American Football

Intrigen, Lügen und immer wieder Rodgers: Die skurrilsten NFL-Geschichten des Jahres

Jahr für Jahr schreibt die NFL abseits des Platzes unzählige Geschichten. Unser Autor hat genauer hingeschaut und die besten nochmals herausgekramt.

Aaron Rodgers
Aaron Rodgers
Wie ich so gerne sage, sind die Spiele nur ein Schaufenster; die eigentliche Action der NFL findet abseits des Spielfeldes statt. Das Jahr 2021 bildete da keine Ausnahme; es gab jede Menge Gesprächsstoff. Hier sind die aus meiner Sicht besten Geschichten des Jahres.

 

NFL: John Gruden entlassen, doch Fragen bleiben

Im Rahmen eines Rechtsstreits um das Washingtoner Football-Team wurde ein Fundus hunderttausender E-Mails aufgedeckt. Bei einigen wenigen handelte es sich um rassistische, frauenfeindliche und grobe E-Mails des ehemaligen Raiders-Trainers John Gruden. Sie führten dazu, dass Gruden entlassen wurde. Trotzdem wird es Anwälte geben, die im Namen von Gruden gegen die NFL klagen werden. Der Vorwurf: ein angeblich koordinierter Angriff auf seine Person.

Die E-Mails rückten jedoch nicht nur Grunden ins negative Rampenlicht. Auch die WFT war betroffen. Erst im letzten Sommer war eine langwierige Untersuchung ihres toxischen Arbeitsplatzes ohne schriftlichen Bericht, sondern nur mit einer mündlichen Präsentation vor den Kommissaren abgeschlossen worden. Fans und Medien haben sich zwar mittlerweile unweigerlich anderen Dramen zugewandt, der Kongress ist allerdings weniger nachgiebig. Der Oversight-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat in einer laufenden Untersuchung Antworten und Rechenschaft gefordert. Und natürlich ist der öffentliche Ruf von WFT-Eigentümer Daniel Snyder, nun ja, suboptimal.

Aaron Rodgers ist zurück und besser als je zuvor

Während die kryptischen Kommentare von Aaron Rodgers nach dem letztjährigen NFC-Meisterschaftsspiel verstummt waren, blieben die Spekulationen um seine Unzufriedenheit bestehen. Nach dem Draft im April entbrannte ein regelrechter Medienkrieg, der sich bis in den August hinein fortsetzte. Vielerorts wurde behauptet, dass Aaron Rodgers nie wieder für Green Bay spielen würde. Während die Medien spekulierten und die Fans Aaron bereits andere Trikots überstreiften - wie sie es zuvor mit Deshaun Watson und Russell Wilson getan hatten -, war ich der Meinung, dass er nirgendwo hingehen würde. Die Packers würden ihn 2021 nicht verkaufen und Aaron würde nicht in den Ruhestand gehen; es gab somit keine anderen Optionen.

Aaron kam zurück, mit dem Zugeständnis, dass sein Vertrag nach 2022 auslaufen werde und er und die Packers am Saisonende dann gemeinsam die Situation evaluieren werden. Aktuell erlebt Aaron eine weitere MVP-Saison in Green Bay, dennoch wird Rodgers aus meiner Sicht im nächsten Jahr getradet, auch wenn die meisten jetzt anderer Meinung sind.

NFL: Der große Scheck für St. Louis

Der vierjährige Rechtsstreit zwischen der Stadt St. Louis und der NFL wurde nun beigelegt. Die Stadt hatte der Liga vorgeworfen, bei der Verlegung der Rams nach Los Angeles sich nicht an ihre eigenen Richtlinien gehalten zu haben. Ein großer Scheck schuf nun aber Abhilfe. Die gemeldete Zahlung an die Stadt in Höhe von 790 Millionen Dollar ist zwar beträchtlich und beweist die Anfälligkeit der Liga vor Gericht, dennoch ist jener Vergleich ein Gewinn für Rams-Eigentümer Stan Kroenke und die NFL. Schließlich vermeiden sie somit, die Offenlegung vertraulicher und sensibler Informationen, eine Verhandlung vor einem Geschworenengericht im Januar sowie eine Schadensersatzzahlung in Milliardenhöhe. Die NFL zahlt einen hohen Preis, doch die Gefahr größerer Verluste ist gebannt.

Corona, Teil 2

Erinnern Sie sich noch daran, als die Saison 2020 in der NFL als das "COVID-Jahr" bezeichnet wurde und wir das Gefühl hatten, dass wir alle nun "darüber hinweg sind"? Wir haben uns getäuscht. Die Teams verzeichnen in dieser Spielzeit mehr Ausbrüche als im Jahr 2020. Zudem offenbaren die Daten, dass die Übertragungsraten in den Teameinrichtungen rapide gestiegen sind. Spiele werden innerhalb weniger Wochen verlegt, aber wegen Coronaausbrüchen im Moment selten verschoben.

Die NFL hätte die Woche vor dem Super Bowl zur Verfügung, wird diese aber nur als letzten Ausweg nutzen. Im Gegenzug werden nun offenbar die Tests für geimpfte Spieler ohne Symptome gelockert. Eine Entscheidung, die nicht ins Bild passt. Für mich ist das die Anerkennung der Tatsache, dass die bisherigen Testprotokolle die Chancengleichheit - das Mantra der NFL - konterkarieren, und da keine Spieler bisher ernsthaft erkrankt sind, das Geschäft eben Vorrang hat.

Aaron Rodgers und Antonio Brown: Verschleierung von Impfungen

Aaron Rodgers taucht in dieser Liste erneut auf, und zwar wegen einer Bemerkung aus diesem Sommer, die er nie vergessen wird, nämlich dass er "geimpft" sei, obwohl er es nicht war. Nach seinem positiven Test war die öffentliche Verurteilung dann natürlich groß. Mit seinen Kommentaren über den "woke mob" und Joe Rogan verschärfte er die Lage noch weiter. Abgesehen von der Doppelzüngigkeit deckte die Episode eine Schwäche des COVID-19-Protokolls der NFL auf. Ungeimpfte Spieler wie Aaron umgingen die Maskenpflicht bei Pressekonferenzen spielerisch. Rodgers Verstoß kostete die Packers 300.000 Dollar. Das Team hatte das Tragen der Maske nicht durchgesetzt, weil sie ihren Superstar nicht verprellen wollten.

Wochen später wurde Antonio Brown ebenfalls des Schwindels überführt. Er hatte einen gefälschten Impfausweises benutzt. Ein Koch, der von Brown wohl nicht bezahlt wurde, ließ ihn auffliegen. Brown wurde für drei Spiele gesperrt. Die Strafe wäre wohl viel höher ausgefallen, wenn er nicht auf eine Berufung verzichtet hätte. Sein Verhalten ist im Vergleich zu Rodgers allerdings um ein Vielfaches schlimmer. Denn Aaron hat die Medien belogen; Brown hat sein Team und die Liga belogen. Dennoch wäre es in beiden Fällen der NFL und wohl auch den Buccaneers lieber gewesen, wenn die Vergehen nicht aufgedeckt worden wären.

Deshaun Watson ist noch nicht weg

Es war sicherlich eine ereignisreiche Offseason für Deshaun Watson, der wegen seines Wechselwunschs anfangs für Schlagzeilen sorgte. Doch seine öffentlich zur Schau gestellte Unzufriedenheit verwandelte sich schnell in Funkstille. Denn Watson hatte plötzlich andere Probleme. 22 Zivilklagen und zehn Strafanzeigen wurden gegen ihn erlassen. Sexuelles Fehlverhalten gegenüber Massagetherapeutinnen wird ihm nachgesagt. Die NFL hat Watson bisher weder suspendiert noch auf die Commissioner Exempt List gesetzt. Zudem ist er immer noch Teil der Texans. Das Team scheint ihn im Rahmen einer unausgesprochenen und stillschweigenden Vereinbarung sogar weiter zu bezahlen, obwohl er nicht spielt. Die Tatsache, dass dies von den meisten Medien, der Liga oder dem Team nicht einmal erwähnt wird, ist eines der größten Rätsel des Jahres.

Urban Meyer: der große Fehler

Die Ära Urban Meyer endete in Jacksonville früh und trostlos. Die Liste der Fehltritte ist lang. Ein viraler Lap-Dance un die angeblichen Tritte gegen einen ehemaligen Kicker sind wohl nur die Negativ-Höhepunkte einer Amtszeit voller Entgleisungen. Fernab seiner Vergehen hatte ich jedoch von Anfang an das Gefühl, dass diese Beziehung zum Scheitern verurteilt war. Die Jaguars waren in der NFL immer in den unteren Rängen zu finden und beim Draft ganz oben. Sie brauchten Meyer, einen äußerst erfolgreichen College-Coach, einfach mehr als Meyer sie brauchte, und der angebliche Vertrag, der ihm 10 Millionen Dollar oder mehr pro Jahr einbringt, spiegelt das wider. Die Hoffnung, dass das viele Geld und die Macht zu einer Veränderung seines selbstgefälligen Verhaltens führe, war umsonst. Die Jaguars wollen den Vertrag nun fristlos kündigen. Für das Team wird Meyer bestenfalls ein sehr teurer Fehler für ein Jahr sein oder einer, der das Franchise noch weiter zurückwerfen und es zig Millionen kosten könnte.