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NFL-Kommentatorin Mika Kaul: "Der Sport ist gekommen, um zu bleiben"

Football-Kommentatorin Mika Kaul ist eine der aufstrebenden Stimmen in der NFL-Berichterstattung. Sports Illustrated hat mit der Berlinerin über ihren Job bei RTL, ihren eigentlichen Hauptberuf und die Leidenschaft für American Football gesprochen.

NFL-Kommentatorin Mika Kaul
Credit: RTL
 

Sports Illustrated: Wie hat Ihre Begeisterung für American Football begonnen? 

Mika Kaul: Ich bin als ran-NFL-Groupie ein typischer "Fan straight off the couch". Der Super Bowl 2017 – New England Patriots gegen Atlanta Falcons – hat alles für mich verändert. Ich bin zur Halbzeit nichtsahnend ins Bett gegangen, weil ich dachte: Das Ding ist durch. Am nächsten Morgen bin ich aufgewacht, habe das Comeback gesehen und dachte nur: Verrückt – wie kann man so ein Spiel noch drehen? Ab diesem Zeitpunkt war klar: Das ist mein Sport – er ist für mich der taktisch und strategisch spannendste überhaupt. 

Sports Illustrated: War Ihnen sofort klar, dass Sie diesen Sport nicht nur lieben, sondern auch kommentieren möchten?

Kaul: Gar nicht. Am Anfang war es nur die Liebe zum Sport. Kommentieren war weit außerhalb meiner beruflichen Komfortzone – das war ein purer Zufall. Ich war einmal in meinem Leben richtig mutig und habe mehr auf meinen Bauch als meinen Kopf gehört. Und dafür bin ich mir heute sehr dankbar.

Sports Illustrated: Was haben Sie damals beruflich gemacht?

Kaul: Hauptberuflich bin ich in der Modebranche und somit in einer komplett anderen Branche unterwegs, fernab von Sport, Kameras und Fernsehen.  Das Kommentieren erlaubt mir, eine andere Seite von mir auszuleben: Sportleidenschaft, , Emotionen zeigen, unterhalten.

Sports Illustrated: Wie sind Sie entdeckt worden – Casting oder Zufall?

Kaul: DAZN hat 2022 in einem Casting neue Stimmen gesucht, darauf hab ich mich beworben – auf den letzten Drücker. Ich war über meinen Geburtstag in Kopenhagen und habe am Abend vorher auf dem Hotelzimmer die Probeaufnahme gemacht und die Bewerbung abgeschickt. Danach ging das große Warten los - mit Happy End für mich. 

Sports Illustrated: Sie wirken sehr souverän am Mikrofon, Ihr Kommentar bei RTL ist nah am Spiel und emotional. Haben Sie Vorbilder unter den Kommentatorinnen oder Kommentatoren?

Kaul: Ich wollte nie so sein wie jemand anderes. Natürlich prägen einen diejenigen, die man selber hört, aber man wägt ab, was davon zu einem passt. Für mich lebt Kommentieren von Individualität. Jeder verkörpert den Sport anders, bringt seine eigene Sprache, Energie und Persönlichkeit mit. Das macht den Sport vielfältiger.

Football-Kommentatorin Mika Kaul
Football-Kommentatorin Mika Kaul
Credit: RTL
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Sports Illustrated: Kann man das Kommentieren lernen oder muss man ein Naturtalent sein?

Kaul: Es ist etwas, worauf man sich einlassen können muss. Natürlich bekommt man Tipps, holt sich Tipps. Aber für mich funktioniert es nur, wenn du du selbst bist und man sich traut, frei zu sein.

Sports Illustrated: Welche Rolle spielt das Lampenfieber? Sind Sie vor den Übertragungen aufgeregt? 

Kaul: Ich habe durchaus noch ein bisschen Grundnervosität. Das ist auch gut so, weil es zeigt, dass mir das Kommentieren wichtig ist. Aber die verfliegt, sobald ich im Sender bin, dann ist die Vorfreude größer.

Sports Illustrated: In einer Männerdomäne wie dem Football: Welche Reaktionen bekommen Sie als  Kommentatorin – und wie gehen Sie mit Vorurteilen um?

Kaul: Mir ist es super wichtig, immer die positiven Vibes der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Die Welt steht schon Kopf genug, ich mag mich nicht mit Negativthemen aufhalten. Mein Fokus liegt auf dem Spiel, auf dem Sport. Wenn meine Präsenz dazu beiträgt, dass andere mutiger werden, wäre das ein wertvoller und wichtiger Nebeneffekt. Vielfalt und neue Perspektiven machen die Sportberichterstattung erst aus. 

Sports Illustrated: Wie verarbeiten Sie Kritik?

Kaul: Fehler sind menschlich und wichtig. Nur wenn man sie macht, kann man besser werden. Ich bin Perfektionistin, aber versuche, meine Gelassenheit nicht zu verlieren.

Sports Illustrated: Sie kommen sehr cool rüber – sind Sie so auch privat?

Kaul: Danke! (lacht) Ich bin tatsächlich sehr selbstreflektiert. Aber das, was man von mir "On Air" sieht, bin ich auch privat. Das ist mir sehr wichtig.

Sports Illustrated: Was ist der größte Unterschied zwischen den US-Kommentatoren und den Kommentatoren im deutschsprachigen Fernsehen?

Kaul: US-Kommentatoren, die wir hören und sehen, haben oft das Glück, im Stadion dabei sein zu können – inklusive "All-22-Perspektive" und dem echten Game-Feeling. Diese Energie vor Ort kann man im Studio kaum replizieren.

NFL-Kommentatorin Mika Kaul
NFL-Kommentatorin Mika Kaul
Credit: RTL
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Sports Illustrated: Haben Sie ein Lieblingsteam in der NFL, dem Sie besonders die Daumen drücken?

Kaul: Offiziell natürlich nicht (lacht). Aber Sympathien habe ich schon. Ich springe pro Saison auf mindestens einen "Hype Train" auf. Ein Team begleitet mich allerdings von Anfang an, die L.A. Rams. Es war das erste Franchise, bei dem ich mitgefiebert habe. Mein erstes Live-Spiel war im SoFi Stadium, das bleibt etwas Besonderes.

Sports Illustrated: Wie bereiten Sie sich auf eine Übertragung vor? Gibt es Routinen, Tools oder Statistiken, die Sie nutzen?

Kaul: Freitag und Samstag sind geblockt für meinen "Prep-War-Room" – da geht nichts anderes. Ich schaue die letzten Spiele der Teams, höre Podcasts, lese Statistiken. Und ich bin ein kleiner Reddit-Nerd – da bekommt man die Fan-Stimmungen mit, was oft spannende Themen fürs Spiel liefert.

Sports Illustrated: Wie sehen Sie die Entwicklung des Football-Booms in Deutschland – und was braucht es, damit die NFL hier langfristig Fuß fasst?

Kaul: Für mich ist Football keine Eintagsfliege mehr, der Boom ist längst real. Deutschland ist der wichtigste internationale Markt für die NFL. Wir haben dazu viele ehemalige deutsche NFL-Sportler und Akteure, die sich jetzt nach ihrer Karriere für den Sport hier engagieren. Sie machen den Sport greifbar. Die Liebe zum Franchise, die Fan-Leidenschaft wird mittlerweile schon der nächsten Generation "eingeimpft", wie beim Fußball. Der Sport ist gekommen, um zu bleiben. 
    
Sports Illustrated: Wie sehen Ihre Ziele für die Zukunft aus? 

Kaul: Auf mich passt: Der Weg ist das Ziel. Nichts, was ich jetzt tue, war geplant. Seit dem Casting-Sieg habe ich mir vorgenommen, so oft es geht und wenn es sich richtig anfühlt, zu neuen Möglichkeiten “Ja” zu sagen – und das will ich so lange es geht beibehalten. 

TV-Hinweis:

RTL präsentiert während der NFL Regular Season 2025 bereits ab 18:15 Uhr bei NITRO das neue Live-Talkformat "Guten Abend Football". Im Anschluss folgen die Live-Spiele um 19:00 Uhr und 22:00 Uhr bei RTL oder NITRO. Zusätzlich zeigt RTL+ an jedem Spieltag ein weiteres Live-Spiel um 19:00 Uhr.

Am 9. November 2025 steht das Saisonhighlight aus deutscher Sicht an: Nach den Spielen in München und Frankfurt macht die NFL erstmals in ihrer Geschichte Halt in der deutschen Hauptstadt. Beim NFL Berlin Game spielen die Atlanta Falcons gegen die Indianapolis Colts im Olympiastadion – RTL ist LIVE dabei.



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