NBA-Champion Hartenstein: "Habe meinem Vater zum Dank einen Scheck ausgestellt"
- Isaiah Hartenstein im Sports-Illustrated-Interview
- NBA-Champion Hartenstein zweiter Deutscher mit Titel
- Hartenstein: "Dirk Nowitzki war immer mein Vorbild"
Sports Illustrated: Wie fühlen Sie sich als frischgebackener NBA-Champion?
Isaiah Hartenstein: Es ist ein unglaubliches Gefühl. Das war schon immer mein Traum – schon als Kind, als ich die Videos von Michael Jordan gesehen habe. Aber ich wusste auch, dass ich dafür sehr viel investieren muss, um dieses Ziel zu erreichen. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Träumen allein bringt nichts, am Ende muss man auch den entscheidenden Schritt gehen.
Sports Illustrated: Neben Dirk Nowitzki sind Sie der einzige Deutsche, der einen NBA-Titel gewonnen hat. Was bedeutet Ihnen dieser Titel?
Hartenstein: Als kleiner Junge habe ich Dirk Nowitzki mit dem Pokal im Fernsehen gesehen, als er mit den Mavericks die Meisterschaft gewonnen hat. Dirk war immer mein Vorbild und eine Motivation für mich. Er ist der beste Europäer aller Zeiten. Ich wollte auch so erfolgreich sein wie er. Er hat den Menschen in Deutschland gezeigt, dass man auch als Deutscher einer der besten Basketballer der Welt werden kann. Dass ich jetzt auch einen Titel gewonnen habe, ist etwas Besonderes, das mir keiner mehr nehmen kann. Damit haben wir auf alle Fälle NBA-Geschichte geschrieben.
Sports Illustrated: Wie haben Sie mit Ihren Teamkollegen und Ihrer Familie den Titel gefeiert?
Hartenstein: Wir haben die ganze Zeit durchgefeiert. Ich habe fast nicht geschlafen. Die Fans in Oklahoma waren unglaublich. Auf der Bühne haben wir versucht, eine Champagnerflasche zu öffnen, aber wir haben es nicht geschafft. Dann wurde uns zum Glück geholfen. Ansonsten war alles perfekt. Wir haben später bei uns zu Hause noch weitergefeiert und ich bin erst am Morgen ins Bett gegangen, als mein Sohn gerade aufgewacht ist.
Sports Illustrated: Was gab’s außerdem zu trinken?
Hartenstein: Ich habe ein paar Tequilas getrunken, kann mich aber nicht mehr erinnern, wie viele es waren (lacht …).
Sports Illustrated: Warum hat sich Oklahoma City Thunder in Spiel sieben der Finalserie gegen die Indiana Pacers durchgesetzt?
Hartenstein: Zuerst einmal muss ich sagen, dass es eine fantastische Entscheidung war, nach Oklahoma zu wechseln und bei den Thunder zu unterschreiben. Wir haben ein richtig gutes Team, arbeiten sehr konzentriert und halten gut zusammen. Wir sind überall stark, vor allem in der Defense – was viele Teams richtig nervig fanden. Wir haben viele Leute, die sehr gut verteidigen können. Das ist schon etwas Besonderes – und das war am Ende auch einer der Gründe für unseren Erfolg.
Sports Illustrated: Hätten Sie bei Ihrem Wechsel von den New York Knicks zu OKC gedacht, diesem Jahr NBA-Champion werden?
Hartenstein: Als Basketballer träumt man immer vom Titel. Als ich hier unterschrieben habe, hätte ich nicht gedacht, dass wir es wirklich schaffen können. Ich wusste zwar, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber letztendlich ist alles ein Prozess. Man muss sich immer wieder neu fokussieren, um die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Man muss sich als Team in jedem Spiel stets neu beweisen. Jedes Spiel fängt immer wieder bei null an.

Sports Illustrated: Gab es einen Zeitpunkt in der Saison, an dem Sie gemerkt haben, mit einem Titelgewinn könnte es klappen?
Hartenstein: Als Spieler hofft man natürlich immer, dass man viele Spiele gewinnt und irgendwann die Meisterschaft holt. Aber richtig bewusst wurde es mir erst, als wir 15 Spiele gegen richtig gute Teams hintereinander gewonnen haben. Da fängt man an, sich Gedanken zu machen, wie weit es noch gehen kann.
Sports Illustrated: Welchen Anteil hat Shai Gilgeous-Alexander an der überragenden Saison Ihres Teams?
Hartenstein: Shai Gilgeous-Alexander hat eine fantastische Saison gespielt und einen richtig guten Job gemacht. Er ist ein Typ, der sich nicht ins Rampenlicht drängt. Er ist eher einer, der sich den Ball schnappt und sagt: Komm her, ich zeig’s dir. Selbst in den entscheidenden Momenten strahlt er eine unfassbare Ruhe aus. Sein Selbstbewusstsein ist überragend. Er ist ein echter Leader, der seine Teamkollegen besser macht. Neben dem Platz ist er ein guter Freund, der unheimlich witzig ist.
Sports Illustrated: Zu Beginn Ihrer Karriere gab es auch Leute, die Ihnen keine erfolgreiche Zukunft vorausgesagt haben. War das für Sie eine zusätzliche Motivation?
Hartenstein: Ja, ich glaube schon. Aber ich hatte immer ein starkes Selbstbewusstsein und den Glauben, dass ich es schaffe. Das Wichtigste war, dass ich immer mehr arbeiten wollte als alle anderen. Wenn man das macht, kann einem nichts im Weg stehen. Manche haben damals gesagt, dass ich ein bisschen verrückt bin, weil ich Silvester in der Halle war und trainiert habe. Ich kam zwar aus Deutschland und keiner wusste so richtig, was ich mache. Aber das war immer Motivation für mich.
Sports Illustrated: Hat es Sie damals persönlich getroffen, dass Ihnen einige Leute keine erfolgreiche Basketball-Karriere zugetraut haben?
Hartenstein: Als Mensch hat mich das schon ein bisschen getroffen. Ich hatte mal einen Lehrer, der gesagt hat: Mit Basketball verdienst du kein Geld. Aber ich hatte immer dieses Selbstbewusstsein. Ich habe mir gesagt: Egal, was passiert – ich schaffe es. Meine Familie hat mir dabei immer geholfen und an mich geglaubt. Wenn man nicht so viel über andere Leute nachdenkt und sich auf sich selbst fokussiert, kann man alles packen. Letztendlich waren die Kritik und der fehlende Glaube ein zusätzlicher Antrieb – und irgendwann werde ich mich nochmal bei meinem damaligen Lehrer melden (lacht …).
Sports Illustrated: Welchen Anteil hat Ihr Vater Florian Hartenstein, der ebenfalls Basketballer war?
Hartenstein: Mein Vater hat den größten Anteil an meinem Erfolg. Ohne ihn wäre ich nicht hier. Ich bin mit 13 Jahren zu ihm gegangen und habe gesagt, dass ich Basketball sehr ernst nehme – und ihn gefragt, was ich tun muss, um in die NBA zu kommen. Das war mein großes Ziel. Was muss ich dafür machen, um das zu schaffen? Und er hat mir dabei geholfen. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und zusammen trainiert. Manchmal war ich aber auch sauer auf ihn, wenn er Fouls gegen mich nicht gepfiffen hat. Aber heute weiß ich: Das alles hat mich härter gemacht.

Sports Illustrated: Gab es nach dem NBA-Titel ein kleines Geschenk als Dankeschön für Ihren Vater?
Hartenstein: Autos hat er schon genug, da habe ich mir etwas anderes ausgedacht. Ich habe ihm einen kleinen Scheck ausgestellt. Die Zahl werde ich aber nicht verraten.
Sports Illustrated: Ihr Vertrag bei Oklahoma City Thunder läuft bis 2027 – dann sind Sie 29 Jahre alt. Bis zu welchem Alter wollen Sie Basketball spielen?
Hartenstein: Mein Ziel war es immer, dass ich 15 Jahre in der NBA spiele. Also habe ich noch mindestens acht Jahre vor mir. Dann werde ich schauen, wie es mir geht. Ich liebe diesen Sport. Deshalb werde ich versuchen, so lange wie möglich Basketball zu spielen
Sports Illustrated: Sie sind 2,13 Meter groß. Haben Sie bereits irgendwelche Schmerzen?
Hartenstein: Nein, mein Körper fühlt sich gut an. Klar, nach dem Finale und den vielen Saisonspielen sind alle Spieler platt. Deshalb mache ich jetzt erstmal eine Woche gar nichts, um mich zu erholen.
Sports Illustrated: Bei Ihren NBA-Spielen fällt Ihr Jesus-Tattoo am Oberarm ins Auge. Was hat es damit auf sich?
Hartenstein: Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Jesus hat mir in schweren Phasen viel Kraft gegeben. Dafür wollte ich mich bedanken und habe mir von einem Künstler in New York dieses Tattoo stechen lassen.
Sports Illustrated: Wie sehen Ihre Pläne nach der Saison aus – geht’s erstmal in den Urlaub?
Hartenstein: Ich habe meiner Frau gesagt, dass sie die nächsten fünf Tage alles mit mir machen kann, was sie will. Aber sie möchte gar nicht verreisen. Sie will lieber ein paar Tage nach Dallas. Im Sommer geht’s dann nach Los Angeles, wo es viel Sonne, Berge und das Meer gibt. Darauf freue ich mich schon. Aber jetzt mache ich erstmal nichts – und genieße unseren NBA-Triumph.
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