Football-Coach Nadine Nurasyid: "Die NFL ist ein One-Shot-Business"
- Nadine Nurasyid im Sports-Illustrated-Interview
- Football-Coach Nurasyid über Ihre Zeit in der NFL
- Nadine Nurasyid: "Die NFL ist ein "One-Shot-Business"
Sports Illustrated: Im vergangenen Sommer waren Sie fünf Wochen lang Teil des Coaching-Staffs der Tampa Bay Buccaneers in der NFL. Wie kam es dazu?
Nadine Nurasyid: Alle 32 NFL-Teams bieten im Rahmen der Bill Walsh Diversity Coaching Fellowship Trainern die Möglichkeit, bei ihnen zu hospitieren. Man darf dabei hinter die Kulissen eines NFL-Teams schauen, was eine wirklich einzigartige Chance ist. Ich hatte mich bereits im Herbst 2024 beworben und wurde glücklicherweise von den Tampa Bay Buccaneers aus mehreren Tausend Bewerbungen ausgewählt.
Sports Illustrated: Was haben Sie genau gemacht, was waren Ihre Aufgaben?
Nadine Nurasyid: Diese eine konkrete Aufgabe gab es nicht. Aber ich war jeden Morgen bereits um fünf Uhr auf dem Gelände – was sollte ich denn im Hotel, wenn ich die Chance habe, bei einem der besten Teams der NFL zu hospitieren? Ich habe mir Videos angeschaut, mich mit den einzelnen Coaches zusammengesetzt und ausgetauscht. Außerdem war ich bei den Team-Meetings dabei und habe bei den Trainings mitgeholfen.
Sports Illustrated: Was denken Sie: Welchen Eindruck haben Sie bei Ihrer Hospitanz hinterlassen?
Nadine Nurasyid: Die NFL ist ein "One-Shot-Business". Man hat nur eine Chance – und die muss sitzen. Ich habe versucht, mich nützlich zu machen. Wichtig ist, dass man den Teams einen Mehrwert bietet. Die Coaches sind sehr unterschiedlich und erwarten Verschiedenes von einem – man muss sich also flexibel auf die jeweilige Situation einstellen. Ich wollte aber auch nicht überdrehen und habe mir deshalb zunächst alles in Ruhe angeschaut.

Sports Illustrated: Wie wichtig war dieser Schritt für Sie und Ihre Entwicklung als Coach?
Nadine Nurasyid: Für mich waren diese fünf Wochen in der NFL das ultimative Highlight. Wenn mir jemand zu Beginn meiner Karriere gesagt hätte, dass ich einmal in der NFL sein würde, hätte ich diese Person für verrückt erklärt. Die Erfahrung hat mich nicht nur zu einer besseren Trainerin gemacht, sondern auch zu einer besseren Expertin – weil ich Dinge jetzt noch klarer analysieren kann.
Sports Illustrated: Welche weiteren Erkenntnisse haben Sie mitgenommen?
Nadine Nurasyid: Die personellen und finanziellen Res sourcen in der NFL sind beeindruckend. Manchmal bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Die NFL ist nicht ohne Grund die beste Liga der Welt und verfügt über enorme Mittel. Es gibt riesige Teams hinter den Teams – das kennen wir in Deutschland in dieser Form nicht. Als ich bei den Bucs war, hatte ich das Gefühl: Ich bin angekommen. Ich bin hier richtig.
Sports Illustrated: Das Programm soll internationalen Trainern den Weg in die NFL ermöglichen. Könnten Sie sich vorstellen, langfristig in die USA zu gehen, um dort als Coach zu arbeiten?
Nadine Nurasyid: Ich bin realistisch genug und weiß, dass es ein weiter Weg dorthin ist. Aber mit der Hospitation bei den Bucs bin ich diesem Ziel zumindest ein paar Prozentpunkte nähergekommen. Eigentlich wollte ich Football in Deutschland größer machen. Aber durch meine Zeit bei den Bucs habe ich definitiv Blut geleckt, was eine mögliche Zukunft in der NFL betrifft.
Sports Illustrated: Welche weiteren Schritte wären notwendig, um NFL-Coach zu werden?
Nadine Nurasyid: Man muss seine Kontakte pflegen und ausbauen. Letztlich läuft auch in diesem Business viel über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich denke, dass ich mich nächstes Jahr erneut für die Bill Walsh Diversity Coaching Fellowship bewerben werde. Das ist nichts Ungewöhnliches: Ich habe Coaches kennen gelernt, die dieses Programm bereits siebenmal absolviert haben.
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