1. Bundesliga

VfB-Talent Noah Darvich im Portrait: Der Mann mit den vielen Talenten

Nach einem zweijährigen Ausflug zum FC Barcelona will U17-Weltmeister Noah Darvich nun beim VfB Stuttgart den Durchbruch schaffen – und zeigen, warum er als eines der größten Fußballversprechen Deutschlands gilt.

Noah Darvich
Credit: PR

Dass Noah Darvich mehr als nur ein Talent besitzt, wird beim Videocall schnell offensichtlich. Hinter dem Fußballer hängt nämlich eine Akustikgitarre an der Wand. Welche Dinge – neben dem Fußball natürlich – in seinem Leben wichtig sind? Unter anderem die Musik, vor allem aber seine Familie, einer der Gründe für seine Rückkehr vom FC Barcelona in seine Heimat.

Der 2006 in Freiburg geborene Offensivmann des VfB Stuttgart wuchs in einem fußballverrückten Umfeld auf. „Mein Papa hat selbst gespielt, war Trainer in der Region –und meine Mama schaut sich meistens alle Spiele von mir an“, sagt Darvich. Spätestens seit er die deutsche U17-Nationalmannschaft 2023 als Kapitän zum EM- und WM-Titel führte, gehört der 19 Jahre alte Spielmacher zu den großen Fußballversprechen in Deutschland.

Nach den beiden Triumphen 2023 wagte er den Wechsel von seinem Heimatverein SC Freiburg in die legendäre Jugendakademie La Masia des FC Barcelona. Doch angesichts der starken Konkurrenz mit Talenten wie den heutigen Barcelona-Topstars Lamine Yamal, Pedri oder Gavi blieb ihm der Sprung zu den Profis verwehrt; in seinen beiden Jahren bei den Katalanen spielte Darvich lediglich in der zweiten Mannschaft in Liga drei. „Trotzdem hat sich der Wechsel damals richtig angefühlt. Man muss immer das Bestmögliche anstreben, und ich glaube, im Fußball gibt es nicht viele größere Vereine als den FC Barcelona“, sagt er.

Diesen Sommer holte ihn der VfB Stuttgart für knapp eine Million Euro aus Spanien zurück, sein Vertrag läuft bis 2029. Laut VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth zählt Darvich in seinem Altersbereich zu den „absoluten Top-Talenten“. Aber all die Lorbeeren nützen nichts, wenn der Linksfuß sein vorhandenes Entwicklungspotenzial nicht weiter nutzt. Die spielerischen Voraussetzungen bringt er sowieso mit; Technik und Ballbehandlung sind hervorragend. Hinzu kommen Spielintelligenz, Kreativität und Offensivdrang. Als Zehner ist er flexibel einsetzbar und kann auch auf der Außenbahn spielen. An seiner Physis sowie am Kopfballspiel muss er noch arbeiten.

Sein großes Vorbild – man wundert sich angesichts der Barcelona-Vergangenheit kaum –ist Lionel Messi. „Ich habe mich stets mit ihm verbunden gefühlt. Er war jemand, der ein Spiel allein verändern kann. Seine Mentalität war einzigartig, auch wenn er ein ruhigerer Spieler war – so wie ich.“ Darvich ist ein eher leiser, aber bestimmter Taktgeber, der den Spielrhythmus seiner Mannschaft vorgibt. „Ich erkenne viele Situationen im Voraus“, sagt Darvich, dem ein hoher Fußball-IQ zugeschrieben wird.

Als Kapitän der U17 wurde Darvich 2023 Welt- und Europameister
Credit: Getty Image
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Die Grundlagen für sein Können wurden in der Freiburger Schule gelegt, einen großen Einfluss auf ihn hatte sein damaliger Coach Thomas Stamm, der heute Zweitligist Dynamo Dresden trainiert. Darvich sagt: „In schwierigen Phasen hat er mehr an mich geglaubt als ich selbst. Ich habe mir dann gesagt: Wenn er an mich glaubt, kann ich das auch.“ Der Lohn ließ nicht lange auf sich warten: 2023 bekam er die Fritz-Walter-Medaille – die höchste Anerkennung für junge Talente in Deutschland – in Silber verliehen. „Diese Auszeichnung war eine Bestätigung für meine Leistungen und all die Jahre, die ich geopfert habe.“ Nun soll ihm in Stuttgart das gelingen, was ihm in Barcelona verwehrt blieb: der Sprung zu den Profis. 

Den Schritt nach Spanien bereut er trotzdem zu keiner Sekunde: „Für mein Alter habe ich schon einiges erreicht“, sagt Darvich. „Die Zeit in Barcelona kann mir keiner nehmen.“ Trotz großen Heimwehs nahm er viel mit aus dieser Zeit – kein Wunder bei Trainingspartnern wie dem ehemaligen Bayern-Stürmer Robert Lewandowski.
Jetzt ist Darvich wieder ganz in der Nähe seiner Familie, nur zwei Autostunden von Freiburg entfernt. „Ich bin sehr nah an meiner Familie dran. Da bin ich viel ruhiger und ausgeglichener. Das gibt mir viel Kraft.“ Wenn sein Vater und seine Mutter im Stadion sind, schaut Darvich beim Aufwärmen stets zuerst, wo seine Eltern auf der Tribüne sitzen.

Wenn er nicht auf dem Platz steht, spielt Darvich gern Scrabble – oder greift eben zur Gitarre. Viele Stücke beherrscht er auswendig, ganz ohne Noten. „Meistens spiele ich ein- bis zweimal pro Woche“, sagt Darvich, der besonders spanische Popmusik liebt. Die Sprache spricht er, neben Englisch und Französisch, inzwischen fließend. An der Sprache wird die Karriere im europäischen Topfußball also schon mal nicht scheitern.
 



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