie haben verstanden, den Weg der kleinen Schritte zu gehen. Was ihnen in den vergangenen Jahren immer gefehlt hat, war Konstanz. Da haben sie jetzt einen richtigen Schritt gemacht. Das müssen sie in der Rückrunde bestätigen. Sie haben den Kader und die individuelle Qualität. 

Sports Illustrated: Hinter Schalke und Elversberg gibt es einen heißen Kampf um die vorderen Positionen. Darmstadt, Paderborn und Hannover – welches dieser Teams hat die besten Chancen ganz oben anzugreifen und warum? 

Kroos: Wenn ich die Art und Weise sehe, wie diese Mannschaften spielen, gefällt mir Hannover am besten. Ihre Spielweise, ihre Dominanz – das ist sehr überzeugend. Hannover fehlt bislang noch die letzte Effektivität, vor allem bei den Heimspielen. Wenn sie das hinbekommen und zu Hause konstanter punkten, sind sie für mich der heißeste Kandidat. Christian Titz steht für eine klare Spielweise, und die wird er nicht ändern. Ich hatte Hannover auch vor der Saison schon auf dem Zettel. Auch Darmstadt hat sich oben festgesetzt. Sie haben einen guten Trainer mit klarer Handschrift – das ist auf dem Platz sichtbar. Für mich sind Hannover und Darmstadt – neben Hertha, wenn sie ihre Konstanz bestätigen – die Teams, die am Ende die ersten drei Plätze unter sich ausmachen können. Ich sehe nicht, dass Schalke und Elversberg dauerhaft vorneweg marschieren.

Sports Illustrated: Mit dem 1. FC Kaiserslautern ist ebenfalls immer zu rechnen. Hat der FCK das Potenzial, eine Rolle im Aufstiegsrennen zu spielen?

Kroos: Ehrlicherweise sehe ich das nicht. Der 1. FC Kaiserslautern hat immer wieder gute Spiele und gute Spieler. Aber mir fehlt der Glaube, dass sie konstant genug punkten, um oben dranzubleiben. Die Leistungen sind zu schwankend. Es gibt Ausreißer nach oben, aber auch nach unten. Deshalb sehe ich Kaiserslautern nicht unter den Top fünf.

Sports Illustrated: Schauen wir ans Tabellenende. Dynamo Dresden kämpft ums Überleben in der 2. Liga. Kann Sportdirektor Sören Gonther das Ruder mit seinen Neuverpflichtungen nochmal rumreißen?

Kroos: Zunächst einmal mussten sie reagieren – personell. Das haben sie getan. So etwas kann innerhalb einer Mannschaft etwas auslösen: Man bekommt das Gefühl, dass Qualität dazukommt, dass man wieder glauben kann. Trotzdem wissen wir, wie schwierig es ist, Spieler im Winter zu integrieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber es war unausweichlich, dass Dynamo reagieren musste. Das kann den Glauben im Verein und in der Mannschaft stärken. Ich bin auch ein Fan davon, am Trainer festzuhalten, wie sie es jetzt machen. Ich glaube, dass die Qualität im Kader zuvor einfach nicht ausgereicht hat. Am Ende hängt alles davon ab, wie schnell die Neuzugänge ankommen und Leistung bringen. Wenn das funktioniert, können sie es schaffen.

Dynamo Dresden
Dynamo Dresden
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Sports Illustrated: Dynamo Dresden ist ein schlafender Riese. Warum schafft es der Verein nicht, sich in der 2. Liga dauerhaft zu etablieren und die Bundesliga aufzusteigen?

Kroos: Das Thema Bundesliga ist aktuell sehr weit weg, das müssen wir gar nicht aufmachen. Aber das Hauptproblem ist die fehlende Kontinuität – auf verschiedenen Ebenen im Verein. Man hat das Gefühl: Für die 3. Liga sind sie zu gut, für die 2. Liga fehlt die Stabilität, um sich dauerhaft zu etablieren. Diese Kontinuität ist entscheidend – und genau die fehlt bislang.

Sports Illustrated: Mit Magdeburg, Düsseldorf und Fürth kämpfen weitere Teams gegen den Abstieg. Welche dieser Mannschaften ist für die Rückrunde am besten gerüstet?

Kroos: Von der Tendenz her ganz klar Magdeburg. Sie haben sich bereits ein Stück herausgekämpft. Nach dem Trainerwechsel waren sie schon weit abgeschlagen. Die Art und Weise, wie sie spielen – fußballerisch, aber auch emotional – ist sehr überzeugend. Ich war beim Heimspiel gegen Nürnberg vor Ort. Wenn man das erlebt, denkt man: Diese Mannschaft gehört eigentlich nicht da unten hin. Sie haben inzwischen auch angefangen, Tore zu schießen. Das war in den ersten zehn, elf Spielen das große Manko. Wenn sie diesen Weg weitergehen, können sie es sogar souverän schaffen. Mehr Sorgen mache ich mir um Mannschaften wie Fürth oder Düsseldorf. Die sind es nicht gewohnt, unten zu stehen. Und wenn man erst einmal in dieser Situation ist, ist es schwer, den Hebel umzulegen. Gerade Düsseldorf ist nicht auf Abstiegskampf in der 2. Liga ausgerichtet. Für diese Teams ist ein guter Start in die Rückrunde sehr wichtig. Insgesamt wird es für Fürth, Düsseldorf und Dresden eine sehr harte und lange Saison.

Sports Illustrated: Sie sind seit 2023 als Fußballexperte für RTL tätig. Wie viel Spaß macht Ihnen dieser Job und wie hat sich Ihre Sicht auf den Fußball verändert?

Kroos: Es macht sehr viel Spaß. Wenn man das über eine längere Zeit macht, ist es nicht mehr nur ein Nebenjob. Ich mache das mit 100 Prozent. Beruflich ist das mein Hauptfokus. Mit RTL habe ich einen Sender, der mich entwickeln lässt, mir Chancen gibt und mir vertraut. Dieses Zusammenspiel – als Team zu arbeiten und sich gemeinsam zu entwickeln – mochte ich schon als Spieler. Ich habe einen neuen Blick auf die Medienseite bekommen und ein positives Verständnis dafür entwickelt. Von außen sieht vieles leicht aus. Aber was dahintersteckt, ist unglaublich viel Arbeit und Talent. Das schätze ich sehr.

Sports Illustrated: Wie interpretieren Sie Ihre Arbeit als Experte?

Kroos: Meine Rolle als Experte sehe ich darin, das Geschehen auf dem Platz aus Spielersicht zu erklären: Was empfindet ein Spieler in dieser Situation Warum handelt er so? Und wie kann ich das so vermitteln, dass der Zuschauer es versteht? Ich mache das auf meine Art. Das ist Geschmackssache – die einen mögen es, die anderen nicht. Das ist mir lieber, als wenn es allen nur „ganz nett“ erscheint. Wichtig ist: Ich habe großen Spaß daran. Das ist definitiv etwas, das ich mir auch für die Zukunft sehr gut vorstellen kann.

Sports Illustrated: Gibt’s auch mal ein Lob von Bruder Toni Kroos, wenn sie als RTL-Experte etwas besonders gut gemacht haben? 

Kroos: Die Länderspiele oder großen Events, die auch bei RTL laufen, schaut er sich regelmäßig an. Wir sind Norddeutsche: Wenn er nichts sagt, ist es gut. Nichts sagen ist das größte Lob. Insofern: Alles gut.



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