1. Bundesliga

Nils Petersen: "Ich sehe Freiburg dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte"

Nils Petersen spielte in seiner Karriere unter anderem bei Werder Bremen, Bayern München und wurde beim SC Freiburg zur Ikone. Im Interview spricht der Ex-Nationalspieler über die Bundesliga, die Attraktivität des SC und seine Zeit unter Christian Streich.

Ex-Fußballer Nils Petersen
Credit: PR

Sports Illustrated: Auch die vergangene Saison lief für den SC Freiburg für seine Verhältnisse wieder sehr erfolgreich, der Übergang von Christian Streich zu Julian Schuster wirkte nahtlos. Wo steht der Verein Ihrer Meinung nach aktuell?

Nils Petersen: Da ich im Moment nicht bei einem Verein angestellt bin, darf ich mir vielleicht eine etwas größere Klappe erlauben als ein Vereinsangestellter (lacht.) Deshalb: Der SC Freiburg ist gesund aufgestellt, hat ein stabiles Fundament, um dauerhaft eine Mannschaft im Bereich rund um Platz sieben zu sein – mit Ausschlägen nach oben und unten. Hierarchisch hat Freiburg inzwischen andere Städte und Vereine überholt. Spieler entscheiden sich mittlerweile bewusst für Freiburg als attraktiven Standort.

Sports Illustrated: Das müssen Sie erklären. 

Petersen: Freiburg liefert ein tolles Komplettpaket. Der Klub kann inzwischen sehr gute Gehälter zahlen, hat ein wunderschönes Stadion mit 34.000 Plätzen, das fast jedes Wochenende ausverkauft ist. Dazu kommt die internationale Präsenz: zweimal knapp an der Champions League gescheitert – da backt man keine kleinen Brötchen mehr. Freiburg bleibt aber standortgeprägt, hier schwingt immer die Angst mit: „Was, wenn es mal bergab geht?“ Man erwartet beinahe ein schwächeres Jahr. Selbst wenn, wird aber keiner unruhig. Grundsätzlich sehe ich den SC dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte.

Sports Illustrated: Sie kennen Julian Schuster noch aus seiner Spielerzeit. Warum hat der Übergang von Christian Streich zu ihm so reibungslos funktioniert?

Petersen: Julian hat das Freiburger Selbstverständnis komplett verinnerlicht. Er hat sich als Persönlichkeit, Spieler und später auch als Verbindungstrainer sensationell entwickelt. Er lebt die Werte von Stadt und Verein, ist bodenständig, hatte schon als Spieler eine hervorragende Ansprache. Auch wenn er nicht immer Stammspieler war, hat er seine Rolle als Kapitän konsequent ausgefüllt. All das hat ihn vorbereitet, Fußballsachverstand inklusive. Deswegen genießt er heute enormen Respekt.

Sports Illustrated: Worin liegt sein größter Vorteil?

Petersen: Die Leute folgen ihm und glauben ihm – das ist das Wichtigste. Er vermittelt Überzeugung. Es ist beeindruckend, dass er trotz der fast besten Saison der Vereinsgeschichte nicht abhebt. Wenn er Erfolge genießt, dann im Privaten mit seiner Familie. Sobald er vor die Tür geht, hört er auf, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Das kommt extrem gut an.

Sports Illustrated: Gibt es Spieler im aktuellen Kader, die Sie besonders spannend finden?

Petersen: Mit Atubolu und Manzambi gibt es zwei Jungs, die riesige Schritte gemacht haben. Vor ein, zwei Jahren hatte die keiner auf dem Schirm – jetzt ist der eine schon Schweizer Nationalspieler, der andere steht kurz davor, ins deutsche Nationalteam zu rücken. Das sind Hoffnungsträger, die den Verein auf ein neues Level heben. Gleichzeitig weiß jeder: Irgendwann werden solche Spieler gewinnbringend verkauft. Das gehört zum Freiburger Modell.

SC-Freiburg-Torwart Noah Atubolu
SC-Freiburg-Torwart Noah Atubolu ist eines der größten Keeper-Talente Deutschlands
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Sports Illustrated: Wie funktioniert dieses Modell?

Petersen: Natürlich versucht man, verdiente Spieler wie Höfler, Grifo oder Günther über Jahre zu halten. Aber die wirtschaftliche Basis kommt auch aus Transfers. Deshalb werden die Verantwortlichen nie unvernünftige Dinge tun und immer solide wirtschaften. Und da macht der Verein seit Jahren einen großartigen Job – gerade mit Talenten aus der Schweiz oder Frankreich.

Sports Illustrated: Birgt das nicht auch Nachteile?

Petersen: Klar, wenn der nächste wichtige Spieler für 25 Millionen nach England wechselt und Jahr für Jahr Leistungsträger abgegeben werden, kann das die Fans nerven. Aber so funktioniert der Fußball eben. Wichtig ist, dass man sich trotzdem mit dem Verein identifizieren kann – und das gelingt, weil immer wieder Spieler aus der eigenen Jugend nachrücken. 

Sports Illustrated: Sind die eigentlichen Stars beim SC also die Verantwortlichen?

Petersen: Absolut. Trainer Schuster, aber auch Sportdirektor Klemens Hartenbach, Sportvorstand Jochen Saier und Finanzvorstand Oliver Leki – sie könnten sich für ihre Arbeit feiern lassen. Stattdessen bleiben sie ihrer Linie treu und jahrelang hier, machen einen Top-Job und lassen sich nicht ständig im Doppelpass hochleben. Das ist außergewöhnlich. Die Fußstapfen von Christian Streich waren riesig, aber die der Verantwortlichen sind noch größer.

Ex-Fußballer Nils Petersen
Nils Petersen spielte acht Jahre lang beim SC Freiburg und beendete 2023 seine Karriere
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Sports Illustrated: Sie haben unter Christian Streich jahrelang gespielt. Wie war die tägliche Arbeit mit ihm?

Petersen: Hart, fordernd, aber immer fair. Wir hatten ein gutes Verhältnis, ich konnte seine Entscheidungen meist einordnen und respektieren – auch wenn sie oft auf meine Kosten gingen und ich oft auf der Bank saß. Seine Ansprüche, die Videoanalysen, sein Temperament – das war oft verschleißend, weil man kaum runterfahren konnte. Aber genau das war der Grund für unseren Erfolg. Nach einem Sieg war er trotzdem kritisch. Das war anstrengend, aber ich bin ihm unglaublich dankbar für die gemeinsame Zeit.

Sports Illustrated: Heute sind Sie TV-Experte bei DAZN und Podcaster. Was reizt Sie an diesem Job?

Petersen: Ich habe meine Tätigkeit als Spieler immer als Berufung verstanden, wollte Menschen unterhalten. Das geht heute nicht mehr auf dem Platz, aber am Mikrofon. Ich versuche, den Zuschauern Einblicke zu geben, die sie selbst vielleicht nicht erkennen. Und ich liebe es, dem Fußball treu zu bleiben. Er ist und bleibt mein Leben.

Sports Illustrated: Zum Abschluss: Ihre Prognose für die neue Saison. Wer wird Meister, wer überrascht?

Petersen: Bayern wird Meister. Leipzig wird trotz der ganzen Abgänge eine gute Rolle spielen, Leverkusen die Champions League verpassen. Und ich habe gewettet, dass Guirassy Torschützenkönig wird. Der HSV wird es dagegen sehr schwer haben.

Sports Illustrated: Und der SC Freiburg?

Petersen: Ich tippe auf Platz 7. Mit der Dreifachbelastung wäre das ein sehr ordentliches Ergebnis.



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