RTL-Experte Sebastian Vollmer: Dieses Team wird den Super Bowl gewinnen
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Sports Illustrated: Die New England Patriots stehen erstmals seit 2019 wieder im Super Bowl. Danach ging‘s sportlich bergab. Wie hart waren die letzten Jahre für die Patriots-Fans?
Sebastian Vollmer: Die New England Patriots waren in den 20 Jahren davor die dominanteste Franchise der NFL – mit sechs Super-Bowl-Siegen. Da war man es nicht gewohnt, plötzlich weder im Championship Game noch in den Playoffs zu stehen. Umso beeindruckender ist jetzt dieser Turnaround. Die Patriots sind das beste Team der AFC und haben wieder die Chance, den Super Bowl zu gewinnen.
Sports Illustrated: Wie haben es die Patriots geschafft, wieder zum Top-Team zu werden?
Sebastian Vollmer: Am Ende haben alle Teams in der NFL die gleichen Chancen – das ist ja das Schöne an dieser Liga. Das beste Team wird durch einen schlechteren Draft-Pick „bestraft“, das schlechteste bekommt den besten Pick. Hinzu kommt der Salary Cap, also gleiche finanzielle Möglichkeiten für alle. Entscheidend ist dann die Organisation. Head Coach Mike Vrabel spielt eine große Rolle. Aber es beginnt ganz oben bei Robert Kraft. Es wurde gezielt Geld investiert, die richtigen Spieler wurden geholt. Dann musst du wieder eine Kultur entwickeln: füreinander spielen, für den Trainer spielen, sich gegenseitig unterstützen. All das haben sie innerhalb kurzer Zeit geschafft.
Sports Illustrated: Trainer Mike Vrabel war selbst Spieler bei den Patriots. Warum ist er so erfolgreich mit diesem Team?
Sebastian Vollmer: Bei ihm ist es die perfekte Mischung aus hartem, oldschooligem Bill-Parcells-Stil und gleichzeitig einem sehr guten Players Coach. Das kommt, weil er selbst gespielt hat. Man spürt, wie sehr die Spieler für ihn spielen und welchen Respekt sie vor ihm haben. Er weiß genau, wann er Druck machen muss und wann er auf die Bremse tritt.

Sports Illustrated: Patriots-Quarterback Drake Maye wird bereits mit Tom Brady verglichen. Kann er in dessen Fußstapfen treten?
Sebastian Vollmer: Ich bin kein Freund von Spielervergleichen. Tom Brady hat in einer anderen Ära gespielt – vor 25 Jahren sah die NFL komplett anders aus. Das gilt genauso für Vergleiche mit Joe Montana oder anderen Legenden. Einzelspieler im Teamsport über Generationen hinweg zu vergleichen, finde ich schwierig. Die entscheidende Frage ist eher: Kann Drake Maye diese Franchise langfristig wieder zu einem dominanten Team machen? Also über Jahre hinweg immer wieder in den Playoffs und im Super Bowl stehen – so wie es zuletzt die Chiefs geschafft haben. Bisher deutet alles in diese Richtung. Maye spielt auf MVP-Niveau, ist der akkurateste Passer der Liga und wirft die besten Deep Balls. Hinzu kommt: Die Patriots haben noch viel Cap Space für die Free Agency, das Team ist sehr jung – es kann also noch besser werden.
Sports Illustrated: Drake Maye wurde 2024 an dritter Stelle gedraftet. War sein Potenzial damals schon absehbar?
Sebastian Vollmer: Sonst hätten sie ihn nicht gedraftet. Der Übergang vom College in die NFL ist schwer – das haben viele Franchises bitter erfahren. Man draftet jemanden hoch, und es funktioniert aus verschiedensten Gründen nicht: System, Mitspieler, Coaching, Umfeld. Das heißt nicht, dass der Spieler schlecht ist. Wenn es so einfach wäre, einen Quarterback zu finden, würde es jeder tun. Vielleicht gibt es weltweit nur zehn absolute Elite-Quarterbacks – der Rest ist immer noch gut, aber eben nicht auf diesem Niveau.
Sports Illustrated: Aktuell gibt es Gerüchte über eine Schulterverletzung bei Drake Maye. Kann er im Super Bowl spielen?
Sebastian Vollmer: Er wird auf jeden Fall spielen. Da mache ich mir keine Sorgen. Mike Vrabel hat gesagt: Es ist das 21. Spiel der Saison – es gibt keinen Spieler, der da zu 100 Prozent fit ist. Ich habe selbst Spiele gemacht, bei denen galt: Solange du noch laufen kannst und deinen Arm bewegen kannst, spielst du. Für diese drei Stunden blendet man alles aus. Danach hat man monatelang Zeit, sich behandeln oder operieren zu lassen. Quarterbacks werfen jeden Tag, das ist eine enorme Belastung. Dann kommen Hits dazu – Stürze auf die Schulter, Schläge auf die Rippen. Es ist völlig normal, dass da etwas wehtut.
Sports Illustrated: Kommen wir zu den Seattle Seahawks. Warum sind sie in dieser Saison so stark?
Sebastian Vollmer: Ganz klar: wegen der Defense. Sie erinnern mich an die Seahawks aus der Zeit, als ich gegen sie gespielt habe – schnell, aggressiv, physisch. Sie lassen dich jede Aktion spüren, jeder Hit tut weh. Es gibt Teams, die technisch herausragend sind, und andere, die ihre Philosophie auf Geschwindigkeit und harte Hits ausrichten. Seattle gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hinzu kommt die „Wiedergeburt“ von Sam Darnold, der überragend spielt. Sie haben sehr gut gedraftet, mit Jackson Smith-Njigba, der eine fantastische Saison spielt. Und Head Coach Mike Macdonald, der seine Vision früh vermittelt hat. Wenn du es schaffst, deine Spieler davon zu überzeugen, wohin die Reise geht, hilft das enorm.

Sports Illustrated: Beide Teams haben eine große Fanbase. Wer hat in Deutschland mehr Anhänger – und warum?
Sebastian Vollmer: Das hat viel mit den TV-Rechten zu tun. Die Patriots waren 2014, als ich dort gespielt habe, regelmäßig im Free-TV zu sehen. Dann gewinnt ein Deutscher den Super Bowl. Ein Hype entsteht – und die Patriots bleiben jahrelang erfolgreich. Wenn man als Fan neu zum Football kommt, identifiziert man sich oft mit erfolgreichen Teams. Die Seahawks hatten ein paar Jahre zuvor eine ähnliche Phase, mit Super-Bowl-Teilnahmen und einem Titel. Darum haben beide Teams so viele Fans – auch in Deutschland.
Sports Illustrated: Der Super Bowl LX findet im Levi’s Stadium in Santa Clara statt. Welche Rolle übernehmen Sie bei der RTL-Übertragung?
Sebastian Vollmer: Ich bin an der Seitenlinie, schaue hinter die Kulissen und erkläre, wie es sich anfühlt, in so einem Spiel zu stehen. Ich kenne viele Spieler und Trainer persönlich. Natürlich muss man immer abwägen, was man preisgeben kann. Aber ich versuche, auf Matchups hinzuweisen, Dinge einzuordnen, die man im normalen TV-Bild nicht sieht – eine Mischung aus Live-Reportage und Einblicken in das Innenleben der Teams.
Sports Illustrated: Schlägt Ihr Herz noch für die Patriots – und wie geht das Spiel aus?
Sebastian Vollmer: Privat definitiv, ja. Ich habe viele Freunde dort. Während der Übertragung versuche ich neutral zu bleiben. Wie es ausgeht, ist schwer zu sagen. Beide Teams haben starke Defenses. Ich glaube, es wird ein defensiv geprägtes Spiel mit wenigen Punkten. Irgendwas im niedrigen 20er-Bereich, vielleicht 24:21.
Sports Illustrated: Für welches Team?
Sebastian Vollmer: Für die Patriots.
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