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Nach Walton-Entlassung in Sacramento: Kings-Krise ist viel verzwickter

Die Entlassung von Kings-Head-Coach Luke Walton kommt nicht unerwartet. Dennoch wäre es ein Fehler ihm die komplette Schuld zuzuschieben. Die Probleme in Sacramento sind viel weitreichender und ihr Ursprung liegt bereits ein paar Jahre zurück.   

Luke Walton
Luke Walton
Die Entscheidung der Kings, Luke Walton nach 161 turbulenten Spielen zu entlassen, sollte niemanden überraschen. Schließlich hatte die Mannschaft die achtschlechteste Siegquote der Liga seit seinem Debüt im Jahr 2019.
Ein Saisonstart von 6:11 in einer sehr offenen Conference und die besonders entmutigenden Niederlagen gegen die Spurs, Timberwolves und Raptors veranlassten Tristan Thompson sogar dazu, sein neues Team in einer brutal ehrlichen Pressekonferenz hart zu kritisieren. Doch wer genauer hinsieht, weiß, dass es schon seit geraumer Zeit rumort.

Denn Sacramento befindet sich wieder einmal auf dem absteigenden Ast - und das trotz einiger junger Lichtblicke im Kader. Doch wenig sah in dieser Saison bisher harmonisch aus. Speziell der angeschlagene De'Aaron Fox enttäuschte. Er ist aktuell von seiner ersten All-Star-Teilnahme weiter entfernt, als es die letzten vielversprechenden Jahren vermuten ließen.

Sacramento: Luke Walton scheiterte an eigener Spielphilosophie

Ein weiteres Problem im Spiel der Kings ist das fehlende Tempo. Dabei hätten sie mit Fox einen Center, der vor allem dann gefährlich ist, wenn er seine Schnelligkeit ausspielen kann. Doch unter Walton liegen sie bezüglich des Offensivtempos außerhalb der Top 10. Zum Vergleich: Unter seinem Vorgänger Dave Joerger landeten sie noch an zweiter Stelle.

Waltons Entscheidung, das Tempo zu drosseln und sich auf die Defensive zu konzentrieren, war angesichts der Zusammensetzung seines Kaders umstritten. Dass sein Plan allerdings überhaupt nicht funktioniert hat, zeigt ein weiterer Wert. Sacramento stellt unter Walton nach Zahlen die zweitschlechteste Defensive der Liga.

Fairerweise muss man Walton jedoch zugute halten, dass die Kings derzeit bei der Anzahl an Transitions aus Defensiv-Rebounds an erster Stelle stehen. Doch die allmähliche Rückkehr zur Joerger-Spielkultur war nicht ausreichend und vor allem zu spät.

Dabei sind mit Harrison Barnes, Richaun Holmes und Buddy Hield drei Spieler im Kader, deren Ziel einzig das Erreichen der Playoffs sein kann. Aber sie funktionieren noch immer nicht wie eine Einheit. Und vor allem treffen die Kings nicht genug Würfe, kommen nicht an den Korb und werden Abend für Abend in der Defensive vorgeführt.

Die Sacramento Kings
Die Sacramento Kings haben mit einigen Problemen zu kämpfen.
Credit: Getty Images
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Die zahlreichen Probleme der Kings

Allerdings kann nicht alles Walton angelastet werden. 2018 verpflichteten die Kings Marvin Bagley III., anstelle eines Riesentalents wie Luka Doncic oder Trae Young. Zudem wurden die Verträge von Jaren Jackson Jr., Shai Gilgeous-Alexander oder Michael Porter Jr. nicht verlängert. Sie hätten Sacramento wie ein Team aussehen lassen können.

Darüber hinaus hatte Sacramento in Waltons erster Saison nicht einmal einen Erstrunden-Pick. Und es ist auch nicht seine Schuld, dass Neu-Präsident Monte McNair sich dazu entschloss, Bogdan Boganovic gehen zu lassen, anstatt das vernünftige Angebot der Hawks anzunehmen. Zur Erinnerung: Bogdanovic war im vergangenen Jahr einer der besten Dreierschützen der Liga.

Zwar scheinen Tyrese Haliburton und Davion Mitchell, die in den letzten beiden Drafts als Zwölfter bzw. Neunter ausgewählt wurden, große Karrieren vor sich zu haben, doch die Nachwehen der fünfjährigen Präsidentschaft von Vlade Divac sind in der gesamten Organisation noch spürbar. Es könnte durchaus sein, dass es mehrere Trainer braucht, bis die Kings sich davon endlich befreien.

Als nächster Kandidat gilt der 67-jährige Alvin Gentry. Dessen Art doch stark an Joerger erinnert. Während seiner Zeit als Suns-Cheftrainer hatten nur zwei Teams ein höheres Tempo. Bei den Pelicans war sogar kein Team schneller. Natürlich ist Geschwindigkeit nicht alles, aber für ein Guard-lastiges Team mit Fox, Haliburton, Hield und Mitchell ist es nicht die schlechteste Voraussetzung.

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