Maximilian Arnold und Luca Engstler im Interview: Gemeinsam ans Limit
- Maximilian Arnold und Luca Engstler starten strategische Partnerschaft
- Fußball trifft Motorsport: Die Idee von „All-Day-Athlete“
- Arnold und Engstler im Interview über ihre Freundschaft und Ungleichheiten im Leistungssport
Fußball und Motorsport – auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Welt. Nicht so, wenn es nach Fußballer Maximilan Arnold (VfL Wolfsburg) und DTM-Fahrer Luca Engstler (Lamborghini) geht. Mit ihrer strategischen Partnerschaft „All-Day-Athlete“ wollen sie in Zukunft Anknüpfungspunkte zwischen Hochleistungssportlern schaffen und gemeinsam nach dem Maximum streben. Mit Sports Illustrated sprechen sie exklusiv über die Idee hinter „All-Day-Athlete“, ihre Freundschaft und Ungleichheiten im Profisport.
Sports Illustrated: Was haben Fußball und die DTM gemeinsam?
Maximilian Arnold: Leistungssport, Druck, Leidenschaft – das sind die verbindenden Elemente. Auch wenn Fußball und Motorsport auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, sind sie sich in ihrer Essenz sehr ähnlich. Erfolg kommt nur mit Besessenheit für das, was man tut, und der Bereitschaft, immer mehr zu geben als der Durchschnitt. Egal, ob auf dem Platz oder der Rennstrecke: Es geht um Weiterentwicklung und Perfektion in den kleinsten Details. Nur wer bereit ist, härter zu arbeiten und sich immer wieder zu hinterfragen, kann sich langfristig auf höchstem Niveau halten.
Luca Engstler: Copy-Paste eigentlich (lacht.) Im Kern ist es genau das: Wir sind beide von klein auf Sportler, die alles für ihren Erfolg tun und jede Entscheidung im Leben dem Sport unterordnen. Das Konzept „All-Day-Athlete“ bedeutet genau das: 24/7 auf die Ziele hinarbeiten, keine Kompromisse eingehen, egal in welcher Sportart.

Sports Illustrated: Wie affin sind Sie in der Sportart des jeweils anderen?
Engstler: Ich bin großer Fußballfan und liebe es, im Stadion zu sein. Manchmal würde ich mir auch wünschen in einer Teamsportart unterwegs zu sein. In meinem Sport ist es so, dass man permanent versucht, seinen Teamkollegen zu schlagen, es herrscht immer Konkurrenzkampf. Da beneide ich manchmal die Mannschaftssportler. Was Fußball angeht punkte ich aber mehr mit Leidenschaft als mit Know-How.
Arnold: Das kann ich bestätigen, da Luca mir jede Woche schreibt, dass ich doch mal ein Tor schießen soll (lacht.) Ich finde Motorsport faszinierend, habe schon länger Interesse dafür. Das hat durch die Freundschaft mit Luca nochmal zugenommen – und wird in Zukunft auch noch größer werden.
Sports Illustrated: Wie sieht Ihr Kontakt aktuell aus?
Arnold: Wir kennen uns seit fast acht Jahren. Trotz der Altersdifferenz war da von Anfang an ein gegenseitiges Interesse – sowohl an der Person als auch an der sportlichen Leistung des anderen. Und so hat sich das Stück für Stück entwickelt. Natürlich wären wir uns noch näher, wenn wir in der gleichen Stadt wohnen würden, aber wir versuchen, so oft wie möglich gemeinsame Zeit einzuplanen. Ein Beispiel: Kurz vor meinem 30. Geburtstag war ich noch auf der Rennstrecke. Und am Abend meiner Feier war Luca dann auch dabei. Solche Momente zeigen, dass wir trotz vollem Terminkalender versuchen, unsere Freundschaft intensiv zu leben.
Sports Illustrated: Wie haben Sie sich kennengelernt?
Engstler: Das war bei einem Event in Wolfsburg. Ich war dort mit meinem Cousin, und dann hieß es: `Ein paar Fußballer kommen. ´ Mein erster Gedanke? `Was machen die hier? ´(schmunzelt.) Man hat ja immer eine gewisse Vorstellung von Fußballern. Dann kam Maxi und statt sich ins Rampenlicht zu stellen, ist er direkt zu einem der Rennautos gegangen. Er hat sich intensiv damit beschäftigt, alles andere links liegen lassen. Das fand ich sympathisch. Ich bin dann zu ihm hin, und innerhalb von 30 Sekunden stellte er mir 15 Fragen zu dem Auto.
Arnold: Manche Fragen waren vielleicht etwas naiv (lacht.)
Engstler: Das stimmt, aber ich habe sofort gemerkt: Der Junge ist wirklich interessiert. Das war der Start unserer Freundschaft. Seitdem ist der Kontakt nie abgerissen. Ich wurde von ihm zum Wolfsburg-Spiel eingeladen, und von da an war klar, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Heute fühle ich mich als Teil der Familie Arnold.
Sports Illustrated: Was steckt hinter "All-Day-Athlete"?
Engstler: Es geht darum, sich gegenseitig zu pushen. Maxi gibt mir wertvolle Einblicke aus dem Profifußball: Wie optimiere ich meinen Schlaf? Welche Ernährung ist ideal? Durch sein Netzwerk kann er mir Kontakte vermitteln, die mir weiterhelfen. Unsere Idee war es, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Spitzensportler austauschen und voneinander lernen können.
Arnold: Ich selbst will tiefer in den Motorsport eintauchen und sehen, welche Trainingsmethoden ich adaptieren kann. Videoanalysen im Motorsport funktionieren anders als im Fußball, aber vielleicht lassen sich Elemente davon übertragen. Ich finde es faszinierend, dass Luca jede einzelne Kurve in seiner Analyse überprüft, um vielleicht drei km/h schneller zu sein. Ähnlich funktioniert das bei uns mit kognitivem Training oder Augentraining. Solche Synergien zu erkennen und davon zu profitieren – das ist unser Ziel.
Sports Illustrated: Wie weit kann das gehen?
Engstler: Es wäre spannend, wenn sich auch Athleten aus anderen Sportarten anschließen – egal ob aus dem Motorsport, dem Basketball oder sogar dem Schach. Jeder Hochleistungssportler kann von anderen Disziplinen lernen. Das Netzwerk und der Austausch könnten Athleten helfen, noch besser zu werden.
Arnold: Leistungssport entscheidet sich in den Details. Der Umgang mit Druck, die mentale Vorbereitung, die Regeneration – das sind Themen, die nicht nur uns, sondern auch viele andere Sportler und sogar Menschen aus der Wirtschaft interessieren. Wenn ein Manager am Tag zehn kritische Entscheidungen treffen muss, ist das nicht weit weg von einem Rennfahrer im Qualifying oder einem Fußballer im Elfmeterschießen.
Sports Illustrated: Maxi, Sie haben als Profifußballer finanzielle Sicherheit. Luca steckt ähnlich viel Energie in seinen Sport, verdient aber viel weniger. Ist das fair?
Engstler: Tolle Frage (lacht.)
Arnold: Schwer zu sagen. Klar gibt es im Sport finanzielle Ungleichheiten, aber es bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Ich frage mich schon lang nicht mehr, was fair ist und was nicht, weil ich es nicht ändern kann. Wichtiger ist, dass Luca ein wahnsinniges Pensum abspult und ein herausragender Fahrer ist. Mein Ziel ist es, ihn zu unterstützen, wo ich kann. Erfolg ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der richtigen Unterstützung.
Engstler: Ich sehe das genauso. Klar, die Summen im Fußball sind oft höher, aber letztlich entscheidet die Leistung. Was Maxi für seine Karriere tut, ist Wahnsinn. Er geht die Extrameile – und das ist es, was mich inspiriert.
Sports Illustrated: Haben Sie eine konkrete Zukunftsvision für "All-Day-Athlete"?
Engstler: Eigentlich nicht. Es gibt kein festes Ziel, denn im Sport bist du nie zufrieden. Wenn du ein Rennen gewinnst, willst du das nächste auch gewinnen. Ein Beispiel: Ich habe meine ganze Karriere darauf hingearbeitet, ein DTM-Rennen zu gewinnen. Schon am Montag nach meinem ersten Sieg war er vergessen und ich wollte das nächste Rennen gewinnen. Uns geht es darum, diesen Spirit weiterzugeben. Wir lassen das Projekt organisch wachsen.
Arnold: Wir sind offen für alles. Es geht darum, Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu pushen und sich stetig weiterzuentwickeln.

Sports Illustrated: Haben Sie persönliche Karriereziele, die Sie unbedingt erreichen wollen?
Engstler: Meine Liste ist lang, und ich habe noch Zeit. Aber klar, ich will so weit wie möglich kommen.
Arnold: Ich will so lange wie möglich auf Topniveau Fußball spielen und die Marke von 450 bis 500 Bundesliga-Spielen knacken. Ein weiterer Titel wie der DFB-Pokal wäre ein Traum. Die Deutsche Meisterschaft wird vielleicht etwas schwierig (schmunzelt.) Und die Nationalmannschaft? Klar, aber ich bin realistisch – die Konkurrenz im Mittelfeld ist brutal. Generell gibt es auch einfach Spieler, deren Verein eine größere Lobby hat, als es der VfL Wolfsburg hat.
Engstler: Da muss ich einhaken, weil ich finde, dass das ein Problem des Fußballs ist. Nur weil Spieler ein besseres Standing als andere haben, heißt das nicht, dass sie für die Mannschaft auch wertvoller sind. Außerdem ist meine ganz persönliche Meinung: Maxi unterschätzt sich. Ich finde, seine Mentalität ist genau das, was der Profisport braucht. Und wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja doch nochmal im DFB-Trikot.
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