Basketball

NBA-Star Wade über das Ende der "Big Three": "Wir waren das meistgehasste Team der Welt"

NBA-Star Dwyane Wade erklärt in unserem Interview, wieso das Ende der "Big Three" zwangsläufig war und wie er plötzlich einen Song aufnahm.  

Dwyane Wade als aktiver Spieler gegen die Utah Jazz.
Dwyane Wade als aktiver Spieler gegen die Utah Jazz.
Dwyane Wade ist eine lebende Basketball-Legende. Mit Miami gewann er dreimal die Meisterschaft. In seinem Ruhestand hat er jedoch die Seiten gewechselt. Denn Wade stieg als Teilhaber bei den Utah Jazz ein. Beim Franchise soll er eine aktive Rolle einnehmen. In einem Gespräch mit SI sprach Wade über seine neue Aufgabe, sein neues Fotobuch mit dem lapidaren Titel Dwyane und vieles mehr.
 
Sports Illustrated: Auf Seite 88 des Buches gibt es ein Foto der Big Three in einem Pool nach dem Finale der Eastern Conference 2014, sie schreiben dazu: "Es war eines der letzten Male, dass wir drei als Teamkollegen zusammen gelacht haben. Ich glaube, wir wussten alle irgendwie, dass 2014 das Ende der Serie war. Aber keiner von uns hat es während der Saison wirklich angesprochen." Wenn sie zurückdenken, was hat ihnen das Gefühl gegeben, dass dies das Ende sein könnte?

Dwyane Wade: Ich glaube, wir alle hatten gehofft, dass wir einen Weg finden können, wie die Spurs zu sein. Neu formieren, ein paar Teile hinzufügen und das Ding am Laufen halten. Man ist hoffnungsvoll. Aber wenn man den ganzen Prozess verfolgt, dann waren das vier Jahre, in denen wir das meistgehasste Team der Welt waren. Ich hatte das Gefühl, dass es am Ende auf vielen von uns lastete, körperlich, geistig und emotional. Ich dachte, wir müssten alle mal durchatmen. Man konnte einfach fühlen, dass die Dinge, die cool waren, nicht mehr cool waren. Die Witze, die lustig waren, nicht mehr lustig waren. Die Regeln im Team begannen sich zu verschärfen, und wir wollten es locker. Es waren einfach viele Dinge, die man im Laufe der Zeit spüren kann. Wir haben 2014 einfach nur die Bewegungen durchgezogen. Wir konnten den Schalter nicht mehr umlegen. Aber das hätte es gebraucht.

Udonis [Haslem] weiß das. Ich habe mit ihm mehr als mit jedem anderen gesprochen. Es gab einen Moment, in dem ich sogar sagte: "Ich glaube nicht, dass Bron nächstes Jahr hier sein wird." Wenn ich mir dieses Foto anschaue, erinnere ich mich daran, dass das in den Playoffs war, und ich weiß noch, wie ich jeden Moment genossen habe. Denn ich wusste, dass wir alle unsere Zweifel hatten, und es sah nicht so aus, als würden wir uns umrüsten. Es sah aus, als wären wir alt geworden. Ich wusste, dass ich es war. Und so begriff ich, dass das unser letzter Anlauf sein würde.

Dwyane Wade
Dwyane Wade und sein Sohn Zaire Wade
Credit: Getty Images
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SI: In diesem Buch geht es nicht nur um Basketball. Sie sprechen über ihren alten Agenten, Freund und Mentor Henry Thomas. Sie sprechen auch über Ihre Familie. Sie waren schon immer ziemlich offen, was die verschiedenen Dinge in ihrem Leben angeht. Wie entscheiden sie, wo die Grenze ist, was sie den Leuten über Ihr Leben mitteilen wollen? Hatten sie das Gefühl, dass sie selbst entscheiden können, wie viel sie preisgeben?

DW: In der heutigen Welt gibt es Momente, in denen man das nicht kontrollieren kann. Wir sind in der Lage, soziale Inhalte zu veröffentlichen und bestimmte Dinge zu tun. Aber wissen sie, im Sport sind die meisten Worte, die über einen geschrieben werden, nicht die eigenen. Du musst darauf vertrauen, dass andere Leute das, was du getan hast, aufgreifen und sich fünf bis zehn Minuten Zeit für dich nehmen, um etwas Großartiges über dich zu schreiben und eine Geschichte zu erzählen, die deine Fans lesen können.

Das war für mich einer der Gründe, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Weil ich zum ersten Mal meine eigene Geschichte erzählen wollte. Ich wollte, dass die Leute meine eigenen Gedanken hören, meine inneren Gedanken, was zum Teufel habe ich in diesem Moment gedacht und durchgemacht? Ich lebe ein sehr öffentliches Leben. Und ich habe bestimmte Momente, die nur für mich und meine Familie bestimmt sind, aber 85 Prozent davon kennt die Welt. Ich kann also nicht davor weglaufen, ich kann mich nicht davor verstecken. Ich muss mich darauf einlassen und es so gut wie möglich annehmen. Wann immer ich also die Chance bekomme, meinen eigenen Dokumentarfilm zu drehen, mein eigenes Buch zu schreiben oder bestimmte Dinge zu tun, habe ich die Kontrolle über meine eigene Geschichte. Und das ist auch gut so.

SI: Sie sind einer der wenigen Menschen, die einen professionellen Sport betrieben haben und danach auch Eigentümer geworden sind. In letzter Zeit gab es Geschichten wie die über die Suns. Wie würden sie aus ihrer Erfahrung heraus die Dynamik zwischen Spielern und Eigentümern in der NBA beschreiben? Gibt es da Spannungen?

DW: Meiner Erfahrung nach - ich kenne natürlich nicht alle Beziehungen - sieht man einige da draußen, wie Mark Cuban und Dirk [Nowitzki], und es sieht toll aus. Auch die Eigentümergruppe und die Vorsitzenden in Miami mit der Familie Arison waren großartig zu meiner Familie und mir.

Ich glaube, das Schwierige ist, dass die meisten Teambesitzer noch nie einen Sport auf höchstem Niveau betrieben haben. Wenn man aus zwei völlig verschiedenen Welten kommt, fällt die Verständigung schwer. Zumal es den Eigentümern manchmal nur um die Investition geht. Sie sind eben nicht wie die Spieler an der Sache interessiert.

Für einige Spieler ist der Basketball alles, was sie haben und haben werden. Trainer und Spieler stehen sich sehr nahe, weil die Trainer mit dir in der gleichen Situation sind. Du siehst sie jeden Tag, du siehst sie in schwierigen Momenten, du siehst sie zusammenbrechen. Man hat keine Gelegenheit, die Eigentümer auf diese Weise kennenzulernen. Sie sind mehr oder weniger von der Mannschaft getrennt. Unser Ziel [in Utah] und hoffentlich auch das Ziel für die Zukunft ist es, Spieler und Eigentümer zusammenbringen zu können.

Das Vertrauen zwischen Eigentümern und Spielern ist aktuell nicht sehr groß. Viele von ihnen sind nicht einmal in der Nähe. Ich freue mich darauf, dass mit Donovan [Mitchell] zu ändern. Eine regelmäßige und konstante Kommunikation zu führen. Als Eigentümer kann man das Problem nicht beheben, wenn man es nicht kennt. Kommunikation allein löst generell die meisten Probleme in jeder Beziehung.

SI: In dem Buch gibt es ein Foto von ihnen und Rick Ross, wie sie zusammen im Studio sind. Erzählen sie doch bitte mal die Geschichte.

DW: Am Ende meines letzten Jahres wollte ich noch ein paar Dinge erreichen. Und diese fotografischen Memoiren zählten dazu. Ich hatte meine eigene Schuh-Linie und wollte etwas für die Stadt tun. Also rief ich meinen Freund an und bat ihn, zu mir nach Hause zu kommen.

Rick kam und brachte eine große Flasche Belaire mit - eine riesige. Wir saßen also dort in dieser wunderschönen Umgebung in Miami, blickten aufs Wasser und alles war perfekt.

Ich erzählte ihm von meinen Vorstellungen. Und er sah mich an und sagte: "Du musst etwas für mich tun." Und ich antwortete: "Bruder, sag es."

"Du musst bei einem Track mitmachen." Ich reagierte total verwirrt: "Was?"

Und er meinte nur: "Wir müssen das für die Stadt machen." Für einen Moment dachte ich, das geht nicht. Und dann fiel mir ein: Das ist Rick Ross. Das ist einer meiner Top Five. Ich muss mit ihm ins Studio gehen, auch wenn ich mich zum Idioten mache. Und dieses Foto war in der Nacht nach dem Spiel. Er war dort und wir haben gewonnen und hatten ein gutes Spiel. Noch auf dem Platz sagte ich: "Ich glaube, ich bin bereit, ins Studio zu kommen." Wir gingen rüber, und nahmen tatsächlich einen Song auf.