GFL

"GFL-Insider": Berlin Adler setzen mit Erfolg auf eigene Nachwuchstalente

Die Berlin Adler setzen in der GFL immer mehr auf den eigenen Nachwuchs. "GFL-Insider" Philipp Forster blickt auf den Saisonstart der Berliner und erklärt, wie der Verein um Ex-Footballer Roman Motzkus die weitere Zukunft plant.

Berlin Adler in der GFL
Credit: Imago
 

Die Berlin Adler sind in diesem Jahr einen anderen Weg gegangen als alle sonstigen Teams in der German Football League. Ausgestattet mit einem deutschen Quarterback, dem 22 Jahre alten Hendrik Scharnbacher, und einer geballten Ladung Energie stürmen die bereits zum Absteiger Nummer eins deklarierten Adler von Sieg zu Sieg. 

"Wir als Vorstand der Berlin Adler haben in den letzten Monaten eruiert und analysiert", so Roman Motzkus vor etwa zwei Monaten. “(...) Dabei kam raus, dass wir sportlich zwar recht erfolgreich waren, (...) allerdings war das auch eine finanziell echte Herausforderung. Und dafür haben wir das Ergebnis gefunden, (...) dass es wesentlich besser ist, in den nächsten Jahren unseren Weg, den wir eigentlich schon seit Jahren propagieren, jetzt wirklich anzugehen, und zwar unsere erfolgreiche Jugendarbeit bis in die GFL fortzusetzen."

Berlin Adler vor der Saison bereits abgeschrieben

Viele Außenstehende lobten zwar den neuen Weg, auf deutsche Talente zu setzen, doch kritisieren diese gleichzeitig, dass es eben auch seine Gründe habe, weshalb alle anderen Teams in der Liga nicht darauf setzen und stattdessen mit dem nötigen Kleingeld ein paar Importe aus den Vereinigten Staaten verpflichten. Manche deuteten an, dass die Aussagen von Motzkus einem Offenbarungseid der Adler gleichkämen. 

Nun ist es auch nicht so, dass die Berliner völlig auf Importe verzichten. Vier Spieler aus den USA befinden sich in ihrem Kader. Allerdings sparen sie sich die Kosten für einen teuren US-Quarterback und gehen stattdessen mit zwei Wide Receivern und zwei Defensive Backs zur Unterstützung der Offense und Defense. Der Rest der Mannschaft besteht zu einem Großteil aus Eigengewächsen der hervorragenden Jugendarbeit. Und obwohl der Adler in der Tierwelt eher als Einzeljäger bekannt ist, jagen die mutigen und hungrigen Youngster bevorzugt im Rudel. 

Geschlossenes Team als Stärke

Vor allem im letzten Spiel kam diese Qualität besonders zum Tragen. Über weite Teile der Partie waren die Berlin Rebels, der Rivale aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die bessere Mannschaft. Am Ende überragte aber die geschlossene Teamleistung der Adler, die mehrere Großchancen der Rebels aus Charlottenburg vereiteln konnte. 

Die herausragende Defense sorgte über das ganze Spiel für wichtige Stopps nahe der Goalline. Dass die "Bend, but don’t break"-Strategie letztendlich aufging, ergab sich aber erst im Zusammenspiel mit den Special Teams. Diese Einheit, die vor allem aus deutschen Youngstern besteht, blockte mehrere Field-Goal-Versuche der Rebels und nahm dem Gegner insgesamt neun sichere Punkte ab. 

Special-Teams-Coordinator Enrico Martini dürfte nach dem Spiel höchst zufrieden gewesen sein. Schließlich kennt auch er den Weg, sich als deutscher Spieler neben den Amerikanern in Europa durchzusetzen. Der gebürtige Brandenburger gewann in seiner Karriere als Defensive Back und Special Teamer mit Deutschland die Europameisterschaft und holte in Österreich mit den Raiders Tirol insgesamt fünf nationale und vier europäische Meistertitel. 

Coaching Staff sehr überzeugend

Martini ist aber nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg der jungen Spieler. So wird die Defense von Niklas Sobotzki angeleitet, der im Vorjahr noch Linebackers-Coach der U19 gewesen ist. Angeführt vom früheren GFL-Quarterback Zach Cavanaugh, der seine erste Anstellung als Head Coach bei den Männern bekleidet und zuvor ebenfalls Cheftrainer der GFL Juniors in Berlin war, scheint das gesamte Team sehr vertraut miteinander zu sein. 

Der große Schlüssel zum Erfolg ist dabei möglicherweise neben der Geschlossenheit des jungen Kaders die Verantwortung, die das Coaching Staff für seine Spieler übernimmt. So wird vom noch unerfahrenen Hendrik Scharnbacher nicht erwartet, dass er als Quarterback das Team mit spektakulären Aktionen herausreißt und die komplette Last auf seinen Schultern trägt. 

Vielmehr erhält er von Cavanaugh die Spielzüge, die von Scharnbacher weniger komplexes Lesen der gegnerischen Defense verlangen und stattdessen seine athletischen Attribute hervorheben. So auch geschehen im letzten Scoring Drive innerhalb der letzten zwei Minuten des Spiels, als der Quarterback einige Runs mit Würfen über die Mitte des Feldes vermischte, wo andere Play Caller auf mehrere Plays nach außen gesetzt hätten, um die Uhr öfter anzuhalten. 

Adler sind die Comebacker der GFL

Diese Ruhe und Beständigkeit hat sich nun zum zweiten Mal in Folge ausgezahlt. Sowohl gegen die Straubing Spiders als auch gegen die Berlin Rebels konnten die Adler nun eine Niederlage kurz vor Schluss abwenden und bewiesen ihren besonderen Charakter als Comebacker der GFL nicht etwa in ein oder zwei wichtigen Plays, sondern über eine geschlossene Teamleistung während des gesamten Spiels. 

Weil die Berlin Adler im Gegensatz zur Konkurrenz aktuell nichts liegen lassen, grüßen sie nun sogar von einem Playoff-Platz. Jetzt geht es in zwei Wochen zunächst auswärts gegen die Paderborn Dolphins, die ebenfalls bei zwei Siegen und zwei Niederlagen stehen, ehe es in eine vorgezogene 21-tägige Sommerpause geht. Vielleicht kann die junge Mannschaft dann durchatmen und langsam fassen, was sie in den ersten Wochen der GFL-Saison bereits geleistet hat. 

Die wöchentlich erscheinende Kolumne befasst sich mit dem Tagesgeschehen in der German Football League. Mit gespitzter Feder handelt Philipp Forstner aka “Draft Nerd” die GFL-Themen ab, die sich nicht in den Pressemitteilungen der Vereine finden lassen. Im “GFL-Insider” geht es ehrlich, aber auch direkt zu. 



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